Online Klassik - Rezensionen
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Montag, 15. Dezember 1997, 20.00 Uhr, Kölner Philharmonie
Deutschlandfunk Extra 2

Zoltán Kodály: Tänze aus Galánta (1933)
Franz Liszt: Konzert Nr. 1 Es-Dur für Klavier u. Orchester (1949/55)
Peter Tschaikowsky: Der Nußknacker, Ballettmusik op. 71 (1892)

Jean-Yves Thibaudet, Klavier
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Ltg.: Vladimir Ashkenazy



Musikalische Weihnachtsleckereien in der Kölner Philharmonie
beim zweiten Deutschlandfunk Extra Konzert

Wenn an einem Montagabend die Veranstalter (DeutschlandRadio gemeinsam mit KölnMusik) - zumal in der hektischen Weihnachtszeit - eine ausverkaufte Kölner Philharmonie vermelden können, dann muß schon eine besondere Konzertveranstaltung angekündigt gewesen sein. Sicher das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (gegründet 1946 als RIAS-Symphonie-Orchester, dann 1956 weiter als Radio-Symphonie-Orchester und seit 1993 nun DSO) sowie sein Chefdirigent Vladimir Ashkenazy haben einen guten Namen und bürgen für künstlerisches Niveau, doch es steht zu vermuten, daß ohne Tschaikowskys Ballettmusik ‘Der Nußknacker’ der Saal nicht ganz voll gewesen wäre. Ob nur als Musik oder im angestammten szenischen Verbund als Ballett präsentiert, ‘Der Nußknacker’ ist nicht nur wegen seiner Handlung ein typisches Weihnachtsstück, das gern und oft auf den Konzert- und Opernbühnen in dieser Jahreszeit gespielt wird.

Es steht der Rezensentin fern, sich über diese liebgewonnenen ‘Einstimmungsrituale’ zu mokieren, insbesondere weil die Musikerinnen und Musiker angespornt von einem unnachahmlichen Ashkenazy Tschaikowskys Musik im wahrsten Sinne des Wortes ‘hinreißend interpretierten, zelebrierten, mitlebten, vorfühlten.... Lange Rede kurzer Sinn: Die Klänge entführten jeden einzelnen Zuhörer in ein außerweltliches Reich, weit weg von allem Irdischen - Träumerei in Reinkultur. Spätestens mit dem ‘Blumenwalzer’ erlag auch die Rezensentin dem Sog der Traumwelt, vorbei war es mit dem Bemühen um Distanz und Reflexion. Diese magisch-sinnliche Wirkung üben nur wenige Kompositionen aus dem 19. Jahrhundert aus. Und dies auch nur, wenn die Partitur ernst genommen, gerade nicht klischeehaft romantisierend überbetont wird.
Tschaikowsky hat sein Werk meisterhaft orchestriert, da stellt sich die Wirkung ‘fast’ von selbst ein. Auch die Melodien können ihren Zauber nur versprühen, wenn sie nicht plakativ herausgeputzt werden. All dies gelang dem Orchester und seinem Dirigenten an diesem Abend aufs Überzeugendste. Sonderapplaus für Soloharfe, Celesta und Bläser waren die logische Folge.

Schon im ersten Teil des Konzertes konnte man sich am homogenen Klang des Orchesters begeistern, die technischen und musikalischen Fähigkeiten insbesondere der Holzbläser bestaunen und die wohldosierte Interpretation der Kodályschen ‘Tänze aus Galánta’ anerkennen. Bei solcher Orchesterkunst brauchte man sich um die Realisierung des 1. Klavierkonzerts von Liszt keine Sorgen zu machen. Der Pianist Jean-Yves Thibaudet fand zu einer übereinstimmenden musikalischen Sprache. Dies ist für eine überzeugende Interpretation dieser Komposition auch zwingend nötig. Denn so kurz das Konzert auch ist, so liegt die Tücke doch im Detail. Themen und Motive wechseln zwischen Solist und Orchester. Wenn der Hörer nicht den Eindruck einer heterogenen Melange bekommen soll, dürfen sich Solist und Orchester nicht nur auf ihren Part beschränken. Was nutzt das brillanteste Tasten- und Trillergewitter, wenn es unverbunden im Raum steht. Ashkenazys umsichtigen Dirigat und der Konzentration aller Musiker war es zu verdanken, daß ein Werkkundiger die Formverläufe, die vielfältigen Themenverbindungen hörend nachvollziehen konnte. Solist, Dirigent und Orchester durften sich zurecht von der Menge feiern lassen.



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