Online Klassik - Rezensionen
Homepage zur&uumlck e-mail Impressum



Montag, 11. Mai 1998, 20.00 Uhr, Stadthalle Wuppertal
3. Kammerkonzert

Johannes Brahms:Streichsextett B-dur
Arvo Pärt: Fratres für Violoncello und Klavier
Johannes Brahms:Klavierquartett g-Moll op. 25

Mitglieder des Sinfonieorchesters Wuppertal



Vorsichtige Annäherung an estnische Moderne
Passables Kammerkonzert mit viel Brahms und zu wenig Pärt

Grundsätzlich ist es erfreulich, in Wuppertal endlich einmal etwas Modernes aus dem Baltikum zu hören, zumal wenn es sich um Kompositionen Arvo Pärts handelt. In der Kölner Philharmonie oder in der Düsseldorfer Tonhalle gehören seine Stücke ja schon längst zum Repertoire.

Also eigentlich ein Grund zum Freuen, wenngleich es mir schwerfiel, Brahms und Pärt zusammen zu konsumieren. Da stieß einem der Kontrast von norddeutscher Romantik und baltischer Sparsamkeitsästhetik doch schwer auf. Nun denn, daß muß man wohl zwangsläufig in Kauf nehmen und für ein bißchen Pärt dankbar sein.

Leider entschädigte die Interpretation von Michael Halbitzel (Vc.) und Thomas Günther (Klavier) dafür nur wenig. Die über weite Strecken glanzlose Darbietung von Arvo Pärts Fratres zeigt einerseits, daß die enorme Popularität diese Stückes durch die Einspielung von Kremer/Keith Jarret es für die Interpreten nicht einfach macht. Die Meßlatte liegt hoch. Andererseits klingt die Musik einfach. Sie ist es aber nicht, gerade für die Ausführenden. Halbitzel hatte in der Intonation der Flageoletts doch einige Mühe, die die mit Pärt weniger Vertrauten in dem Vakuum hinterließen, ob das jetzt so sein muß, oder nicht?. Leider mußte es nicht immer so sein, was musikalisch sehr schadete.

Ich meine jedoch, daß die Hürde zu Pärt eigentlich zu nehmen ist. Vielleicht hat das Sinfonieorchester ja den Mut, einmal eines jener ganz großen Stücke, wie Litanei oder Miserere, ins Programm zu nehmen.

Wie gesagt stand in erster Linie Brahms im Vordergrund des Abends. Was für Pärt nicht galt, schien sich hier zu bewahrheiten. Weniger Spieler, mehr Musik. Zu sechst klappte es nicht perfekt. Zu viert besser.
Im Streichsextett, da klapperte es im Getriebe, die erste Geige suchte nach ihrem Gesang und blieb oft blaß. Alle waren irgendwie bemüht, doch vermittelte sich in meinen Ohren keine Spannung. Mehr Patchwork als alles andere. Das Beste schien mir der Gesamtklang, der wirklich - und das scheint wohl, als hätte ich im Programm nach einer Idee für meine Kritik gesucht - sinfonisch war. In der Tat brachten die Sechs ein Volumen und eine Wärme in den Ton, der gut überzeugte. Die Klangfarbe alleine macht Brahms jedoch nicht zum Erlebnis.

Völlig anders dagegen vermittelte sich das Klaviertrio als Musik aus einem Guß. Das Zusammenspiel war hervorragend und beseelt. Die Physiognomie dieser Interpretation sprach für sich. Wie entfesselt agierten die drei, körperlich und musikalisch bewegt, in ständigem Dialog, der dynamische und agogische Nuancen hervorbrachte, die man anfangs so sehr vermißte. Das Trio schien sich blind zu verstehen, da gab es kein Suchen. In dieser Selbstverständlichkeit war nun Raum für Musikalität, die die langsamen Zwischentöne auskostete und fulminantes Temperament entwickelte.
Vor allem der Schlußsatz á la Ungarische Tänze dürfte die an diesem heißen Maiabend in die Stadthalle gekommenen Kammermusikfans entschädigt haben.

von Oliver Kautny



impressum zur&uumlck e-mail Impressum
©1997 - Online Musik Magazin
http://www.bergnetz.de/omm
*****"