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Montag, 31. August 1998, 20.00 Uhr, Kölner Philharmonie
Deutschlandfunk Extra (1)

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 'Pastorale'

Nikolai Rimski-Korsakow: 'Scheherazade' - Sinfonische Suite nach 'Tausendundeine Nacht' op. 35

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Ltg.: Rafael Frühbeck de Burgos

Farbenprächtige Orientalismen und eine grundsolide Pastoralsinfonie

Von Silke Gömann

Auch in der Konzertsaison 1998/99 wird die etablierte Reihe der 'Deutschen Rundfunk-Sinfonieorchester in der Kölner Philharmonie' mit insgesamt sechs Deutschlandfunk Extra Konzerten fortgeführt. Den Anfang machte das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin, das in diesem Herbst sein 25. Gründungsjubiläum feiert und damit das älteste Sinfonieorchester des deutschen Rundfunks ist. Eingedenk des Rundfunkauftrags, die 'neuere' Musik zu fördern, standen mit der 6. Sinfonie von Ludwig van Beethoven und der Sinfonischen Suite Scheherazade von Nikolai Rimski-Korsakow recht konventionelle Werke auf dem Programm. Rafael Frühbeck de Burgos, der Dirigent des Abends und seit 1994 Chefdirigent des Orchesters, leitete seine Musiker souverän und vor allem mit der Interpretation der Scheherazade gaben Orchesterleiter und Instrumentalisten einen Beweis ihres Könnens.

Daß Frühbeck de Burgos ein begnadeter Stimmungszeichner von Lokalkolorit ist, davon zeugen insbesondere seine Aufführungen von spanischen Kompositionen. Sehr eindrucksvoll wurden an diesem Abend auch die märchenhaften orientalischen Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht des Russen Rimski-Korsakow umgesetzt. Insbesondere die Solobläser brillierten mit ihren Klangkaskaden, für die sie mit Beifall quasi überschüttet wurden. Der Konzertmeister der Sinfoniker, Matthias Wollong, stattete seinen die Prinzessin darstellenden Solopart mit einem großen Maß von Schmelz und Vibrato aus. Dies mag nicht jedermanns Geschmack gewesen sein, paßte jedoch in das interpretatorische Gesamtkonzept, das die einzelnen Episoden und Charaktere eindrucksvoll illuminierte.

Das Publikum in der fast voll besetzten Philharmonie hatte im ersten Teil des Konzerts auch die Ausführung der 6. Sinfonie von Beethoven gefeiert. Doch dem Beethovenliebhaber konnten sich bei der soliden Interpretation von Frühbeck de Burgos auch einige Fragen aufdrängen. Denn ohne daß eine Note erklungen war, ließ die Wahl eines großen Streicherapparates sowie die Dopplung der Holzbläser eine volltönende, kontrastreiche Realisierung dieser 'idyllischen' Pastoralsinfonie vermuten. Wollte der Dirigent die Sinfonie ihres Außenseitertums innerhalb des Sinfonieouvres Beethovens entheben? Die tönende Realisierung war dann jedoch eine entgegengesetzte: Sehr verhaltenener, fast beiläufiger Beginn mit dem Motto des 1. Satzes. Die wenigen dynamischen Höhepunkte des ersten Satzes gleichfalls nicht betonend. Frühbeck de Burgos ließ sich viel Zeit und Raum, die Motive und Stimmungen der Musik zu entfalten. Es schien, als sei der Dirigent sehr auf Ausgleich bedacht. Denn weder wurde die Sinfonie mit einer sinfonischen Monumentalität aufgeladen, die dieser Sinfonie Beethovens nicht eigen ist, noch wählte Frühbeck de Burgos die Überzeichnung der tonmalerischen Elemente. Diese Vermeidung der Interpretationsextreme war sehr löblich, dennoch ging das Konzept nicht ganz auf, da die Musiker es nicht konsequent genug umsetzten. Gerade die Sturm und Gewitterszene wurde doch recht plakativ in den sonst ruhigen Ablauf hineingesetzt und während der Dirigent seinem großen Streicherapparat eigentlich nie gestattete, einmal voll 'aufzublühen', fand dieses unvorbereitet kurz vor Schluß im letzten Satz beim Hirtengesang doch noch statt. Sollte hier doch so etwas wie Finalgerichtetheit und hymnische Preisung der Einheit von Mensch und Natur intendiert gewesen sein? Dann hätte jedoch der Aufbau und die innere Dramaturgie der einzelnen Sätze von Beginn an anders angegangen werden müssen.

So blieb die Interpretation leider etwas blaß, doch wurde man mit den Soli der Holzbläser, die sich als eine äußerst homogene Klanggruppe präsentierten, entschädigt.



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