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Klassik - Konzerte
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Mittwoch, 24.05.2000, 20.00 Uhr, Großes Haus der Städtischen Bühnen Münster


Nikolaj Rimskij-Korsakow: Scheherazade. Symphonische Suite, op.35 (1888)
Camille Saint-Saëns: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 F-Dur, op.103 ("Ägyptisches"; 1895)
Ottorino Respighi: Pini di Roma ("Römische Pinien"; 1923/24)

Symphonieorchester der Stadt Münster
Paulo Álvares, Klavier
Christian Voß, Dirigent



Musikalischer Exotismus mit populärem Programm

9. Symphoniekonzert des Symphonieorchesters Münster unter Leitung seines ersten Kapellmeisters Christian Voß

Von Martin Rohr

Die Werke des 9. Symphoniekonzerts des Städtischen Orchesters Münster führten den Zuhörern vor Augen und Ohren, wie abendländische Komponisten ihre Musik durch den Reiz des Fremden zu bereichern versuchten. Der "Musikalische Exotismus" reichte dabei von der reinen Erweiterung des klanglich-harmonischen Materials bis zur äußersten Steigerung der Suggestivkraft der Musik.

In der ersten Hälfte erklang Nikolaj Rimskij-Korsakows 1888 entstandene Symphonische Suite Scheherazade op.35. Sehr plastisch ausgestaltet, verdankt das Werk seine Popularität den gesanglichen und einprägsamen Melodien und dem Reichtum des für Rimskij-Korsakow so typischen Orchesterklanges, der die einzelnen Instrumentengruppen eindrucksvoll zur Geltung bringt und sie trotzdem zu einer Einheit verbindet. Inspiriert durch die Märchenfiguren aus 1001 Nacht ist das Werk reich an Bildern, ohne gleichwohl einem konkreten Programm zu folgen.

Mit seinen hohen Anforderungen war "Scheherazade" ein äußerst dankbares Stück für das Orchester, mit dem dieses nicht nur seine Fähigkeit zur Balance, sondern auch die solistischen Qualitäten der einzelnen Musiker unter Beweis stellen konnte. Besonders dem oft improvisatorischen Charakter des Werkes wurden die Solisten auf sehr natürliche Weise gerecht.

Der Untertitel "Ägyptisches" des Klavierkonzertes Nr. 5 op.103 von Camille Saint-Saëns aus dem Jahre 1895, sollte nicht zu falschen Erwartungen verleiten. Zwar verwendet Saint-Saëns im zweiten Satz Klangmixturen und Parallelführungen im Klavier, die Assoziationen eines fremdartigen Obertoninstruments aufkommen lassen. Insgesamt geht es jedoch weniger um die getreue Darstellung fremder oder außereuropäischer Musikkulturen als um die Inspiration durch spannende und fremdartige Klänge. Das Werk bleibt trotz seiner Exotismen insgesamt doch ein typisches Virtuosenkonzert des 19. Jahrhunderts mit vollen Akkorden und brillanten Läufen, das allerdings in seiner Klanggestaltung zeitweise sehr dunkel wirkt.

Leider ließ hier die Balance zwischen Orchester und Klavier sehr zu wünschen übrig und der Solist Paulo Álvares ließ in den virtuosen Passagen des Konzertes die nötige Souveränität und Exaktheit vermissen. Seine Stärke konnte der Solist vor allem bei der Klanggestaltung der ruhigen Passagen und der Klangmixturen ausspielen. Leider kam Álvares auch der Flügel nicht entgegen, dem im Diskantbereich die nötige Brillanz und Klangfülle fehlte.

Abgeschlossen wurde der Abend durch die sinfonische Dichtung "Pini di Roma" ("Römische Pinien" 1923/24) von Ottorino Respighi. Dieses programmatisches Werk, eine Schilderung von vier Szenen an verschiedenen Orten Roms, machte sich die suggestiven und darstellerischen Potentiale der Musik zunutze, die der Komponist durch den Einsatz archaischer Quintklänge, durch den Einbezug konkreter Naturlaute und - insbesondere im Schlußsatz - durch die schiere Gewalt der Blechbläser auf ein Höchstmaß zu steigern vermochte. Auch wenn Respighi den einzelnen Sätzen konkrete Situationsbeschreibungen voranstellt, können die "Pini di Roma" aber auch ohne das Programm den Hörer faszinieren.

Dem Orchester gelang eine sehr vielschichtige und farbenreiche Aufführung. Leider fehlte aber vor allem dem Holzbläsersatz bisweilen die Homogenität und Sauberkeit der Intonation, die die anderen Orchestergruppen so auszeichnete. Trotzdem erwiesen sich auch hier die einzelnen Musiker als hervorragende Solisten.

Fazit: ein populäres Programm, das dem Orchester genug Gelegenheit bot, seine Stärken auszuspielen und vom Publikum dankbar aufgenommen wurde.



Da capo al Fine

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