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Veranstalter-Homepage 20.05.2001
Tonhalle Düsseldorf, großer Saal
11. Symphoniekonzert - Lieder von Liebe und Tod



Arnold Schönberg: Gurre-Lieder für Soli, Chor und Orchester
Text von Jens Peter Jacobson (Deutsch von Robert Franz Arnold)

Linda Watson, Tove (Sopran)
Katarina Karnéus, Waldtaube (Mezzosopran)
Glenn Winslade, Waldemar (Tenor)
Christophe Duringer, Bauer (Bass)
Arnold Bezuyen, Narr (Tenor)
Brigitte Fassbaender, Sprecherin

Düsseldorfer Symphoniker
Städtischer Musikverein zu Düsseldorf,Einstudierung: Marieddy Rossetto
Philharmonischer Chor Bonn, Einstudierung: Thomas Neuhoff

John Fiore, Dirigent

Bewegende Lieder von Liebe und Tod
Schönbergs Gurre-Lieder in hinreissender Interpretation in der Düsseldorfer Tonhalle

Von Thomas Tillmann



Eine hinreissende, unerhört bewegende Wiedergabe der im Februar 1913 uraufgeführten Gurre-Lieder gab es im 11. Symphoniekonzert der glänzend disponierten Düsseldorfer Symphoniker mitzuerleben (ich besuchte das zweite von drei Konzerten am Morgen des 20. Mai 2001).
Dank "großzügiger Unterstützung der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW" hatte man ein kompetentes Solistensextett verpflichten können, das Glenn Winslade als äußerst textverständlicher Waldemar auf höchstem Niveau anführte. Seine angenehm dunkle, zum jugendlichen Heldentenor herangereifte, völlig unangestrengt produzierte, legatostarke Stimme besitzt enorme Strahlkraft in der nicht selten geforderten hohen Lage und ist dennoch flexibel genug für die zarteren Momente, in denen er von seiner verzweifelten Liebe zu der schönen Tove singt, die seine eifersüchtige Frau ermorden lässt.

Doch auch nach dem Tod des geliebten Mädchens kann er nicht von ihr lassen und führt den Sarg stets mit sich; seine Trauer über den Verlust lässt ihn Gott verfluchen, was ihm die Strafe einträgt, mit seinen Vasallen für alle Ewigkeit durch den nächtlichen Himmel reiten zu müssen, stets auf der vergeblichen Suche nach der toten Geliebten. Wunderbar zum opulent-monumentalen Charakter der Musik, deren Name auf den Treffpunkt des Liebespaares zurückgeht, den stillen See des dänischen Schlosses Gurre, passte auch die üppige Textur und der Strausssche Jubelton von Linda Watsons dramatischem Sopran, der in der tiefen Lage noch immer viel Mezzofarbe aufweist.
Leider ist die Amerikanerin nach wie vor keine besonders intensive Gestalterin, was besonders im Vergleich mit Katarina Karnéus auffiel, die mit ihrem kräftig-frischen, biegsamen und auch in der Tiefe problemlos ansprechenden lyrischen Mezzosopran die wilde Verzweiflung der Waldtaube berührend umzusetzen verstand.
Christophe Duringer konnte dagegen seinen kurzen Auftritt als Bauer kaum nutzen, um sich für größere Aufgaben zu empfehlen, während der 1998 bereits als Bayreuther Loge aufgefallene Arnold Bezuyen als Klaus-Narr durch klare Deklamation und vokale Beweglichkeit einnahm.
Die energiestrotzende, hochkonzentrierte Brigitte Fassbaender profitierte in den von Schönberg genau festgelegten Sprecherpassagen von ihrer großen Erfahrung als Liedsängerin. Auch die Chöre leisteten insgesamt hervorragende Arbeit; freilich hätte eine zusätzliche gemeinsame Probe zu einer noch größeren Textsynchronität geführt, und etwas mehr Sopranglanz wäre dem Gesamtklang auch zugute gekommen.

John Fiore hat zweifellos ein gutes Händchen für Spätromantisch-Tiefsinniges und kostete besonders in den Zwischenspielen das Kulinarisch-Rauschhafte, ungemein Sinnliche dieser Musik aus, deren durchsichtig-schwebenden Passagen besonders im dritten, erst 1910/11 instrumentierten Teil - Schönbergs Kompositionsstil hatte sich inzwischen deutlich in Richtung Zwölftonmusik weiterentwickelt, wobei der Künstler sich nach eigenen Angaben auch später von Zeit zu Zeit verpflichtet fühlte, sein Können an tonalem Material zu demonstrieren - er aber ebenso wenig etwas schuldig blieb wie den Solisten, denen er einen edel schimmernden Klangteppich zauberte; dass selbst deren ziemlich robuste Stimmen manchmal in den - freilich niemals unkontrolliert hervorbrechenden - Orchesterfluten unterzugehen drohten, ist bei diesem riesigen Apparat und der begrenzten Akustik der Tonhalle kaum zu vermeiden, die der sonst nicht gerade zum Hymnischen neigende Rezensent, vom Eindruck des grandiosen, die positive Kraft der Sonne feiernden Schlusschor überbewältigt, beglückt verließ.


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