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Dienstag, 20.04.1999, 20.00 Uhr, Stadthalle Wuppertal
8.Sinfoniekonzert


Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert für Klavier und Orchester G-Dur KV 453
Sergej Prokofiew: Suite aus dem Ballett "Romeo und Julia" op.64

Pietro de Maria, Klavier
Sinfonieorchester Wuppertal
Carl St. Clair, Leitung



Gemäßigte Langeweile

Carl St. Clair wieder stürmisch in Wuppertal gefeiert

Von Oliver Kautny - Wuppertal, 12.5.1999

Was der mehrfach preisgekrönte Nachwuchspianist Pietro de Maria (Klavierwettbewerb Alfred Cortot u.a.) bieten konnte, war meines Erachtens absolut unbefriedigend. Den technischen Anforderungen wurde er zwar mehr als gerecht. Den perlenden "Mozartanschlag" setzt man ja sowieso voraus.

Nein, trotz aller technischen Güte vermißte ich etwas, daß dem Mozart etwas mehr Lebendigkeit, eine persönliche Note verliehen hätte. Oder besser: es stellte sich einem nicht das Gefühl ein, daß der junge Künstler sich so an das Auditorium richtete, daß seine Interpretation sich zwingend vermittelt hätte.
Er blieb vielmehr für sich, ganz allein in seiner Sphäre, in der er - so meine zwangsläufig subjektive Einschätzung - sich und seinem filigranen Spiel selbst genügte. Es ging wie gesagt kaum etwas aus von ihm, so daß die Akzente, die er z. B. mit einer extremen Pause zwischen den Phrasen setzte (Anfang 2. Satz), konstruiert wirkten.
Ein bißchen mehr Schönklang (Anda), stoische Kälte (Michelangelo), romantisierende Anklänge oder irgendetwas hätte dem Mozart sicherlich gutgetan. So blieb unterm Strich nur quälende Langeweile, von der man sich nur schwer erholen konnte.

Carl St. Clair machte nach der Pause einiges wieder gut. Daß die Wuppertaler mit dem amerikanischen Doppelcoup (Hanson-St. Clair) derart einschlagen würden - wer hätte das gedacht. "St. Clair kommt!" und die Bude ist voll.
Daß ich mich nie ganz an deren Dirigat gewöhnen werde, ist vielleicht mein persönliches Problem. Das erinnert irgendwie an Bernsteins Einsätze, die durchaus sportlichen Anforderungen gerecht werden konnten. Ich finde, weniger ist manchmal mehr.
Andererseits muß man zugeben, daß das Ergebnis mitunter sehr überzeugend war. Vor allem der Anfang und das Ende der Suite reizte das Orchester voll aus - in großer Form. Auch daß St. Clair eigene Kreativität bewies, die Suite nach dramaturgischen Gesichtspunkten umstellte und in vier "Sätze" einteilte: Der erste Teil ( Suite II, Nr.1 und 2, Suite I, Nr.1) begann fulminant mit dem Kampf der verfeindeten Familien "Monatgues und Capulets". Leider zerbröselte die Spannung und die Qualität im Mittelstück - insbesondere in Teil 2 (Suite I, Nr.4-6 Menuett). Das Menuett und Maskenspiel schien geradewegs auseinderzufallen. Erst mit "Thybalts Tod" (Teil 3: Suite I, Nr.7) und dem Finale zwischen Romeo und Julia (Teil 4: Suite II, Nr. 5 und 7) steigerte sich der Spannungsbogen zu einem erschütternden Schluß.



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