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Samstag, 28. März 1998, 20.00 Uhr, Kölner Philharmonie
7. Kölner Chorkonzert – Europäische Musikstädte: Paris

Francis Poulenc:

Stabat Mater
Concerto pour piano
Gloria

Hanna Dóra Sturludóttir, Sopran
Thomas Palm, Klavier

Kölner Kantorei
Bonner Kammerchor (Einstudierung: Peter Henn)
Jenaer Philharmonie
Ltg. Volker Hempfling



Kölner Kantorei und Bonner Kammerchor begeistern mit ihrer Poulenc-Interpretation

Von Silke Gömann

Ganz im Zeichen des französischen Komponisten Francis Poulenc stand das 7. Chorkonzert innerhalb der Konzertreihe ‘Europäische Musikstädte’. In der leider nur spärlich besetzten Kölner Philharmonie erwiesen sich der Kammerchor Bonn gemeinsam mit der Kölner Kantorei unter deren Dirigenten Volker Hempfling als in allen Belangen überzeugende Interpreten des ‘Stabat Mater’ und des ‘Gloria’ von Francis Poulenc.

Den anspruchsvollen Solopart in beiden Werken gestaltete die isländische Sopranistin Hanna Dóra Sturludóttir auf eindrucksvolle Weise. Agierte sie im Stabat Mater noch etwas vorsichtig - schien mehr in sich hineinzuhorchen, ob Ton und Klangfarbe auch stimmten - sang sie dann im Gloria völlig befreit in den Saal hinein, ihre Stimme trug auch noch das leiseste Piano und Sturludóttir differenzierte gekonnt die verschiedenen Klangfarben. Auch die Jenaer Philharmoniker präsentierten sich an diesem Abend in überwiegend guter Form, vor allem die Posaunen und Trompeten zeichneten sich durch die bei Poulenc erforderliche Spielfreude und Beweglichkeit aus. Unkonzentriertheiten wie noch beim letzten Chorkonzert in Dvoraks ‘Stabat Mater’ hätten sich die Musiker diesmal auch nicht leisten können, stellen doch die Kompositionen Poulencs ganz andere Schwierigkeiten an die Instrumentalisten als Dvorak. Insbesondere die Holz- und Blechbläser waren gefordert. Dem Klangresultat förderlich war auch die Konsequenz des Dirigenten. Volker Hempfling war von Beginn an nicht gewillt, Unkonzentriertheiten oder lasches Musizieren in Kauf zu nehmen.

Äußerst engagiert aber immer präzise leitete er Chor und Orchester durch die Kompositionen. Man mochte sich gar nicht vorstellen, welch ein Hochgenuß dieses Konzert hätte werden können, wenn alle Orchestermusiker genauso begeistert von den Poulenc’schen Werken gewesen wären, wie Dirigent, Chor und Solisten. So fehlte dann aber doch im ‘Stabat Mater’ und vor allem im Klavierkonzert - Thomas Palm wußte nicht ganz zu überzeugen - das letzte I-Tüpfelchen an Witz, Parodie und Überraschung, von welchen gerade die Kompositionen Poulencs so überaus reich sind. Dabei wählte Hempfling bewußt zügige Tempi, ließ die zündenden Rhythmen locker-bewegt mit dem typischen Poulenc-Drive spielen und singen. Herausragend war die Leistung der für diesen Auftritt vereinigten Chöre, die eine Klangkultur auszeichnet, die ihresgleichen sucht. Insbesondere die a-capella-Passagen im Stabat Mater wurden ausdrucksstark, intonationssicher und äußerst homogen gestaltet. Immer textverständlich und stimmlich beweglich wurde musiziert. Das Publikum war zurecht beeindruckt und konnte sich auch der emotionalen Intensität der geistlichen Werke nicht entziehen.



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