Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Zur OMM-Homepage Konzert-Rezensionen Startseite E-Mail Impressum



1. März 2001
Kölner Philharmonie
Kölner Orchesterkonzerte(4)


George Gershwin
Ein Amerikaner in Paris
Concerto in F

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 1 D-dur Der Titan


Rudolf Buchbinder, Klavier
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Leitung: Lorin Maazel

Umjubelter Auftritt des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks in der Kölner Philharmonie
Tänzerischer Maazel begeistert mit Gershwin und Mahler

Von Silke Gömann



Lorin Maazel und 'seine' Bayerischen Rundfunksinfoniker stellten zum wiederholten Male in der Kölner Philharmonie ihre Extraklasse unter Beweis. Ihre Interpretationen von Gershwin und Mahler machten gleichfalls den großen Unterschied zwischen einem Live-Konzerterlebnis und einer Tonkonserve deutlich. Denn keine noch so gelungene Einspielung kann so eindrucksvoll das Gesamterlebnis grandioser Musikinterpretation erfahrbar machen, wie sie das Publikum an diesem Abend in Philharmonie miterleben durfte. Sicherlich, wer nicht anwesend war, mag diese Zeilen etwas übertrieben schwärmerisch finden. Dennoch bleibt die Rezensentin dabei, dass das Konzerterlebnis an diesem Abend für Ohren, Augen und Körper in seiner Stimmigkeit außergewöhnlich war.

Kompositionen von Gershwin und Mahler miteinander zu kombinieren, ist nicht gerade selbstverständlich. Scheinbar unbekümmerter Hollywoodsound trifft auf abgrundtiefe und gebrochene Ironie. Die beiden Konzerthälften hätten dann auch nicht unterschiedlicher sein können. Im ersten Teil dominierte das leichte, augenzwinkernde Musizieren, zu dem Maazel seine Musiker anspornte. Da tönten keck die vier unterschiedlichen Autohupen in Gershwins An American in Paris und vor allem die Blechbläser brillierten mit Ragtime- und Blueselementen. Nie hatte man den Eindruck, hier versuche ein deutsches Orchester, den amerikanischen Tanzgestus bloß nachzuahmen. Im Concerto in F setzte sich diese adäquate musikalische Zugangsweise nahtlos fort. Wer vorher noch meinte, der Pianist Rudolf Buchbinder sei eventuell doch eher für das klassisch-konservative Repertoire prädestiniert, sah sich schnell eines besseren belehrt. Sicherlich, amerikanische Pianisten mögen etwas forscher an den Solopart herangehen, sich mehr in den Vordergrund spielen, doch Buchbinder und Maazel fanden eine stets aufeinander abgestimmte Musizierweise. Da Gershwin in seinem Konzert auch mit der traditionellen Form spielt, neue überraschende Akzente setzt und typische Jazzelemente integriert, ist von einem Solisten die konservative Solistengeste ebenso gefordert wie der Jazzpianist. Und diesen Anforderungen wurde Buchbinder mehr als nur gerecht. Dazu gesellte sich eine Orchester, dessen Musiker ihre Solistenaufgaben souverän und mit Musizierlust ausfüllten.

Nach der Pause wechselte dann die Atmosphäre. Lorin Maazel führte sein Orchester mit eindrucksvoller Gestaltungskraft und Formwillen durch Mahlers erste Sinfonie. Man kann im Rückblick gar nicht genau ausmachen, welcher Satz am eindrucksvollsten auf einen wirkte. Schon allein die Gestaltung der Einleitung zum ersten Satz war atemberaubend. Wer das Abgründige bei Mahler liebt, wird die Interpretation des Totenmarsches herausheben wollen, und wer das Hauptaugenmerk auf die Finalgestaltung richtet, wird von der Intensität der Interpretation durch Maazel und sein Orchester schwärmen. Der körperlichen Wucht, des physischen Angriffs im Finale der Sinfonie konnte sich kein Zuhörer entziehen. Dies machte der spannungsentladende jubelnde Beifall deutlich, der schon in den noch verklingenden letzten Ton der Sinfonie hereinbrach.




Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief




Da capo al Fine

Zur Homepage Zur Veranstaltungs-Indexseite E-Mail Impressum

E-Mail: konzerte@omm.de

© 2001 Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -