Online Klassik - Rezensionen
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Stadthalle, 19. 11. 1997
3. Gastkonzert der Konzertgesellschaft Wuppertal

The King`s Singers
David Hurley, Countertenor
Nigel Short, Countertenor
Paul Phoenix, Tenor
Philip Lawson, Bariton
Gabriel Crouch, Bariton
Stephen Connolly, Baß

Roger Vignoles, Klavier

Madrigale der Renaissance
Romantische Chorlieder
Franz Schubert Zwei Moments Musicaux aus D 780
Romantische Chorlieder
-
Chorwerke von Benjamin Britten
Hommage an die Comedian Harmonists

The King’s Singers und das Stilleben

Von Oliver Kautny

Die Zuhörer in der gut zweidrittel gefüllten Stadthallen waren hingerissen vom Vokalsextett aus England. Nach Spätrenaissance, Romantik und Moderne versetzten die King Singer`s und ihr pianistischer Begleiter am Ende ihres Programms die Wuppertaler mit Evergreens der Comedian Harmonists in blanke Begeisterung.
Die Arrangements dieser „Oldies“ waren allerdings mit feinen Anspielungen gespickt und mit Zitaten collagiert. „Veronika, der Lenz ist da“ war z. B. ein Thema aus Sindings Frühlingsrauschen unterlegt. Hier spielte das Ensemble auch einer seiner Stärken aus: Die Fähigkeiten auf hohem gesanglichen Niveau humorvoll und locker, dem Publikum auf natürliche Weise nah zu sein.

Vom musikalischen und interpretatorischen Standpunkt überzeugten mich die Madrigale und die Werke B. Brittens. Beiden gemein war, daß die Sänger Geschichten erzählten, was sich unweigerlich in der Stimmbehandlung und der Gestaltung des Materials positiv niederschlug.

Die Madrigale ließen ein Meer aus Tonwellen erklingen, die durch die polyphone Ausgestaltung und kurzlebige Crescendo-Decrescendo-Dynamik alles fließen ließ.
Insbesondere die Ballade von Britten schien mir gelungen, deren dramatische Ausgestaltung glaubhaft. Stimmlich herausragend war bezüglich der Stimmführung und Gestaltung der Baß Stephen Connoly, dessen Beweglichkeit und Klangfülle enorm ist.

Was die romantischen Chorlieder anbelangt, bin ich nach wie vor zwiespältiger Ansicht. Denn ohne Zweifel singen die sechs Männer klangschön. Muß sich aber ein so hochgerühmtes Sextett nicht dem Vergleich großer romantischer Interpreten stellen oder genügt es (statt des stets bierernsten Interpretationsgehabe) einfach schön zu singen.
Für meinen Geschmack jedenfalls war der Block mit romantischer Musik unendlich langweilig, was ich an drei Punkten festmache.
Erstens war die Auswahl der Lieder auf Abendständchen und dergleichen festgelegt. Mit wenigen Ausnahmen waren die sieben getragenen Lieder thematisch und musikalisch sehr gleich: Legato, piano immerzu.
Zweitens war die Darbietung so hübsch und brav, daß nur noch ein Blumenstrauß auf dem Flügel fehlte, da die Lieder inklusive der Klaviersoli von Roger Vignoles einem verinnerlichten Biedermeierstilleben glichen.
Drittens waren die solistischen Einlagen der Sänger oft undifferenziert (wenn man eben vergleicht, wie Kunstlieder von Schubert u. a. interpretiert werden können), wie im Beispiel des Abendständchens von Brahms der Bariton Philip Lawson fast gar nicht gestaltete.

Mein Fazit: Mit Abstrichen eine gute musikalische Leistung mit sehr hohem Unterhaltungswert.



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