Online Klassik - Rezensionen
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Dienstag, 3. März 1998, 20.00 Uhr, Stadthalle Wuppertal
7. Sinfoniekonzert

Leonard Bernstein: Symphonie Nr. 2 für Klavier und Orchester
Anton Bruckner: Symphonie Nr. 3 d-moll

Nikolaus Lahusen, Klavier
Sinfonieorchester Wuppertal
Ltg.: Christof Escher



Mit Pauken und Trompeten - Bernstein, Bruckner: bombastisch!

Von Oliver Kautny


Für Klänge dieser Kategorie ist die Stadthalle geradezu prädestiniert; ihrer Akustik gemäß, gibt sie monströse Orchesterwerke spät(neo)romantischer Couleur dankbar wider. Die Voraussetzungen waren also wie geschaffen für das Geburtstagsständchen für Leonard Bernstein zum 80., das mit seiner groß besetzten zweiten Sinfonie begangen wurde. Ein wuchtiges Stück voller dramatischer Momente, die Christof Escher trotz großer rhythmischer Klippen gut vermitteln konnte. Die Herausforderung an die Musiker, insbesondere an den Pianisten Nikolaus Lahusen - hinsichtlich der dynamischen und metrischen Koordination - sollte man angesichts des hohen Anspruchs nicht zu gering schätzen. Den Wuppertalern gelang es unter dem ungemein präzisen Dirigat Eschers, die teils klassischen teils jazzigen Versatzstücke dieser Komposition in eine Form zu gießen, was ihnen bei der spontanen Zugabe vor der Pause (das Auditorium war begeistert!) noch besser gelang.

Inwieweit einem Bernsteins programmatisch angelegte Sinfonik zusagt, ist natürlich eine subjektive Angelegenheit. Wundervoll am Anfang: die Kantilenen der Klarinetten, die Bernstein als Lamento über die Schattenseite der modernen Welt in Musik übersetzen wollte. Dialektisch kämpft sich dann das Werk durch das menschliche Drama existentieller Bedrohungen um in den apotheotischen Hymnus christlicher Vision zu münden.
Der Schluß ist kein leichter Tobak und kommt ein wenig brachial und unvermittelt, und so spielten die Sinfoniker ‘mit vollem Rohr’, bis an den Anschlag der Dynamik - werkgetreu.

Trotz einer über 100jährigen Rezeptionsgeschichte widersetzen sich Brucknersymphonien den Hörerwartungen des Konzertpublikums. Als Rezensent hat man meist schnell die Attribute ‘blockhaft’ oder ‘statisch’ parat, denn so ist sie halt, die Spätromantik des Österreichers!? (Was man diesbezüglich über die Besprechungen von Simon Rattles Bruckner-Interpretationen liest, läßt einen am Berufstand des Kritikers verzweifeln und erinnert an Realsatire: KLASSIK HEUTE (4/98) findet sie extrem blockhaft und WDR 3 hebt das genaue Gegenteil hervor).
Dessen ungeachtet komme ich nicht ganz umhin, mich diesen Parametern, vor allem hinsichtlich des Finales, anzuschließen. Escher setzte hier auf Kraft und Wucht, was die Sache extrem statisch machte. Dennoch hatte er auch andere Gestaltungsmittel zur Hand, wie in den Mittelsätzen, die voller Charme (Adagio) und Spielfreude (Scherzo) sprühten.



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