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20. Februar 2001
Kölner Philharmonie
Akzente(4) / Kölner Orchesterkonzerte(3)


Jan Dismas Zelenka
Hipocondrie à 7 Concertanti A-dur ZWV 187

Anton Webern
Fuga (Ricercata) aus Musikalisches Opfer Nr. 2 BWV 1079
für 6 Stimmen von Johann Sebastian Bach

György Ligeti
Hamburgisches Konzert für Horn und Kammerorchester

Johann Sebastian Bach
Ouvertüre Nr. 1 C-dur BWV 1066

Mark-Anthony Turnage
About Time


Marie Luise Neunecker, Horn
Ensemble Modern
Freiburger Barockorchester

Leitung: Kwamé Ryan

Moderne meets Barock
Kurzweiliges Konzert mit dem Ensemble Modern und dem Freiburger Barockorchester in der Kölner Philharmonie

Von Silke Gömann



Obwohl das Konzert mit dem Ensemble Modern und dem Freiburger Barockorchester Bestandteil von 2 Abonnementreihen der KölnMusik ist - der Neuen und der neuesten Musik gewidmeten Akzente-Reihe und der Kölner Orchesterkonzert-Reihe - war die Kölner Philharmonie leider nur spärlich besetzt. Dabei hätte das Programm an diesem Abend wesentlich mehr Interessenten verdient gehabt.
Wann hat man als Konzertbesucher schon einmal die Gelegenheit, zwei ausgewiesene Spezialistenorchester gemeinsam musizieren zu hören? Geschuldet war diese Möglichkeit der Komposition About Time aus dem Jahr 1999 des Engländers Mark-Anthony Turnage, der in diesem Werk mit den Grenzen zwischen historischer und zeitgenössischer Aufführungspraxis experimentiert, indem er historische und moderne Instrumente (mit einer um einen Viertelton verschobenen Stimmung) zusammenführt. Beim Hören war dann jedoch überraschend, dass dieser Unterschied in der Temperatur beim Einstimmen der beiden Ensemble wesentlich deutlicher war als im gesamten Stück. Turnage 'spielt' in seiner Komposition mit den beiden Ensemble und der unterschiedlichen Spielweise, ohne jedoch die Gegensätze schroff aufeinanderprallen zulassen oder von einander abzugrenzen.

Dem Zusammenspiel von beiden Orchestern zum Schluss des Konzerts gingen jeweils getrennte Aufführungen voraus, bei denen sich die Ensemble in ihrem ureigenen Metier profilierten. Das Freiburger Barockorchester unter der Führung seines Konzertmeisters Gottfried von der Goltz präsentierte eine bewegt-geschliffene Interpretation der im Stile einer französischen Ouvertüre komponierten Hipocondrie des böhmischen Komponisten Jan Dismas Zelenka (1679-1745) und brillierte dann mit der ersten Orchestersuite in C-dur von Johann Sebastian Bach, deren unterschiedliche Tanzcharaktere auf überzeugende Weise ausgestaltet wurden.

Das Ensemble Modern schlug mit der Orchestration des Ricercar Nr. 2 aus dem Musikalischen Opfer von Johann Sebastian Bach durch Anton Webern die Brücke ins 20. Jahrhundert.
Aufmerksam geleitet vom Dirigenten Kwamé Ryan setzten die einzelnen Instrumentalisten ihre Töne in die von Webern in kleinste Teile aufgesplittete und auf verschiedene Instrumente verteilte Melodielinien der sechsstimmigen Bach-Fuge. Die dadurch entstehenden wechselnden Klangfarben haben auch heute noch ihre Faszination für den Zuhörer nicht verloren.

Neben Turnages' About Time stand das erst im Januar uraufgeführte Hamburgische Konzert für Horn und Kammerorchester von György Ligeti im Zentrum des Konzertabends. Lässt Turnage zwei unterschiedlich gestimmte Ensemble miteinander musizieren, setzt auch Ligeti auf mikrotonale Stimmungsschwankungen, wenn er dem Solo-Horn vier Naturhörner im Orchester gegenüberstellt.
Die Solistin Marie Luise Neunecker, der das Konzert von Ligeti auch gewidmet ist, gestaltete ihren Solopart, der auf aufgesetzte Virtuosität verzichtet, mehr als nur souverän.
Einen weiteren Reiz übt diese Komposition durch die Anklänge an unterschiedliche Kompositionsformen und Stile der Musikgeschichte aus, die den hörenden Nachvollzug zu einem kurzweiligen Musikgenuss werden ließen.

Fazit:
Hoffentlich war die Kombination von alt und modern nicht nur ein einmaliges Experiment, das dem Werk von Mark-Antony Turnage geschuldet war, sondern der Beginn des Aufbrechens der Expertenclubs der 'Alten Musik-Szene' und der 'Zeitgenössischen Musik'.




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