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Bewegende Lieder von Liebe und Tod
Schönbergs Gurre-Lieder in hinreissender Interpretation in der Düsseldorfer Tonhalle Von Thomas Tillmann
Doch auch nach dem Tod des geliebten Mädchens kann er nicht von ihr lassen und führt den Sarg stets mit sich; seine Trauer über den Verlust lässt ihn Gott verfluchen, was ihm die Strafe einträgt, mit seinen Vasallen für alle Ewigkeit durch den nächtlichen Himmel reiten zu müssen, stets auf der vergeblichen Suche nach der toten Geliebten. Wunderbar zum opulent-monumentalen Charakter der Musik, deren Name auf den Treffpunkt des Liebespaares zurückgeht, den stillen See des dänischen Schlosses Gurre, passte auch die üppige Textur und der Strausssche Jubelton von Linda Watsons dramatischem Sopran, der in der tiefen Lage noch immer viel Mezzofarbe aufweist.
John Fiore hat zweifellos ein gutes Händchen für Spätromantisch-Tiefsinniges und kostete besonders in den Zwischenspielen das Kulinarisch-Rauschhafte, ungemein Sinnliche dieser Musik aus, deren durchsichtig-schwebenden Passagen besonders im dritten, erst 1910/11 instrumentierten Teil - Schönbergs Kompositionsstil hatte sich inzwischen deutlich in Richtung Zwölftonmusik weiterentwickelt, wobei der Künstler sich nach eigenen Angaben auch später von Zeit zu Zeit verpflichtet fühlte, sein Können an tonalem Material zu demonstrieren - er aber ebenso wenig etwas schuldig blieb wie den Solisten, denen er einen edel schimmernden Klangteppich zauberte; dass selbst deren ziemlich robuste Stimmen manchmal in den - freilich niemals unkontrolliert hervorbrechenden - Orchesterfluten unterzugehen drohten, ist bei diesem riesigen Apparat und der begrenzten Akustik der Tonhalle kaum zu vermeiden, die der sonst nicht gerade zum Hymnischen neigende Rezensent, vom Eindruck des grandiosen, die positive Kraft der Sonne feiernden Schlusschor überbewältigt, beglückt verließ.
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- Fine -