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Klavier-Festival Ruhr 1999

Von Markus Bruderreck

Beim diesjährigen Klavier-Festival Ruhr hält man in diesem Jahr inne und blickt zurück, und man hat zur Retrospektive allen Grund. Zunächst feiert der Initativkreis Ruhrgebiet, ein Zusammenschluß von Wirtschaftsunternehmen, ihrer Repräsentanten und von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, sein zehnjähriges Bestehen. Der IR veranstaltet nun schon seit 1989, zehn Jahre lang, das Klavier-Festival Ruhr, und seit vier Jahren ist Franz Xaver Ohnesorg als Künstlerischer Leiter mit von der Partie.
Ohnesorg hat allen Grund, mit der Bilanz seines bisherigen Wirkens zufrieden zu sein: Ihm war es möglich, große Namen ins Ruhrgebiet zu bringen, an das Festival zu binden und es damit zu einem renommierten, wenn nicht zu dem bedeutendsten Festival für Klaviermusik überhaupt zu machen. Im Vorwort zum Programmheft des diesjährigen Festivals läßt Ohnesorg offen, wie es später mit dem Festival weitergehen soll, da Ohnesorg seinen Wirkungskreis nach New York verlegen wird, wo er zum Intendanten der Carnegie Hall berufen worden ist. Für das Jahr 2000 steht die Planung zumindest fest. Ohnesorg: „Wie wir in den nachfolgenden Jahren gemeinsam verfahren werden, das wollen wir zur gegebender Zeit entscheiden.“

Retrospektiven, Jubiläumsjahre, Feierstunden – auch ein Kennzeichen des musikalischen Programms in diesem Jahr. Zunächst wäre da der 150. Todestag von Frédéric Chopin: seine Musik bildet ein Schwerpunkt in den Programmen der Solisten (dunkel erinnert man sich: war vor nicht allzu langer Zeit das Gesamtwerk von Chopin, vorgestellt von Joachim Kaiser, beim Klavier-Festival aufgeführt worden...?). Generell ist die romantische und klassische Literatur – natürlicherweise, möchte man hinzufügen – besonders stark vertreten. Das enttäuscht ein bißchen, und es belegt die verbreitete Scheu der Pianisten vor Zeitgenössischem und Neuem (oder vor der Erforschung von „neuem Alten“), aber auch die Allmacht des 19. Jahrhunderts, das scheinbar nicht enden will, auch nicht an der Schwelle zum neuen Jahrtausend.

Nichtsdestotrotz gibt man dem Zeitgenössischen Raum, sei es auch dem etwas Unverfänglichen, Konsumierbaren. In Witten wird Wilhelm Killmayer und sein Meisterschüler Moritz Eggert in einem Wochenend-Projekt präsentiert (9. bis 11 Juli). In Bottrop widmet sich Christiane Mathé aus Anlaß des 70. Geburtstages von George Crumb seinen Zyklen „Makrokosmos I+II“ (6. August). Und auch Joanna MacGregor (zu sehen am 12. Juli auf Schloß Herten) hat ihren Schwerpunkt auf zeitgenössische E-Musik gelegt. Daneben bietet das Klavierfestival weitere Schwerpunkte, so zum Beispiel einen Einblick in den Meisterkurs von Oleg Maisenberg, ein Portrait der Klavierschule Leon Fleisher, eine Film-Retrospektive und ein Lieder-Wochenende. Am 14. August endet das Klavier-Festival mit einem Konzert der Bochumer Symphoniker und Markus Becker (Klavier) in Gelsenkirchen. Hier soll unter anderem das Klavierkonzert von Hans Pfitzner und der „Panathenäenzug op. 74“ von Richard Strauss aufgeführt werden – der Todestag beider Komponisten jährt sich 1999 zum fünfzigsten Mal.

Über Details des Festival-Programms, die Termine und Preise informiert Sie der Initiativkreis Ruhrgebiet.

Lesen Sie die Kritiken zu den folgenden Konzerten:

Klavierabend Vladimir Ashkenazy

Klavierabend Ivo Pogorelich

Klavierabend Joanna McGregor

Ein Teufel im Detail. Radu Lupu in Mülheim

Harasiewicz's traurige Vorstellung in Bochum

Beethoven im Olymp. Afanassievs promethischer Kampf

Ein musikalischer Gipfelstürmer: Olli Mustonen in Bochum

"A schöne Leich" oder: Jean-Ives Thibaudet in Bochum

"Einer der absoluten Höhepunkte des Festivals

"Christiane Mathé spielt Crumb in Bottrop

"Abschlußkonzert und -bericht




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