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Konzerte
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21.11. 2000
Großes Haus der Städtischen Bühnen Münster


Johannes Brahms
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-moll, op. 15
Alban Berg
Sieben frühe Lieder
Igor Strawinsky
Petruschka. Burleske Szene in vier Bildern

Ines Krome, Sopran
Markus Becker, Klavier
Symphonieorchester der Stadt Münster
Will Humburg

Reibungsverluste
4. Symphoniekonzert in Münster

Von Martin Rohr



Das Erste Klavierkonzert d-Moll von Johannes Brahms ist wie das Ballett "Petruschka" von Igor Strawinsky nicht nur ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung seines Komponisten, sondern bietet sich auch Konzertveranstaltern als sicherer Publikumsmagnet an. Alban Bergs Sieben frühe Lieder aus den Jahren 1905-08 in der Orchesterfassung von 1928 versprechen - wenngleich nicht so populär wie die anderen Kompositionen - ebenfalls spannende Musik. Sie jedoch zwischen zwei solchen Hauptwerken einzuschieben, verhindert mit Sicherheit einen bleibenden Eindruck, selbst wenn die musikalische Ausführung dem Stück gerecht wird. So - nicht zum ersten Mal - geschehen im 4. Symphoniekonzert des Städtischen Orchesters Münster.

Im gut gefüllten Großen Haus der Städtischen Bühnen hätte Brahms´ erstes Klavierkonzert mit dem sehr engagierten Solisten Markus Becker dem Orchester reichlich Gelegenheit geboten, seine Vielseitigkeit und Flexibilität unter Beweis zu stellen. Markus Becker arbeitete - im körperlichsten Sinne des Wortes - die Wuchtigkeit des Werkes heraus. Dennoch blieb der beherrschende Eindruck, dass der auf Exaktheit angelegten Interpretation etwas die emotionale Beteiligung der Musiker fehlte. Das kontrollierende Dirigat von GMD Will Humburg vermittelte denn auch kaum das Vertrauen in den eigenständigen Gestaltungswillen der Orchestermusiker.

Auch wenn vor allem die Leggiero-Passagen des Ersten Satzes durch ihre filigrane Leichtigkeit beeindruckten, schien etwas zu fehlen. Was dieses Etwas sein könnte, ließ der Choral von Max Reger erkennen, mit dem sich der erste Solist dieses Abends für den herzlichen Applaus bedankte: Gerade durch die zurückhaltende Gestaltung kam die melodische Geschlossenheit zur Geltung.

Die zweite Solistin des Abends, die Sopranistin Ines Krome, hatte es ungleich schwerer, einen bleibenden Eindruck beim Publikum zu hinterlassen, obwohl sie mit ihrer sensiblen, zeitweise fast deklamatorischen Interpretation die Nachtbilder der Sieben Frühen Lieder von Alban Berg durchaus zum Leben erwecken konnte. Der zurückhaltende Gestus der Texte wird durch eine vielfarbige, oft durch die Tonsprache Richard Strauss´ oder Gustav Mahlers inspirierte Musik unterstützt, die nur selten, dafür aber um so eindrücklicher, massiv wird. Der differenzierten Instrumentation kam jetzt die detaillierte Gestaltung Will Humburgs durchaus entgegen.

Leider jedoch wurde dieser Eindruck durch die nachfolgende Ballettmusik von Igor Strawinsky fast vollkommen verschüttet. Denn das Werk, das allein gut eine Konzerthälfte hätte füllen können, ist mit seinem sehr lebendigen Gestus und dem tänzerischen Material zu dominant für die vorher erklungenen leisen Töne. Hinzukommt, dass die sehr hohen Anforderungen an die technischen Fähigkeiten der Musiker - insbesondere im Blech - zeitweise nicht erfüllt werden konnten. Die bunten Jahrmarkt-Szenen des Balletts wurden durch die musikalische Ausführung gut sichtbar. Die Vielfältigkeit der Eindrücke in dieser zweiten Konzerthälfte kam jedoch keinem der beiden Werke entgegen.

Ähnlich wie schon in früheren Konzerten wäre an diesem Abend weniger mehr gewesen.




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