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Dienstag, 16. Juni 1998, 20.00 Uhr, Stadthalle Wuppertal
10. Sinfoniekonzert

Ottorino Respighi:Pini di Roma, Fontane di Roma
Edvard Grieg:Konzert für Klavier und Orchester a-moll op. 16
Felix Mendelssohn Bartholdy:Sinfonie Nr. 4 A-dur op. 90.

Bernd Glemser, Klavier
Sinfonieorchester Wuppertal
Ltg.: Stefan Klieme



Klieme hatís allen gezeigt - Wuppertaler Sinfonieorchester in Bestform

Zweifelsohne war das einer der besten Heimspiele der Saison. Stefan Klieme hatte seine Mannschaft hervorragend auf diesen Abend eingestimmt und auf eine spielfreudige Taktik eingeschworen. Aber das war längst nicht alles, denn Bernd Glemser war für den vorgesehenen Solisten kurzfristig eingesprungen und konnte die Gunst der Stunde für einen glanzvollen Auftritt nutzen.

Wann hat man so einen bis in die Haarspitzen motivierten GMD in Wuppertal gesehen? Vom ersten Takt an ließ Klieme keinen Zweifel darüber, wie er gestalten wollte. Sein klares, kraftvolles und sensibles Dirigat führte die Wuppertaler zu Höchstform.
Mit großem Gestus glückte ihm der Respighi meisterlich. Daß dies nicht nur Fassade war, spiegelte sich in der klangfarbenfrohen Tonmalerei des Orchesters wider, daß nicht nur hochsensibel und temperamentvoll, sondern auch überdurchschnittlich präzise zur Sache ging. Dabei fielen die exponierten Sololeistungen ebenso auf, wie das konzentrierte Spiel der Blechbläser.

Das Highlight des Abends war bis zum Vorabend des Konzerts durch den plötzlichen Ausfall B. Schliesmanns gefährdet, bis der Saarbrücker Pianist Bernd Glemser spontan zugesagt hatte. In solchen Fällen hat ein Solist quasi automatisch bei Publikum und Kritik gewonnen, zumal, wenn er wie hier durch eine glänzende Vorstellung in interpretatorischer wie auch technischer Hinsicht dem Ganzen noch die Spitze aufsetzt.
Glemser, und das verriet an diesem Abend nicht nur seine außergewöhnliche Vita, gehört jedoch zu jener Kategorie von Künstlern, die auch ohne Extrabonus einer kritischen Betrachtung standhalten. Sein Spiel war facettenreich und vor allem an Anfang noch nicht ausgeglichen. Da, wo sonst die ersten Klavierpranken majestätisch die Exposition bestreiten, eilten er und Klieme sich gegenseitig davon. Mehr und mehr fanden sie aber zu einer Harmonie, die eine unverbrauchte, frische Interpretation hervorbrachte. Nichts war da zu spüren von der Bedeutungsschwere eines Rubinsteins oder Lipattis. Glemser spielte für meine Begriffe zwar virtuos und hochmusikalisch, behielt sich aber stets ein Funken Unbekümmertheit bei, die seiner pianistischen Ausstrahlung trotz lyrisch-romantischem Gestus eine gewisse Leichtigkeit verlieh.
Schade, daß ihm in der Kadenz - dem Herz des Klavierkonzerts - eine gute Version, aber nicht der ganz große Wurf gelang. Die Teile standen zu heterogen nebeneinander, als daß sie zur Einheit hätten verschmelzen können, zu homogen waren sie zugleich, zu wenig getrennt also, als daß sie als einzelne Elemente Sinn gemacht hätten.

Nach einem wunderschönen 2. Satz, führte Glemser seine federleichte Brillanz bestechend fort. Im Stile eines Jazzers ging er den perkussiv Patterns nach und demonstrierte, daß er Grieg mindestens genauso frech spielen kann, wie Lars Vogt mit Simon Rattle; mit dem Unterschied allerdings, daß die Wuppertaler das gar nicht so richtig mitbekamen und eher brav und defensiv mitspielten. Das Fazit zur Pause fiel hervorragend aus. Glemser wurde in der gut gefüllten Stadthalle siebenmal herausgejubelt.

Privat wäre ich als Konzertgänger wohl nach dem Pausentee gegangen, um von einer wahrscheinlichen Enttäuschung der zweiten Halbzeit verschont zu bleiben, denn auf dem Niveau konnte es unmöglich konstant weitergehen. Mir blieb aber keine Wahl, und enttäuscht wurde ich nicht.

Klieme präsentierte zur zweiten Hälfte einen respektablen Mendelssohn, der zwar seine Durststrecken hatte, aber vor allem in den Anfangssätzen stark überzeugte. Erwähnenswert ist vor allem die schöne kontrapunktische Behandlung des zweiten Satzes, in dem die emanzipierten Nebenstimmen für eine Ausgewogenheit sorgte, die Kitsch und Verbrauchtheit den Wind aus den Segeln nahm.

Alles in allem ein Glanzpunkt in dieser Saison, für das sich das Publikum für Wuppertaler Verhältnisse frenetisch bedankte.

von Oliver Kautny



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