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Mittwoch, 21.7.1999, 20.00 Uhr, Gastronomiezentrum Bochum

Frédéric Chopin:
Polonaise c-Moll op. 40 Nr.2
Ballade Nr.2 F-Dur op. 38
Drei Mazurkas aus op.33
Drei Mazurkas aus op.41
Polonaise As-Dur op.53
Polonaise fis-Moll op.44
Drei Mazurkas aus op.17
Nocturne H-Dur op.9 Nr.3
Scherzo Nr.3 cis-Moll op.39


Adam Harasiewicz, Klavier

Harasiewicz' traurige Vorstellung

Von Oliver Kautny

Es gibt Konzerte, über die mag man nicht schreiben - aus Respekt vor einem großen Interpreten, der sich durch Preise (Chopinwettbewerb 1955) und wichtige Einspielungen einen ehrenvollen Namen gemacht hat, aber an diesem Abend kaum einer Blamage entronnen ist.
Was mag in dem Altmeister vorgegangen sein, der über weite Strecken eine unprofessionelle, nicht einmal drittklassige Partie zum Besten gab. Man mußte sich regelrecht zwingen auch noch die zweite Hälfte durchzustehen, die durch eine Steigerung wenigstens Normalniveau erreichte. Hier war Harasiewicz konzentrierter und freier und rettete ein Stückchen vom Abend mit schönen lyrischen Momenten und technisch gut gemeisterten Passagen.

Das Positive konnte aber unterm Strich nicht entschädigen, den Schock nicht mindern. Der Pianist eröffnete mit der Polonaise c-Moll, die recht routiniert wie eine Ouvertüre zum Warmwerden klang. So etwas ist verzeihlich. In Chopins F-Dur Ballade konnte der aufmerksame Hörer aber erstmals über die oberfächliche Virtuosität des Solisten stolpern. Hinter der bombastischen Augenwischerei verbarg sich mangelnde Differenzierung, der eine undurchhörbare Interpretation Tribut zollen mußte: Stimmen wurden mitunter lieblos im Klangbrei eingeebnet, Triller brachen in blechernem Klang heraus. Vielleicht lag ihm das Instrument nicht - doch von einem Profi muß man anschlagstechnische Kompensation erwarten.

Schlimmer kam es dann in der Polonaise in As-Dur, in der es von Fehlern nur so wimmelte. Vielmehr noch: Harasiewicz kämpfte sich geradezu durch die Noten, die ihm unter seinen Fingern nur so davonliefen. Die gesamte Struktur flüchtete immer hektischer nach vorn. Auch der wolkige Pedalgebrauch konnte die unglaublichen Spielfehler und die Unzulänglichkeiten nicht mehr verbergen. Peinlicher hätte eine Darbietung kaum sein können. Noch unglaublicher aber die Publikumsreaktion mit Bravos und großem Beifall.

Der polnische Pianist scheint seine besten Jahre weit hinter sich zu haben. Fast traurig zu sehen, wie seine betonte Lässigkeit und pathetische Gestik diesen Eindruck begleitet und zu leeren Zeichen degeneriert.




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