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Klassik-Rezensionen

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Logo: Triennale Sonntag, 21.05.2000, 11.00 Uhr
Köln, Klaus-von-Bismarck-Saal
4. Konzert der Reihe "Hör-Weisen"

Hör-Weisen 4: Neue Klangfarben...
Im Rahmen der MusikTriennale Köln

Luigi Nono (1924 - 1990): Fragmente - Stille, an Diotima (1980)
Helmut Lachemann (*1935): Streichquartett Nr. 2 "Reigen seliger Geister" (1989)


Auryn-Quartett
Matthias Lingenfelder, Violine
Jens Oppermann, Violine
Steuart Eaton, Viola
Andreas Arndt, Violoncello



An der Grenze zum Unhörbaren

Unsere Wahrnehmung des Klangs in der Musik ist sicher geprägt durch die opulenten Mittel der Spätromatik, von Klang-Zauberern wie Richard Strauss oder Skriabin. Das Streichquartett erscheint, daran gemessen, klanglich eine recht spröde Angelegenheit zu sein. Ungefähr zur Halbzeit der Triennale ist dieses Zerrbild ordentlich korrigiert worden: "Hör-Weisen", eine außerordentlich intelligent konzipierte Reihe von Gesprächskonzerten (moderiert von Siegfried Mauser), hat zwei für die neuere Musik insgesamt wegweisende Streichquartette unter dem Motto "Neue Klangfarben..." gegenübergestellt: Nonos "Stille - Fragment, an Diotima" und Lachemanns "Reigen seliger Geister".

Bewegt sich Nonos Musik noch im Bereich konventioneller Tonerzeugung, wobei die in Pianissimo-Klängen changierenden Flächen immer wieder durch Pausen getrennt werden und dadurch "die Stille erklingen lassen" (Mauser), so nutzt Lachemann nicht nur die Saiten, sondern die gesamten Körper der Instrumente zur Klangerzeugung. Beide Werke haben nach ihrer Entstehung Kritik auf sich gezogen: Nono hat man den Rückzug vom Politischen vorgeworfen (das ist nachzuvollziehen), Lachemann ene "Verweigerungsästhetik" unterstellt (das wurde an diesem Sonntagmorgen eindrucksvoll widerlegt). Radikal sind beide Werke sicher in ihrem Anspruch, der vom Publikum enorme Konzentration und extrem genaues Hinhören erfordert. Von dieser Radikalität haben sie in der vergleichsweise kurzen Zeit seit ihrer Entstehung sicher nicht das Mindeste eingebüßt, obwohl sie - zumindest das Nono-Quartett - schon beinahe "Klassiker" der Moderne geworden sind.

Das Auryn-Quartett erwies sich als ausgezeichneter Sachwalter beider Kompositionen. Die hochkonzentrierte Interpretation des Nono-Quartetts ließ die Spannung im Raum fast greifbar werden. Die Stille zwischen den fragmentartigen Klangblöcken wurde beileibe nicht Unterbrechung, sondern immer wieder Ziel- und Höhepunkt der musikalischen Entwicklung. In Lachemanns Quartett wurde eine höchst differenzierte Klangvielfalt nachvollziehbar: Hier sucht jemand nach einer Form von Schönheit, die vielleicht nur zu erahnen ist.

Siegfried Mauser gelang das Kunststück, mit wenigen Worten wesentliche Aspekte dieser beiden Werke prägnant auszudrücken, ohne irgendwie belehrend zu wirken. So erwies sich das Konzert als Glücksfall für das Publikum, für die zeitgenössische Musik und für die Triennale

Von Stefan Schmöe



Da capo al Fine

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