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Klassik-Rezensionen

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Dienstag, 20.06.2000 / Mittwoch, 21.06.2000, 20.00 Uhr
Wuppertal, Historische Stadthalle am Johannisberg, Großer Saal
10.Sinfoniekonzert

Gustav Mahler: 8.Symphonie Es-Dur

Brigitte Hahn, Sopran (Magna Peccatrix)
Sylvia Greenberg, Sopran (Una poenitentium)
Judy Berry, Sopran (Mater Gloriosa)
Ning Liang, Alt (Mulier Samaritana)
Silke Maaaarchfeld, Alt (Mater Aegyptiaca)
John Pickering, Tenor (Doctor Marianus)
Thomas Mohr, Bariton (Pater ecstaticus)
Kwangchul Youn, Bass (Pater profundus)

Konzertchor der Volksbühne und Schubertbund Wuppertal (Einstudierung: Stefan Klieme)
Kantorei Velbert (Einstudierung: Gisbert Schneider)
Städtischer Musikverein Düsseldorf (Einstudierung: Raimund Wippermann)
Knabenchor der Wuppertaler Kurrende (Einstudierung: Heinz-Rudolf Meier)

Sinfonieorchester Wuppertal

Leitung: George Hanson


Gebändigte Massen

Mahlers 8. Symphonie ist, gerade für eine Stadt der Größe Wuppertals, eine besondere Herausforderung: Vom Orchester her ist das gerade noch zu bewältigen, aber woher einen derart monumentalen Chor nehmen, wie Mahler ihn fordert? Das Sinfonieorchester Wuppertal als Veranstalter des Konzertes hatte ursprünglich beabsichtigt, möglichst viele Kräfte der durchaus großen Wuppertaler Chorszene zu bündeln und über alle Chorgrenzen hinweg ein Ensemble zu bilden: Ein Bürgerschafts-Chor in bester Musiktradition. So schön die Idee auch war, in der Umsetzung hatten die Veranstalter ein unglückliches Händchen und traten viel zu spät an die Öffentlichkeit; fast alle Chöre hatten da schon ihre Planung abgeschlossen, und nebenbei läßt sich so ein Werk nicht einstudieren.

Anstatt das Projekt aufzuschieben, verpflichtete man den Chor des Städtischen Musikvereins Düsseldorf, und der hat als semi-professionelles Ensemble denkbar andere Strukturen und Ansprüche als die Chöre von Volksbühne und Schubertbund Wuppertal (engagierte Laien-Oratorienchöre, die bei einem solchen Werk naturgemäß an ihre Grenzen stoßen) oder auch die Velberter Kantorei, einen Kirchenchor mit allerdings umfangreichen Repertoire. Dem Chefdirigenten des Wuppertaler Sinfonieorchesters, George Hanson, ist es noch recht gut gelungen, in kürzester Zeit die Sänger zu einem einigermaßen homogenen Ensemble zusammenzubringen, aber gewisse Zugeständnisse muss man machen. Ein Qualitätsgefälle war nicht zu überhören, ebenso wenig der Unterschied zwischen sorgfältig und weniger sorgfältig geprobten Stellen. Vieles gelang gut, manches ausgezeichnet, manches weniger; insgesamt blieb ein durchwachsener Eindruck.

Wohl auch wegen der schwierigen Koordination des riesigen Klangkörpers wählte Hanson recht strenge, metronomisch starre Tempi, bevorzugt flott, im zweiten Teil der Symphonie gelegentlich auch übereilt. Manches schöne Detail am Rande geht dabei verloren, und oft können Phrasen nicht mit der Ruhe ausschwingen, wie das eigentlich nötig ist. Andererseits macht dieser Ansatz die Architektur des Werkes sehr schön deutlich, weil sie sich nicht in Einzelheiten verliert. Hansons straffe Interpretation orientiert sich an Brahms, sogar an Beethoven. Sie mildert die Kontraste; typisch "Mahlerisches" scheint dem Dirigenten mitunter regelrecht suspekt zu sein: Etwa die Einleitung zum zweiten Teil, das Erscheinen der mater gloriosa oder der Beginn des Chorus Mysticus dürften um einiges entrückter, unheimlicher, eben mystischer sein. Bei Hanson sind sie "nur" leise.

Der große Schwung des Werkes ist jedoch da und überträgt sich auch auf das Publikum (wobei die hier rezensierte zweite Aufführung um einiges besser gewesen sein soll als die erste am Tage zuvor). Das Wuppertaler Orchester, das seit dem Amtsantritt Hansons einen hörbaren Aufschwung erlebt, ist im Forte scharf konturiert und zupackend, aber nicht grell (besonders die Blechbläser zeigen sich in guter Verfassung). Der Streicherklang ist kompakter geworden, leider haben die Holzbläser wie schon seit Jahren die Unart, bei Solo-Stellen nie ein echtes Piano zu spielen. Insgesamt war die Orchesterleistung gut und sehr konzentriert. Dazu konnten ganz ausgezeichnete Solisten gewonnen werden; lediglich Tenor John Pickering, vom Klang her exzellent, hatte merklich mit einer Indisposition zu kämpfen. So gelang die Aufführung alles in allem gut und wurde vom begeisterten Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.

Von Stefan Schmöe



Da capo al Fine

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