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Arnold Schönbergs Gurre-Lieder in Gelsenkirchen
Ein gewaltiger Klangrausch Von Gordon Kampe
Dies ist sicherlich ein Grund, warum das Werk nur selten im sonst häufig museal-angestaubtem Konzertbetrieb zu Gehör gebracht wird. Schon vorweg, die Meisterung dieser logistischen Probleme gelang vortrefflich. Allerdings muß man sich die Frage stellen, ob es bei einem Konzert nur um die Herausstellung solcher Fähigkeiten gehen kann: nachdenklich stimmt doch, dass so einem revolutionären Schönberg mit einem spätromantischem Frühwerk gehuldigt wird. Ein Blick auf die zukünftige Programmgestaltung verrät auch, dass man sich nicht einmal der "klassischen Moderne" annimmt. Wagners "Tristan" ist in diesem Riesen-Werk an allen Orten zu verspüren, so lotete Johannes Wildner auch gerade diesen Aspekt hervor. Dabei vermied er alle überbordenden Klänge künstlcih zu steigern, er formte einen kristallklaren Klang - und das alles auswendig, was Wildner zum Mann des Abends machte. Die Mitglieder der Neuen Philharmonie folgten ihm in Höchstform: die technisch schwierige Partitur schien beinahe mühelos bewältigt zu werden, insbesondere die ungeheure Akrobatik der Holzbläser oder die strahlende Wucht der Blechbläser beeindruckte enorm. Der überragendste Solist des Abends konnte an den Pauken bewundert werden - er spielte nicht, er feierte sein Instrument!
Bei der glänzenden Form des Orchesters fielen die Chöre, alle nur im letzten, kurzweiligeren Teil eingesetzt, leider deutlich ab. Sicherlich, es handelte sich hier nicht um professionelle Chöre, doch gerade im leisen Männerchor "Der Hahn erhebt den Kopf...", wurden große Intonationsprobleme deutlich; der räumlich große Abstand mag das zum Teil entschuldigen. Der vorhergehende Auftritt des Männerchores "Gegrüßt, o König", verblasste durch die Wucht des Orchesters zur Kulisse: man hörte nichts.
Fazit: Die Gurre-Lieder sind ein schwieriges Stück: sie geben allen Beteiligten die Möglickeit aufzutrumpfen - und das gelang. Leider ist das Stück - man mag es noch so sehr zu widerlegen versuchen - ein Wagner Plagiat. Dabei ist es trotzdem ein sehr schönes, unbedingt aufführungswürdiges Werk, aber den wegweisenden Komponisen Schönberg, den ehrt man damit nicht.
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- Fine -