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Sonntag, 1. März 1998, 20.00 Uhr, Kölner Philharmonie
Deutschlandfunk Europa 2000

John Adams: »The Chairman Dances« (1985)
Ludwig van Beethoven: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1, op. 15
Jouni Kaipainen: Sinfonie Nr. 2, op. 44 (1994)

Olli Mustonen, Klavier
Finnisches Radio-Sinfonieorchester Helsinki
Ltg.: Sakari Oramo

Mustonen meets Beethoven – eine Begegnung, deren Resultat nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird

Von Silke Gömann

In der Kölner Philharmonie stand das zweite Konzert der vom Deutschlandfunk gemeinsam mit KölnMusik ausgerichteten Konzertreihe ‘Europa 2000’ auf dem Programm. Diesmal präsentierte sich das Finnische Radio-Sinfonieorchester - zugleich deren erstes Auftreten in Köln - mit zwei zeitgenössischen Kompositionen sowie dem ersten Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven.

Dieser Programmaspekt mag mit den Ausschlag gegeben haben, daß die Philharmonie nicht ausverkauft war. Für das Publikum fielen die Konzertdarbietungen aus dem gewohnten Rahmen und dies mit äußerst positiven Auswirkungen.

Kompositionen von John Adams treffen in Köln per se auf Begeisterung, so auch sein Foxtrott für Orchester »The Chairman Dances«. Angespornt - fast mochte man sagen angetrieben - von einem äußerst engagiert dirigierenden Sakari Oramo wurden die zündende rhythmische Qualität und die Klangeffekte dieses Stücks von den Musikern (hervorragend die Schlagwerkgruppe) eindrucksvoll herausgestellt.

Euphorie pur offenbarte sich nach Olli Mustonens Interpretation des C-Dur Klavierkonzertes von Ludwig van Beethoven. Sicherlich mögen Beethoven-Exegeten diese Begeisterung nicht teilen, denn Mustonen lieferte wieder einmal eine typisch eigene, abseits der ausgetretenen Interpretationspfade liegende, Ausführung. Da wurde anders akzentuiert, phrasiert und als Zuhörer meinte man seinen Beethoven nicht wiederzuerkennen. Wo sollen nur die von Musikwissenschaftlern stereotyp geäußerten Anklänge an Haydn und Mozart gewesen sein, hörte man nicht im ersten Satz nun auf einmal eher Bach heraus? Doch dies geschah auf so konsequente, so inspirierende Weise, daß man sich gerne vom Pianisten überzeugen ließ. Bei so viel Witz und Überraschung in der Spielweise Mustonens war es nicht verwunderlich, daß die Orchestermusiker bei dieser ungewohnten Interpretation nicht mithalten konnten. Empfand man dies im ersten Satz wegen der überwiegend blockweisen Gegenüberstellung von Soli und Tutti noch als nicht zu große Beeinträchtigung, störte es im ‘Largo’ dann sehr wohl, daß sich die Klarinettisten partout nur an sich selbst orientierten und im ‘Allegro scherzando’ kam ein Teil der Musiker schlicht nicht mehr mit. Diese Abstimmungsschwierigkeiten stellen sich jedoch jedem Orchester, das auf einen Solisten trifft, der unübliche Interpretationswege ausprobiert. Ohne Zugabe ließ das Publikum den Pianisten nicht vom Podium.

Nach der Pause stand mit der 2. Sinfonie des Finnen Jouni Kaipainen ein Werk auf dem Programm, das nachdrücklich bewies, daß es eine finnische Sinfonietradition nach Sibelius gibt. Vorgeschrieben ist ein riesiger Orchesterapparat, den der Komponist jedoch nie zur bloßen Anhäufung einer Klangmasse einsetzt. Statt dessen überwiegt eine wohl dosierte Instrumentation mit immer neuen Klangschichtungen, die durchhörbar bleiben. Im Gegensatz zu Adams - bei dem der Minimalist immer noch durchscheint - verzichtet Kaipainen auf ausufernde Rhythmusostinati. Beeindruckend aber auch bei ihm die Verwendung von Schlagwerk und Blech.

Einigen Zuhörern wurde es im zweiten Satz dann doch zu ungewohnt, vielleicht auch zu laut und verließen den Saal. Dieser Teil des Publikums beraubte sich nicht nur der überraschenden Schlußwendung der Sinfonie, die fast einer Apotheose gleich mit leisen Celesta-Klängen endete, sondern auch einer in seiner Intensität überragenden Interpretation des ‘Valse triste’ von Jean Sibelius. Dem Orchester, dem jungen Dirigenten Sakari Oramo und dem anwesenden Komponisten Jouni Kaipainen galt der mehr als nur herzliche Applaus.



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