Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Zur OMM-Homepage Klassik-Rezensionen Startseite E-Mail Impressum



2.7.2001
Musiktheater Gelsenkirchen


Arnold Schönberg: Gurre-Lieder für Soli, Chor und Orchester
Text von Jens Peter Jacobson (Deutsch von Robert Franz Arnold)

Gabriele-Maria Ronge, Tove (Sopran)
Cornelia Helfricht, Waldtaube (Mezzosopran)
Alexander Spemann, Waldemar (Tenor)
Wolfgang Koch, Bauer (Bass)
Arthur Friesen, Klaus-Narr (Tenor)
Ludwig Baum, Sprecher

Neue Philharmonie Westfalen
Städt. Chor Recklinghausen
Städt. Musikverein Gelsenkirchen
Männerchor Frohsinn
Städt. Musikverein Düsseldorf

Johannes Wildner, Leitung

Arnold Schönbergs Gurre-Lieder in Gelsenkirchen
Ein gewaltiger Klangrausch

Von Gordon Kampe



Die "Neue-Philharmonie-Westfalen" ehrt den Komponisten Arnold Schönberg, 50 Jahre nach seinem Tod im amerikanischen Exil, mit dem gigantischsten und zugleich auch "unschönbergsten" Werk: den Gurre-Liedern. Sich diesem Werk anzunehmen, verlangt nicht nur intensiven musikalischen, sondern vielmehr logistischen Aufwand. Immerhin ist es eines der größtbesetzten Werke der Literatur, verlangt es neben mehreren Chören ein riesig besetztes Orchester, was in der Regel nur mit Aushilfen zu bewerkstelligen ist.

Dies ist sicherlich ein Grund, warum das Werk nur selten im sonst häufig museal-angestaubtem Konzertbetrieb zu Gehör gebracht wird. Schon vorweg, die Meisterung dieser logistischen Probleme gelang vortrefflich. Allerdings muß man sich die Frage stellen, ob es bei einem Konzert nur um die Herausstellung solcher Fähigkeiten gehen kann: nachdenklich stimmt doch, dass so einem revolutionären Schönberg mit einem spätromantischem Frühwerk gehuldigt wird. Ein Blick auf die zukünftige Programmgestaltung verrät auch, dass man sich nicht einmal der "klassischen Moderne" annimmt.

Wagners "Tristan" ist in diesem Riesen-Werk an allen Orten zu verspüren, so lotete Johannes Wildner auch gerade diesen Aspekt hervor. Dabei vermied er alle überbordenden Klänge künstlcih zu steigern, er formte einen kristallklaren Klang - und das alles auswendig, was Wildner zum Mann des Abends machte. Die Mitglieder der Neuen Philharmonie folgten ihm in Höchstform: die technisch schwierige Partitur schien beinahe mühelos bewältigt zu werden, insbesondere die ungeheure Akrobatik der Holzbläser oder die strahlende Wucht der Blechbläser beeindruckte enorm. Der überragendste Solist des Abends konnte an den Pauken bewundert werden - er spielte nicht, er feierte sein Instrument!

Bei der glänzenden Form des Orchesters fielen die Chöre, alle nur im letzten, kurzweiligeren Teil eingesetzt, leider deutlich ab. Sicherlich, es handelte sich hier nicht um professionelle Chöre, doch gerade im leisen Männerchor "Der Hahn erhebt den Kopf...", wurden große Intonationsprobleme deutlich; der räumlich große Abstand mag das zum Teil entschuldigen. Der vorhergehende Auftritt des Männerchores "Gegrüßt, o König", verblasste durch die Wucht des Orchesters zur Kulisse: man hörte nichts.
Das man nichts von ihm hört, mußte hin und wieder auch Alexander Speemann befürchten, der den Waldemar verkörperte und die größte Arbeit zu verrichten hatte. Die durchsichtige, sängerfreundliche Instrumentation, war offenbar nicht Schönbergs Anliegen.
Gabriele-Maria Ronge gab sich auch voll und ganz dem Wagner-Timbre hin und kämpfte stark gegen das Orchetser an - zumeist gewann sie. Dass es auch ohne Kampf geht, bewies Cornelia Helfricht in ihrer Partie der "Waldtaube." Scheinbar mühelos bewältigte sie ihren Text mit deutlicher Diktion und hoch differenzierter Dynamik. Ähnlich überzeugend auch Wolfgang Koch als "Bauer".
Etwas undankbar ist die "Klaus-Narr" Partie, sie bietet dem Sänger nur wenig Möglichkeit zu beweisen, dass er wirklich singen kann: zu verzerrt, wie Wagners "Mime", muß alles vorgetragen werden. Diesem wurde Arthur Friesen sehr gerecht. Bleibt noch der vormalige Intendant Ludwig Baum, der seine Sprecher-Rolle sehr charmant meisterte.

Fazit: Die Gurre-Lieder sind ein schwieriges Stück: sie geben allen Beteiligten die Möglickeit aufzutrumpfen - und das gelang. Leider ist das Stück - man mag es noch so sehr zu widerlegen versuchen - ein Wagner Plagiat. Dabei ist es trotzdem ein sehr schönes, unbedingt aufführungswürdiges Werk, aber den wegweisenden Komponisen Schönberg, den ehrt man damit nicht.


Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief




Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Klassik-Rezensionen Startseite E-Mail Impressum

© 2001 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
Email: konzerte@omm.de

- Fine -