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Klassik-Rezensionen

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Logo: Triennale Samstag, 6. 5. 2000, 20.00 Uhr
Klaus-von Bismarck-Saal, Köln

Im Rahmen der MusikTriennale Köln

Ensemble Intercontemporain
Pascal Rophé

György Ligeti

- Konzert für Violoncello und Orchester (1966)
- Kammerkonzert. Für dreizehn Instrumentalisten (1969/70)
- "The Mysteries of the Macabre" - Drei Arien aus "Le Grand Macabre"
    für Sopran und Kammerorchester, bearbeitet von Elgar Howarth (1991)
- Aventures et nouvelles aventures für Sänger und Instrumentalisten (1962-65)

Claudia Barainsky, Sopran
Sarah Leonard, Sopran
Linda Hirst, Mezzosopran
Omar Ebrahim, Bariton
Pierre Strauch, Violoncello





Meilenstein und mehr

ein grandioser Abend mit Werken von György Ligeti



Auf einer Großveranstaltung zur Musik des 20. Jahrhunderts, wie es die MusikTriennale in Köln ist, müssen die Kompositionen von György Ligeti eine zentrale Stelle einnehmen, und sie kommen tatsächlich gebührend zu Ehren: in vier Konzerten erklingen in diesem Triennale-Sommer Ligetis Werke.
(Hinweise auf diese Konzerte siehe unten.)
Ein exklusives Programm mit Werken des Komponisten aus verschiedenen Schaffenszeiten wurde von dem versierten Ensemble Intercontemporain unter der Leitung von Pascal Rophé im Sendesaal des WDR, dem Klaus-von-Bismarck-Saal am Wallraff-Platz, gegeben. Dieser Raum ist nicht nur von herausragend guter Akustik, sondern bietet auch eine gewisse intime Atmosphäre, in der sich eine intensive Beteiligung am Geschehen auf der Bühne erleben läßt.

Besonderer Anziehungspunkt des gut besuchten Konzertes bildete zweifellos das bekannte Stückpaar Aventures et nouvelles aventures, das im Programmheft ohne Übertreibung als ein Meilenstein der Vokalmusik des 20. Jahrhunderts angekündigt werden konnte. Ein weiteres wichtiges wie auch bekanntes Vokalwerk Ligetis ist seine bisher einzige Oper Le Grand Macabre. Von dieser Oper gibt es auch eine Konzertfassung, sie wurde erstellt von Edward Howart, dem Dirigent der Stockholmer Uraufführung (1978), sowie der deutschen, französischen und britischen Erstaufführungen des Macabren. Diese Bearbeitung mit dem Titel Mysteries of the Macabre, basierend auf drei Arien des Musiktheaters, kam in der Besetzung für Sopran und Kammerorchester zur Aufführung.
Der erste Teil des Konzertes bot zuvor weniger bekannte Preziosen aus dem Oeuvre Ligetis: das Cellokonzert von 1966 und ein Kammerkonzert für 13 Instrumentalisten (1969/70). Ein Ligeti-Abend also, der es in sich hatte!

Das Ensemble Intercontemporain und Ligeti - das ist eine bewährte Kommbination, denn das Ensemble hat vor einigen Jahren bereits unter Leitung des Ensemblegründers Pierre Boulez die Solokonzerte von Ligeti in einer viel beachteten Aufnahme eingespielt. An diesem Abend in Köln präsentierte sich das Ensemble unter der Leitung von Pascal Rophé wiederum in Höchstform. Deutlich war die Vertrautheit mit der Musik Ligetis zu hören.
Absolut konzentriert und genaustens gearbeitet ertönte das Cellokonzert mit seinen vielfältigen schwebenden Klangflächen, die von der gemeinsamen Spannung aber auch von der Exaktheit der Instrumentalisten leben und die besonders an die Bläser höchste Ansprüche stellen. Das Ensemble glänzte hier mit Perfektion und absolutem Zusammenhalt. Aus der Stille geht dieses Konzert hervor, es wird vom Solisten aus der Stille hinausgesponnen - so wurde es in der Kölner Aufführung hörbar, bis es schließlich wieder ins Unhörbare zurückführte, und das Spiel des Cellos nur noch zu sehen war. Mit großem Ernst und Einfühlung entwickelte Cellist Pierre Strauch, Mitglied des Ensembles, anspruchsvoll seinen Solopart.
Die enorme Spannung beim Musizieren konnte fortgesetzt werden bei der Ausführung des Kammerkonzertes. Flirrende, schwebende Klänge wie sie der Komposition Ligetis eigen sind, konnten entfaltet und durch enorme Ausbrüche durchsetzt werden.

Mit Freude und Esprit ging es dann nach der Pause mit den Vokalwerken weiter. In der Bearbeitung des Macabren gibt es auch viel zu Sprechen, besser gesagt Auszurufen für das Ensemble, das machte den Instrumentalisten sichtlich Spaß und war besonders mitreißend. Den Gesangs-, Ruf- und Sprechpart führte die Sopranistin Claudia Barainsky aus. Der Part wurde von ihr profiliert und äußerst temperamentvoll gesprochen, packend vorgetragen, und zudem mit stimmlicher Sicherheit bei Gesangsphrasen in schwindelnder Höhe, die auch dort noch zu differenzieren waren, was beeindruckend gelang - meisterhaft! Das Publikum dankte der Solistin mit Bravorufen.

Der Höhepunkt des Abends folgte mit Aventures. Mit Sarah Leonard, Linda Hirst und Omar Ebrahim agierten drei bestens aufeinander eingespielte Solisten. Das zeigte sich auch in der gestischen Darstellung der Affekte, die mit der stimmlichen unweigerlich einhergeht, wenn die Laute aufrichtig produziert sind. Die Solisten hatten sich spürbar die Töne, Rufe und Laute zu eigen gemacht. Besonders begeisterte der Tenor Omar Ebrahim mit Spaß und Schalk im Blick und Stimme. Auch der Percussionist des Ensembles beeindruckte, er hatte freilich für allerlei humorvolle Überraschungseffekte zu sorgen, und wußte schließlich mit Würde ein Tablett mit Gläsern hinzuschmeißen. Das hier nur klein besetzte Ensemble grundierte sehr genau das solistische Geschehen.
Den großen Zusammenhalt des außergewöhnlichen Abends schuf Pascal Rophé durch sein kompetentes und umsichtiges Dirigat, und so wurde der Komponist Ligeti an diesem Abend mit einem vielfältigen Programm in ausgezeichneter musikalischer Ausführung geehrt.


Von Meike Nordmeyer




Weitere Konzerte mit Werken Ligetis auf der Musiktriennale Köln


14. Mai, 11 Uhr, Klaus-von-Bismark-Saal
Hör-Weisen3, Gesprächskonzerte zum anderen Hören der Neuen Musik.
"Old and new complexity"
Auryn Quartett
Moderation: Siegfried Mauser
Bela Bartok - Streichquartett Nr. 4
György Ligeti - Streichquartett Nr. 2
Anton Webern - 6 Bagatellen op. 9 für Streichquartett
Brian Ferneyhough - Streichquartett Nr. 3

4. Juni, 20 Uhr, St. Maria im Kapitol
LUX AETERNA - Das Himmlische in der Musik des 20. Jahrhunderts
Kölner Kantorei
Dirigent: Volker Hempfling
Torsten Laux - Orgel
Werke von: Max Reger, Sigfrid Karg-Elert, Ernst Pepping, Hugo Distler, Willy Burkhard,
Maurice Duruflé, Knut Nystedt, György Ligeti, Krzysztof Penderecki,
Francis Poulenc, Olivier Messiaen, Frank Martin, Petr Eben

Von György Ligeti ist zu hören: Lux aeterna


6. Juni, 20 Uhr, Kölner Philharmonie
Königliches Concertgebouworchester, Leitung Ricardo Chailly
György Ligeti:
Lontano für großes Orchester
Atmospheres für großes Orchester ohne Schlagzeug
Gustav Mahler:
Des Knaben Wunderhorn





Da capo al Fine

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