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Freitag, 16.4.1999, 20.00 Uhr, Historische Stadthalle Wuppertal

Wolfgang A. Mozart:Streichquartett D-Dur KV 499
Giuseppe Verdi:Streichqartett e-moll
Franz Schubert:Streichquartett G-Dur D 887

Die zwei Gesichter

Melosquartett in Wuppertal

Von Oliver Kautny

Seit nunmehr 33 Jahren gibt es das Melos-Quartett mittlerweile. Wilhelm Melcher (1. Vl), Peter Buck (Vc) und Hermann Voss (Vla) gehören zum harten Kern des Ensembles, das lediglich einmal in seiner Geschichte einen Wechsel erlebte - seit 1993 ist Ida Bieler (2.Vl) mit dabei und sorgt nicht nur musikalisch für eine frische Brise im traditionsreichen Quartett, das sich an diesem Abend mit einem abwechslungsreichen Programm präsentierte.

Mit Mozarts "Hofmeister-Quartett" verblüfften die vier Ausnahmekünstler vor allem mit dem vitalen Impetus, mit dem sie hier agierten. Ohne oberflächlich zu wirken, versprühten das Ensemble eine für Kammermusik unübliche Nonchalance - eine fast erotische Atmosphäre.

Mit Verdis einziger Instrumentalkomposition steigerten sich die Musiker in jeder Hinsicht. Nicht nur die musikalische Akzentuierung und Präzision wurde deutlicher, auch die Koketterie trieben die vier hier auf die Spitze - ohne aber an Ernsthaftigkeit ihrer Interpretation einzubüßen.
Mühelos entzauberten sie dem nuancenreichen Stück ein kleines "drama in musica". Der Notentext und die Entstehung dieser Komposition - sie war in den Probepausen zur Aida entstanden - rechtfertigen diese Interpretation, die allen Solisten Raum für hinreißende Cantilenen ließ. Herausragend war dabei sicher Melcher an der ersten Violine, der zwischen metrischer Disziplin und akzentuiertem "non-egale" durch seinen magischen Ton fasziniete.

Im zweiten Teil des Konzerts war der musikalische Flirt definitiv zuende. Daß den Künstlern die Bewältigung von Schuberts Partitur keinen Raum mehr für koketten Spielwitz ließ, war ihnen förmlich von ihren Gesichtern abzulesen.
Kurz gesagt: was die folgende Schubertinterpretation zu bieten hatte, war in meinen Ohren großartig. Genial war insbesondere die Intensität, mit der das Melosquartett die für Schuberts Spätwerk so charakteristische Raum- und Zeitgestaltung bewältigte. Dabei geht es ja weniger um die Entfaltung musikdramatischer Elemente oder um die origenelle Durchführung einzelner Themen. Nein, vielmehr schildert der Komponist beharrlich und ausführlich von Gleichem und Wiederkehrendem - immer in verschiedenen Schattierungen und Farben. Der harte Schnitt, die harmonische Rückung im 2. Satz ließ einem den Schauer über den Rücken laufen.




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