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Dienstag, 15.6.1999, 20.00 Uhr, Historische Stadthalle Wuppertal

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr.1 C-Dur op. 21
Gustav Holst: Die Planeten op. 32. Suite für großes Orchester

Sinfonieorchester Wuppertal
Frauenstimmen der Kantorei Barmen-Gemarke (Einstudierung: Wolfgang Kläsener)
George Hanson, Leitung

Fade out

Hanson verabschiedet sich in die sinfonische Sommerpause

Von Oliver Kautny

Beethovens "Erste" gehört zum Standard des klasssischen Konzerts und mag bei dem Bemühen, gerade bei den Klassikern nicht epigonal zu wirken, wahrlich Kopfschmerzen bereiten. Wirklich keine einfache Aufgabe: Zwar besteht der Reiz für viele gerade im Wiedererkennen des Bekannten - was bekanntlich die Einführung aktueller Musik so schwer macht. Gleichzeitig will man aber auch nicht mit "alten Kamellen" gelangweilt werden. Das Versprechen, etwas Altbekanntes spannend zu vermitteln, ist ein heikles Unterfangen und wurde an diesem Abend sehr unterschiedlich eingelöst.

Nach der langsamen Einleitung des Kopfsatzes ging es zünftig zur Sache, Hanson bot einen eckigen Beethoven, der kraftvoll und frisch daherkam. Das gut disponierte Schlagwerk trug nicht unwesentlich zu dem gelungen Auftakt bei. Für den Anfang war also gesorgt. Positiv fiel im weiteren Verlauf die Gestaltung der Dynamik aus. An den thematischen Bruchstellen die Lautstärke drastisch zu reduzieren und allmählich wieder zu steigern, gelang im Grunde gut. Dadurch entstanden immer neue Wellen, neue Anläufe.
Richtige Begeisterung kam aber m.E. trotzdem nicht auf. Über weite Strecken kam der Motor nicht recht in Schwung, was vielleicht die eher neutrale Publikumsreaktion zur Pause erklären mag.
Der 2. Satz machte da eine schöne Ausnahme in einer eher durchschnittlichen Beethoveninterpretation, die mir von der gedanklichen Konzeption gründlich erschien, der es aber an musikalischem Fluß und Esprit mangelte. Lediglich im "Andante cantabile con moto" überzeugte das Sinfonieorchester durch klangliche Differenzierung und kompakte musikalische Linie. Hier war etwas von einer zielgerichteten Interpretation zu spüren.

Das Wuppertaler Publikum mag sich nach der Holst-Suite - der zweiten Hälfte des Konzerts - gefragt haben, ob das Programmheft - das ja vollmundig die Frauenstimmen der Kantorei Barmen-Gemarke (Ltg. W. Kläsener) angekündigte - nicht zu viel versprochen hatte. Von den Sängerinnen war jedenfalls bis zum Schluß nichts zu sehen. Außerdem war der Decrescendo-Effekt im "Neptun, der Mystiker" derart perfekt und geradezu ins Nichts transzendierend, daß man kaum an einen live gesungenen Chorpart glauben mochte. Vielmehr schien hier digitale Technik nachgeholfen zu haben. Dem war aber - wie mir Wolfgang Kläsener nach dem Konzert versicherte - definitiv nicht so. Die sechs Tonbilder dieser astronomischen Programmusik waren bereits verklungen, die Sternbilder Mars, Venus, Merkus, Jupiter, Saturn und Uranus von den "Wuppertalern" plastisch portraitiert, als mit dem letzten Satz der Suite der absolute Höhepunkt des Konzerts erreicht wurde: "Neptun, der Mystiker" vermittelte sich äußerst stimmungsvoll, schwebend, zeitlos. Der Frauenchor akzentuierten den Satz mit herben Dissonanzen, die letztlich in ein technisch perfektes "Fade out" mündeten, das zwar ohne Elektronik, aber nicht ganz ohne akustische Hilfe auskam. Das natürliche Decrescendo der im Treppenhaus aufgestellten Sängerinnen wurde durch ein langsames Schließen der Bühnentüren moduliert.




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