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Klassik-Rezensionen

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Dienstag, 11.07.2000, 20.00 Uhr
Bochum, Saal Stadtpark Gastronomie
Klavierabend Anthony & Joseph Paratore
Im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr

Johann Sebastian Bach: Concerto für 2 Klaviere C-Dur BWV 1061
Igor Strawinsky: Concerto per due pianoforti soli
Dave Brubeck: Points on Jazz
Dave Brubeck: They All Sang Yankee Doodle

Ausführende:
Anthony & Joseph Paratore, Klavier



Leichte Kost und Kontrapunkt

Auf den ersten Blick scheinen sie nicht viel gemein zu haben: Johann Sebastian Bach, Igor Strawinsky und Dave Brubeck. Anthony & Joseph Paratore, die sympathischen Tastenlöwen aus Boston, bewiesen bei ihrem Konzert im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr, dass diesen Komponisten, bei aller Verschiedenheit, dennoch etwas gemein ist: Ihr Sinn für Rhythmik, Polyphonie und traditionelle Form.

Der Bochumer Abend in der Stadtpark Gastronomie hat eindrücklich gezeigt, dass sich die Brüder Paratore getrost zu den führenden Klavierduos rechnen dürfen. Dennoch brauchen sie zunächst etwas Zeit, um sich einzuspielen, wofür leider das Concerto für 2 Klaviere BWV 1061 dienen muss. Zu sehr hängen die Paratores hier an den Noten, es kommt zu einigen Ungenauigkeiten, und die wattige, nivellierende Akustik des Saales tut ihr Übriges, um klangliche Feinheiten einzuebnen. Problematisch ist, dass sich die Paratores - wie so viele andere Solisten auch - an den geringen dynamischen Möglichkeiten des Cembalos orientieren (ohne jedoch den romantischen Gestus dabei gänzlich aufzugeben): Das befördert die Eintönigkeit. Warum nicht auch bei Bach dem Steinway geben, was des Steinways ist?

Ein interessantes, selten zu hörendes Werk ist Strawinskys Concerto per due pianoforti soli. Die Paratores bewältigen seine haarsträubenden Schwierigkeiten bewundernswert. In den Hollywood-Harmonien des Concertos, die zuweilen an die virtuose Oberfläche treten, scheint der weitere Verlauf des Abends auf: Nun wird es zwar seichter, jedoch musikalisch noch überzeugender und unterhaltsamer.

Beim Klavier-Festival des Jahres 1998 machten die Paratores die Bekanntschaft von Dave Brubeck - ihnen schrieb die Jazzlegende gleich zwei Stücke. Points on Jazz sind recht zahme, aber dennoch originelle Variationen über ein Jazzthema, das im Prélude vorgestellt und in sieben weiteren Sätzen verarbeitet wird. Wenn das Werk schließlich in das abschließende A La Turk mündet (nicht unintelligent spielt Brubeck hier auf sein bekanntes Blue Rondo à la Turk an), hat man von dem eher einfachen Thema genug, zu häufig lässt es Brubeck anklingen. Seinem Stück fehlt zudem die improvisatorische Komponente: Die auskomponierten Soli machen es etwas starr, und so sehr sich die Paratores auch bemühen, sie können Points on Jazz nicht recht zum "Grooven" bringen. They All Sang the Yankee Doodle ist leider ein nicht mehr als seicht zu nennendes Potpourri aus populären Hymnen, Chorälen und Volksliedern amerikanischer Einwanderer, das wohl patriotisch Rassenvielfalt preisen soll. Und über allem thront über dem Klaviersatz nach Bachscher Choralmanier der musikalisch banale "Yankee Doodle".

Hier jedoch, wie auch in der ersten Zugabe, dem lateinamerikanischen Tamale von Howard Brubeck (dem Bruder Dave Brubecks), haben Anthony & Joseph Paratore richtig Spaß, sind in ihrem Element. Nicht gewollt kontrapunktisch, sondern aufrichtig unterhaltsam ist die zweite Zugabe, ein Medley von Melodien Irving Berlins. Unnötig zu erwähnen, dass dem Publikum im nahezu ausverkauften Saal diese leichte Kost der Paratores gut bekommt.

Von Markus Bruderreck



Da capo al Fine

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