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Montag, 15. März 1999, 20.00 Uhr, Kölner Philharmonie
Europa 2000 (3) Bedrich Smetana: Ouvertüre zur komischen Oper 'Die verkaufte Braut'
Jean Sibelius: Konzert für Violine und Orchester d-moll, op. 47
Antonin Dvorák: Sinfonie Nr. 9 e-moll, op.95
Martin Válek, Violine
Sinfonieorchester des Tschechischen Rundfunks Prag
Ltg.: Vladímir Válek



Hustenfestival und streckenweise Magerkost beim dritten Europa 2000 Konzert

Von Silke Gömann

Fast ist man es leid, immer wieder das Kölner Philharmoniephänomen zur Sprache zu bringen, daß auch in Massen zur Verfügung gestellte Hustenbonbons den Hustenreiz eher zu fördern als zu dämmen scheinen. Das Sinfonieorchester des Tschechischen Rundfunks unter der resoluten Leitung von Vladímir Válek sah sich bei Dvoráks 9. Sinfonie und vor allem beim Violinkonzert von Sibelius einer wahren 'Gegenmusik' ausgesetzt.

Doch nicht nur völlig verhustete Satzpausen verhinderten spannungsreiche, zusammenhängende Interpretationen. Die Ouvertüre zur Oper 'Die verkaufte Braut' nahm der Dirigent viel zu schnell. Sicherlich, Smetana fordert ein 'Vivacissimo'. Doch gehört dazu dennoch die nötige Ruhe. Die Streicher und Bläser huschten etwas undifferenziert über ihre Noten hinweg. Ein schnelles Einspielstück, das wegen der grobflächigen Gestaltung durch den Dirigenten nicht für sich einnehmen konnte.

Der Großteil des Publikums feierte dann den Solisten Martin Válek beim Violinkonzert von Sibelius. Doch in der direkten Umgebung der Rezensentin und bei Pausengesprächen äußerte sich auch eine andere Auffassung. Ob zuviel Vibrato und Anschmieren der Töne, übermäßige Betonung der melancholisch-schwermütigen Stimmung einzelner Satzphasen: all dies sind Geschmacksfragen über die sich trefflich streiten läßt. Zumindest die Rezensentin empfand Váleks Interpretation inkonsequent. Denn wenn der Geiger sein Heil in Emphase sucht, dann muß er diese auch durchhalten und immer wieder neu entfachen. Doch hier blieb er sich vor allem im ersten Satz stets gleich und konterkarierte sein Spiel mit einem passiven, introvertierten Auftreten. Dazu gesellte sich zeitweise noch unsauberes Spiel. Unausgegoren war dann auch das Zusammenspiel mit dem Orchester, dessen Musiker zuwenig aus ihrem Part machten. Dies lag wohl auch daran, daß sie keine gemeinsame Linie mit dem Solisten fanden. Erst in den letzten zwei Sätzen hatte man das Gefühl, das die Partitur gemeinsam und geplant ausgestaltet wurde. Dennoch einzelne Bravorufe für den Solisten.

Nach der Pause folgte eine gelungene Interpretation der Dvorák-Sinfonie 'Aus der Neuen Welt'. Grundsolides Zusammenspiel der einzelnen Instrumentengruppen. Nie hatte man den Eindruck, daß sich die Blechbläser auf Kosten des Gesamtklanges profilierten. Insbesondere die Hörner waren ein Genuß. Die Holzbläser sind an Querflöten, Oboen und Fagotten exzellent besetzt. Chefdirigent Válek hatte sein Orchester bestens unter Kontrolle und leitete mit sparsamen Gesten. Er wählte recht ungewöhnliche Tempi, da er bis auf den dritten Satz, extreme Tempi vermied. Die Einleitung zur Sinfonie wird häufig langsamer, getragener angegangen und vor allem das Largo mit seinem Englisch-Horn-Solo wird gerne 'sterbend langsam' gespielt. Nicht so Válek mit seinem Orchester. Fast fließend schwebte dieser Satz am Zuhörer vorbei. Das Finale wurde dann mit großer Schlußsteigerung lust- und kraftvoll ausgestaltet, ohne daß der volle Blechbläsersatz die Streicher zugedeckt hätte. Noch in den Schlußakkord prasselte der Beifall. Eigentlich schade, das hier das Konzert endete. Als Zuhörer hatte man den Eindruck, jetzt hätte es erst so richtig gut losgehen können, da Orchester und Dirigent zu einem packenden Musizierstil gefunden hatten. Dies dachte sich dann auch Vladímir Válek und schickte zwei schmissige Zugaben in den Raum, die die 'laue' erste Programmhälfte fast vergessen ließen.

Zur Besprechung des vorausgegangenen Konzertes
Europa 2000 (2)



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