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21. - 27. Februar 2000; Kloster Michaelstein


Zwei Seminare der "Stiftung Kloster Michaelstein"

Dozenten:
Gundula Anders (Köln) - Gesang
Sigrun Richter (Frankfurt a. M.) - Laute



Seminare für Sänger und Lautenisten im Kloster Michaelstein

Von Ingo Negwer

Das "Seminar für Laute" in Verbindung mit dem anschließenden "Seminar für Lautenlieder" gehörten in den vergangenen Jahren zum festen Bestandteil des Kursangebots der Stiftung Kloster Michaelstein. Auch in diesem Jahr trafen sich vom 21. bis 27. Februar sieben Sängerinnen und drei Lautenisten in der historischen Klosteranlage bei Blankenburg (Sachsen-Anhalt), um Lauten- und Generalbasslieder des 16. und 17. Jahrhunderts einzustudieren.

Das ehemalige Kloster Michaelstein, seit seiner Zerstörung im Bauernkrieg säkularisiert, beherbergt seit 1968 das Telemann-Kammerorchester, das unter der Leitung von Ludger Remy zu einem der herausragenden deutschen Barockorchestern avancierte. Das ebenfalls im Kloster beheimatete Institut für Aufführungspraxis zog mit seinen Forschungen und Seminaren insbesondere zur Musik des 18. Jahrhunderts schon zu Zeiten der DDR die Aufmerksamkeit auf sich. 1997 ist es in der Stiftung Kloster Michaelstein aufgegangen.

Abseits von Blankenburg, unmittelbar am Ostrand des Harz gelegen, bietet Kloster Michaelstein quasi ideale Voraussetzungen zu einer intensiven Beschäftigung mit (vorwiegend) Alter Musik. So finden sowohl professionelle Musiker und Musikstudenten als auch ambitionierte Laienmusiker den Weg "hinauf". Die Stiftung Kloster Michaelstein verfügt vorort über zahlreiche Probenräume, Tonstudio, Bibliothek, ein Musikinstrumentenmuseum und vor allem über beispielhaft hergerichtete Gästehäuser mit geräumigen Zimmern (Dusche und WC inklusive, versteht sich). Angesichts dessen ist der anfängliche Ärger über einige Reibungsverluste in Organisation und Verwaltung schnell vergessen, zumal sich die Mitarbeiter der Stiftung alle Mühe geben, angefallene Probleme umgehend zu lösen.

Die waldreiche Umgebung des Klosters lädt zwischen den Proben zu erholsamen Spaziergängen ein, und auch die mehrere hundert Jahre alten Fischteiche werden wieder ihrer Bestimmung gemäß genutzt, seit beim "Klosterfischer" frisch zubereitete Forellen - gegrillt oder geräuchert - serviert werden. Kein Wunder also, dass sich dort abends nicht nur die erschöpften Musiker und Dozenten nach getaner Arbeit trafen. Auch die Patienten der nahegelegenen Kurklinik sind beim "Klosterfischer" gern (und häufig) gesehene Gäste - dem Klosterlikör aus eigener Herstellung werden magische Kräfte nachgesagt! Doch ehe Rezensent sich in allzu detaillierten Ortsbeschreibungen verliert, wende ich mich dem eigentlichen Thema dieses Berichts zu:

Im "Seminar für Laute", das aufgrund der außergewöhnlich geringen Teilnehmerzahl auf anderthalb Tage verkürzt wurde und somit erst am Montag Nachmittag begann, konnten die Instrumentalisten unter der - wie stets - engagierten Anleitung von Sigrun Richter ihre Solostücke erarbeiten bzw. sich auf die bevorstehende Aufgabe als Liedbegleiter vorbereiten.

Am Mittwoch Morgen - inzwischen waren Gundula Anders und "ihre" Sängerinnen ebenfalls im Kloster eingetroffen - begann das "Seminar für Lautenlieder". In bewährter Teamarbeit organisierten Sigrun Richter und Gundula Anders an den folgenden Tagen die Kursarbeit, indem der Vormittag für Einzelunterricht für Sängerinnen und Lautenisten genutzt wurde, während die Dozentinnen am Nachmittag die verschiedenen Ensembles im sogenannten "Plenum" gemeinsam betreuten.

Im Mittelpunkt der Probenarbeit stand italienische Vokalmusik des 17. Jahrhunderts, insbesondere Kompositionen von Sigismondo d'India, Claudio Monteverdi, Girolamo Frescobaldi und Barbara Strozzi. Der Basso continuo wurde dabei sowohl von einer Laute als auch von einem Lautenensemble ausgeführt. Letzteres ermöglichte interessante Einblicke in die Aufgabenteilung innerhalb der Continuo-Gruppe. Vor allem unter Verwendung verschiedener Lautentypen, wie Arciliuto und Chitarrone, ergeben sich beeindruckende Möglichkeiten in der dynamischen und klanglichen Gestaltung.

Daneben war selbstverständlich auch das "klassische" Lautenlied mit obligater, in Tabulatur aufgezeichneter Lautenpartie Gegenstand des Seminars. Neben Werken von John Dowland wurden u. a. französische, italienische und spanische Kompositionen aus der empfehlenswerten Anthologie "Songs for the Lute" von Donna Curry (Tree-Edition, Lübeck) erarbeitet.

In einem Dozentenkonzert gaben Gundula Anders (Gesang) und Sigrum Richter (Arciliuto) den Kursteilnehmern praktischen Anschauungsunterricht in Sachen historischer Aufführungspraxis. In dem jüngst liebevoll renovierten Torhaus (hier fand größtenteils auch die Kursarbeit statt) trugen sie Kompositionen von Sigismondo d'India vor. Als Intermezzi spielte Sigrun Richter Lautenmusik von Giovanni Girolamo Kapsberger und Alessandro Piccinini. Das Duo Anders / Richter weckte mit dieser Darbietung bei den Zuhörern die Neugier auf eine zu Anfang des Jahres zusammen mit der Gambistin Hille Perl eingespielte "Sigismondo"-CD, die demnächst erscheinen wird.

Am Sonntag Nachmittag ging das "Seminar für Lautenlieder" mit einem - ebenfalls internen - Vorspiel der Kursteilnehmer zuende. Hier bot sich allen nochmals Gelegenheit, eine Auswahl der unter der Woche einstudierten Stücke dem Plenum vorzutragen und gleichsam ein Fazit unter das Vollbrachte zu ziehen.

Schließlich nahm man wehmütig Abschied vom Kloster Michaelstein und von den Menschen, mit denen man wieder einmal eine Woche dort verbracht hatte - viele der Teilnehmer kennen sich als "Stammgäste" schon von zahlreichen vorangegangenen Kursen, so dass allseits der Wunsch geäußert wurde, sich bald bei einem "Seminar für Lautenlieder" wiederzusehen.



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