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Dienstag, 21.09.1999, 20.00 Uhr, Großes Haus der Städtischen Bühnen Münster
2. Symphoniekonzert


Rolf Liebermann: Furioso für Orchester (1947)
Antonín Dvorák: Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll (1894/95)
Jean Sibelius: Symphonie Nr. 6 d-Moll (1918-23)

Symphonieorchester der Stadt Münster
Georg Fritzsch, Leitung



Antonio Meneses im Stadttheater Münster

Von Monika Jäger - Münster

Das zweite Symphoniekonzert in Münster war verschiedenen Kompositionen der europäischen Romantik gewidmet.

Ein Werk des Schweizer Komponisten Rolf Liebermann, Furioso für Orchester, eröffnete den Abend, wenn auch nicht ganz so furios wie der Titel vermuten liesse: Zwar deuten tonal ungebundene Ganztonleitern und vom Jazz beeinflusste Rhythmen Grenzbereiche der Spätromantik hin zur klassischen Moderne an, doch wirkte das einsätzige Werk insgesamt eher brav und schien an diesem Abend vor allem der Hinführung zum nachfolgenden Höhepunkt des Programms zu dienen: Spannungsvoll erwartet wurde der Auftritt des Cellisten Antonio Meneses, Janigro-Schüler und international gefeierter Solist, mit dem Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll von Antonín Dvorák.

Unter der Leitung von Georg Fritzsch, Generalmusikdirektor in Hagen und selbst Cellist, entstand eine stimmige Interpretation von stringentem Aufbau und warmer Ausdruckskraft. Vor allem in den solistisch besetzten Passagen des Orchesters zeigten die Symphoniker eine beeindruckende Übereinstimmung mit Menesis.

Obwohl in den USA entstanden, liegt ein musikalischer Ursprung der Komposition in der traditionellen slawischen Volksmusik, die auch das Münsteraner Publikum in ihren Bann zog. Für den herzlichen Beifall bedankte sich Meneses mit den Bourrée-Sätzen aus der Bach-Suite C-dur. In einer Interpretation von sensibler Leichtigkeit kam eine klangliche Intensität zum Tragen, bei der man die trockene Akustik des Stadttheaters einen Moment lang vergessen konnte.

Wie in Dvoráks Konzert ist auch in der sechsten Symphonie d-Moll von Sibelius der Einfluss einer nationalen Schule prägend. In der Andeutung von Volksmelodien und tänzerischen Rhythmen entfalten sich die Ausläufer eines romantischen Naturempfindens, wenn auch die nordische Stimmung an spezifische Klangformationen gebunden zu sein scheint: Helle Klangfarben in den hohen Streichern und Holzbläsern wecken Assoziationen an eine finnische Sagenwelt, in der nicht zuletzt Kobolde und Elfen das Sagen haben.

Eine schöner Ausflug aus der Realität in die Gefilde nostalgischer Stimmungswelten.



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