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Klassik-Rezensionen

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Logo: Triennale Donnerstag, 25.05.2000, 20.00 Uhr
Köln, Tanzbrunnen

Im Rahmen der MusikTriennale Köln

Kurt Weill:
Die Dreigroschenoper

- konzertante Aufführung -

Jürgen Holtz, Sprecher
Max Raabe, Macheath
HK Gruber, Jeremiah Peachum
Hanna Schwarz, Celia Peachum
Sona MacDonald, Polly Peachum
Hannes Hellmann, Tiger Brown
Winnie Böwe, Lucie Brown
Timna Brauer, Spelunken-Jenny

Frankfurter Kantorei
Ensemble Modern, Ltg.: HK Gruber

Klangregie: Norbert Ommer



Und derrrrrr Haifisch..

Der Himmel über Köln hatte noch einmal ein Einsehen: Nachdem es den Tag über wie aus Kübeln gegossen hatte, klarte es rechtzeitig zum Konzertbeginn über dem Tanzbrunnen am rechten Rheinufer auf, wo , das Ensemble Modern machts möglich, so unterschiedliche Künstler wie Wagner-Diva Hanna Schwarz und Palast-Orchester-Vorsänger Max Raabe ("Kein Schwein ruft mich an") auf der Open-Air-Bühne standen. Gemeinsames künstlerisches Ziel: Die Dreigroschenoper, Bruch- und Schnittstelle von bürgerlicher Hochkunst und dem Unterhaltungsgenre.

Beide machen ihre Sache ganz vortrefflich, keine Frage. Raabe ist mit seinem federleichten Tenor und seinem Markenzeichen, dem endlos rollenden "rrr" ein Räuber von höchster Eleganz. Ironisch distanziert steht er seinen Liebhaberinnen gegenüber - das funktioniert bei soviel Ausdruckskraft auch in einer konzertanten Aufführung. Hanna Schwarz ist eine bitterböse und giftige Mrs. Peachum. Den Ausflug ins weniger dramatische Fach bewältigt sie souverän. Der heimliche Star des Abends aber ist Sona MacDonald, die im Verlauf der Aufführung immer mehr Spaß an der Rolle der Polly zu finden schien: Mit äußerst beweglicher Stimme und großer Ausstrahlung wird sie zur treibenden Kraft des Spiels.

Höchstes Lob verdient sich das Ensemble Modern. Trockener, schärfer und pointierter kann man die Dreigroschenoper wohl nicht spielen. Bei allen Unterhaltungsqualitäten nimmt Dirigent HK Gruber (der auch den Peachum singt) die Komposition sehr ernst - und führt die radikale Modernität dieser Musik in beeindruckender Weise vor. Natürlich wird da an allen Ecken und Enden die große Opernkunst zwischen Barock und Spätromantik parodiert, aber die Musiker legen noch eine weitere Schicht frei: Die Qualität dieser Musik, die weit über das Verfremden vorgefundener Modelle hinaus geht, ist wohl selten so deutlich geworden wie hier. Zu oft steht Weill im Schatten Brechts (vor allem dann, wenn die Oper von Schauspielensemblen aufgführt wird). Es musste sich wohl ein hochkarätiges Ensemble wie das Ensemble Modern finden, um dieses Missverständnis zu korrigieren.

Für die Aufführung hat Jürgen Holtz verbindende Zwischentexte zusammengestellt, die sich an Brechts eigenen Vorlagen für die erste Schallplatten-Aufnahme (1930) orientieren. Für das Verständnis der Handlung reicht das völlig aus, und die Mimik der Akteure trägt ihren Teil bei - so stand die Musik einmal ganz im Vordergrund. Obwohl der Wind gegen Ende kühl über den Tanzbrunnen wehte, ließ das Publikum die Musiker erst nach zwei Zugaben gehen.

Von Stefan Schmöe



Da capo al Fine

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