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Dienstag, 18.5.1999, 20.00 Uhr, Historische Stadthalle Wuppertal

Aaron Copland: El Salón Mexico
Joaquín Rodrigo: Concierto de Aranjuez für Gitarre und Orchester
Jaques Ibert: Escales
Maurice Ravel: Bolero

Sharon Isbin, Guitarre http://www.sharonisbin.com/
Sinfonieorchester Wuppertal
George Hanson, Leitung

Sinfonieorchester in Spielfreude

Sharon Isbin mit Rodrigos "Concierto de Aranjuez"

Von Oliver Kautny

Aaron Coplands Komposition "El Salón Mexico" fängt wirklich origenell an. Wie im Rausch torkeln und lallen die Instrumente - herrlich besoffen - bevor sich ein temperamentvoller Querschnitt aus lateinamerikanisch angehauchter Klangbilder entfaltet. Auch am Schluß überrascht der amerikanische Komponist mit einer Pointe: die Pauke setzt mit einigen Takten solo den Schlußpunkt des Werkes. Keine Frage: zur Zeit macht es einfach Spaß, dem Sinfonieorchester zuzuhören. Da wird mit Pepp und Schwung Musik gemacht, was ich manchmal viel wichtiger finde, als 100% Perfektion - was freilich nicht heißen soll, daß eine präziserer Arbeit nicht möglich wäre. Die bisherige Qualitätssteigerung durch George Hansons beherztes Engagement verspricht jedenfalls einiges.

Besonders durfte man sich auf das "Concierto de Aranjuez" freuen, das auf Tonträgern sehr beliebt und weitverbreitet und dennoch nicht allzu oft in den Konzertsälen zu hören ist. Mit Rodrigos Gitarrenkonzert stand ein fantastisches Stück auf dem Programm, das - wie viele iberoamerikanischen Werke - innerhalb jener leidigen Kanondebatten immernoch unter "U-Musik-Verdacht" steht.
Sharon Isbin - von deren Spiel Rodrigo persönlich schwärmte - wurde mit ihrer Interpretation dieses Werkes den Anforderungen in hohem Maße gerecht. Leider konnte man dies nicht von der akustischen Realisation behaupten, die letztlich auch das Orchester schlechter dastehen ließ, als es eigentlich durch eine gute Leistung verdient hätte. Mit anderen Worten: Die Gitarre war einfach schlecht akustisch verstärkt, so daß der 'sound' der musikalischen Darbietung z.T. sehr abträglich war. Im ersten Satz schien es so, daß Solistin und Orchester gar nicht zu einander fanden, weil die Gitarre zu leise war. Bei dynamisch stärkeren Stellen klang das verstärkte Instrument auch nicht optimal.
Der ungemein sensibel interpretierte zweite Satz machte da einiges wett. In dieser Art habe ich Rodrigo noch nie gehört. Nicht zu vergleichen mit Paco de Lucia, Julian Bream oder Narciso Yepes. Sharon Isbin legt noch mehr Romantik und Feingefühl in die Noten, kostet zunächst das Gesangliche viel stärker aus, läßt sich für die einzelnen Sequenzen sehr viel Zeit, strukturiert dadurch klar, um schließlich den Satz mit einem emotionalen Ausbruch zu beenden. Wer sich in der Gitarrenwelt nicht so auskennt, für den sei vielleicht der Vergleich mit der Pianistin Martha Argerich gewagt.

Werke von Ibert und Ravel bildeten den Abschluß des Konzertes, das durch die Wahl der Kompositionen musikalisch zusehens abflachte. Vor allem den Bolero hat man bereits zuoft gehört - wenn auch der Publikumszuspruch, der wie bei fast allen Hanson-Konzerten wieder einmal frenetisch war - die Entscheidung (wirtschaftlich) rechtfertigt.
Das sehr gut gestaltete Programmheft (Dramaturgin: Marina Grochowski) machte noch auf einen interessanten Aspekt - nämlich auf den musikalischen Witz von Ravels Bolero - aufmerksam: "Das Stück dauert siebzehn Minuten und besteht aus reinem Orchesterstoff ohne Musik" (Ravel). Diese frühe "minimal music" wurde mit großem Beifall und 'standing ovation' bedacht.




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