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2. Sinfoniekonzert in der Stadthalle am Johannisberg am Dienstag, 29. September 1998

A. Schönberg: Pelleas und Melisande op. 5
W.A. Mozart: Klavierkonzert c-moll KV 491
R. Strauss: Till Eulenspiegels lustige Streiche op.28

Heidrun Holtmann, Klavier
Sinfonieorchester Wuppertal
Johannes Wildner, Leitung


Zähe Spätromantik und miserables Blech

Im zweiten Sinfoniekonzert überzeugte allein die Programmänderung...

Von Tobias Burgsmüller

Nachdem sich die ersten beiden Konzerte der Wuppertaler Sinfoniker als wahre Publikumsmagneten erwiesen hatten, nicht zuletzt natürlich begründet in der Neugier des Konzertpublikums auf den neuen GMD, vermochte Johannes Wildner mit seinem überwiegend spätromantischen Programm (angekündigt war gar ein vollständig von der Romantik bestimmter Abend, der jedoch durch den Ausfall Franziska Pietschs und das dadurch kurzfristig eingefügte Mozart-Konzert ein klassisches Intermezzo erhielt), die Wuppertaler Stadthalle gerade einmal halb zu füllen. Um es vorweg zu nehmen: Die zu Hause Gebliebenen haben nicht gerade eines der ganz großen kulturellen Highlights verpaßt, das Konzert blieb über weite Strecken hinter den Erwartungen zurück.

Schuld an diesem negativen Gesamteindruck war weitgehend die recht blaß und zäh wirkende Interpretation der beiden spätromatischen Werke. Arnold Schönbergs sinfonische Dichtung Pelleas und Melisande, ein von Dauer, Besetzung und Klangvolumen wahrhaft monumentales Werk, wurde ebenso wie Richard Strauss spritziger Till Eulenspiegel über weite Strecken zu undifferenziert angegangen. Zwar schaffte es Wildner, dem Orchester das nötige Klangvolumen zu entlocken, schaffte es gerade auch im Schönberg, das überaus breite Klangfarbenspektrum gekonnt auszukosten, all das konnte aber eine fahde, schleppende Zähigkeit der Musik nicht wettmachen, die sich wohl weitgehend in fehlender dynamischer Differenziertheit begründete. Beide Stücke wirkten von vorne bis hinten "einfach nur laut", damit wurde Wildner weder den Fähigkeiten der Musiker noch den Eigenschaften des Konzertsaals gerecht. Qualitativ herausragender Programmpunkt wurde dadurch groteskerweise das nur als Notlösung kurzfristig eingeschobene Klavierkonzert c-moll von Wolfgang Amadeus Mozart. Herausragend insbesondere aufgrund der Leistung von Heidrun Holtmann, die vollständig überzeugte. Ihr sehr perlendes Klavierspiel wurde der Mozartschen Musik voll gerecht, die Tatsache, daß das Orchester manches mal zu sehr hinter der Expressivität der Solistin zurückblieb, wollen wir wohlwollend auf vermutlich mangelnde Probenzeit bei dieser kurzfristigen Programmänderung zurückführen.

Das Orchester selbst spaltete sich (wieder einmal !) qualitativ in zwei Lager: Blechbläser und alle Übrigen ! Während letztere Gruppe insgesamt einen sehr positiven Eindruck hinterließ (herauszuheben sind die zahlreichen Soli der Streicher-Stimmführer beim Schönberg sowie sehr diszipliniertes kammermusikalisches Zusammenspiel der Holzbläser gerade im Klavierkonzert), war das Blech wie schon so häufig in der Vergangenheit (und an dieser Stelle freut sich der Rezensent, daß er im ach so jugendlich-innovativen Internet sein Empfinden in Worte kleiden darf, die im klassischen Print-Medium wohl eher unschicklich wären) "unter aller Sau" ! Die Blechgruppe schaffte es, die Serie der "verpatzen Einsätze an exponierten Stellen", die seit Jahren das Wuppertaler Konzertleben beherrscht, eindrucksvoll fortzusetzen. Ihre Höhepunkte fand diese Serie diesmal in einem fulminanten und vom Dirigenten wild gestikulierend abgewunkenen Fehleinsatz im Schönberg sowie in einem einleitenden Till-Eulenspiegel-Motiv, das kaum als solches zu erkennen war. Es ist schade und eigentlich unverständlich, daß in einem Profi-Orchester einzelne Musikergruppen mit solcher Konstanz negativ auffallen. Schließlich fällt der Eindruck letztendlich auf das gesamte Orchester zurück, und ein Ruf von mangelnder Qualität ist in dieser Zeit, in der sich in Wuppertal mit dem neuen GMD endlich eine Wende wieder hin zu vollen Konzertsälen andeutete, wohl das letzte, was das Sinfonieorchster gebrauchen kann.

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