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Logo: Triennale Mittwoch, 17.05.2000, 20.00 Uhr
Köln, Philharmonie
Ausstrahlung im WDR fernsehen am 4.6.2000, 11.00 Uhr

City of Birmingham Symphony Orchestra
Im Rahmen der MusikTriennale Köln

Hans Werner Henze (*1926): A Tempest (Rounds for the Orchestra)
Simon Holt (*1958): Sunrise "yellow noise" für Sopran und Orchester (DE)
Olivier Messiaen (1908-1992): Éclairs sur l'Au-delá (1987-1991)


Besetzung:
Lisa Milne, Sopran
City of Birmingham Symphoy Orchestra
Sir Simon Rattle, Dirigent



Der Meister und die Harmlosen

Das Publikum in der Philharmonie tobt und überschüttet Simon Rattle mit Bravos. Zu recht feiert es an diesem Abend das erste Gastspiel des City of Birmingham Symphony Orchestra bei der Triennale, das mit Olivier Messiaens großformatigem, späten Meisterwerk Éclairs sur l'Au-delà einen Triumph feiern kann. Im ersten Teil war dieser Erfolg jedoch noch nicht abzusehen, denn das Konzert begann eher harmlos mit enttäuschenden, wenig gehaltvollen Werken.

Hans Werner Henze ist fleißig. Nach seiner ausladenden neunten Sinfonie hatte er im Herbst des Jahres 1998 bereits mitA Tempest. Rounds for the Orchestra den ersten Satz seiner zehnten Sinfonie geschrieben. Henze will nicht, dass seine Musik den Ruch des Programmatischen bekommt, von solcherlei Deutungen distanziert er sich. Der Sturm sei hier ein Aufruhr der Psyche, sagt er. Warum aber nennt er sein Werk dann so missverständlich A Tempest? Die Musik selbst ist schließlich ebenfalls nichts anderes als stürmisch. Das groß besetzte Orchester breitet Henzes nervöse Polyphonie aus, es rumort und rumpelt in wohlgelenkten, dramturgischen Bahnen. Mit dem pastosen Orchestersatz aber überfordert der Komponist seine Hörer einmal mehr, das Werk wirkt überinstrumentiert. Wer als "Zehnte" ein lichtes Werk erwartet hat, wird enttäuscht.

Simon Holts Sunrise "yellow noise" kann ebenfalls nicht recht überzeugen. Hier hat Holt in sanftem, zurückhaltend avantgardistischem Stil einen Text von Emily Dickinson vertont, den Lisa Milne makellos gestaltet. Zu Beginn freilich singt sie lediglich textlose Vokalisen. Simon Rattle macht hier das Beste aus diesem zurückhaltenden Werk, verleiht ihm Schärfe und lyrische Atmosphäre. Ein paar Bravos immerhin können Rattle und Holt am Ende aber doch entgegennehmen.

Ungleich tobender ist der Beifall nach der Aufführung von von Messiaens Alterswerk, das man zu den größten musikalischen Leistungen des 20. Jahrhunderts zählen kann. In Èclairs sur l'Au-delà (Streiflichter über das Jenseits) zieht Messiaen die Summe seiner kompositorischen Erfahrungen. In elf Sätzen wechseln Messiaen-typische Sujets miteinander: Christuserscheinung, paradisische Zustände, Vogelkonzerte, Sterne und Sternbilder, musikalische Emanationen von ewiger, christlicher Liebe. 24 Vogelstimmen hat Messiaen dem über einstündigen Werk auf verschiedene Art und Weise einkomponiert, ebenso indische Rhythmen. Sie bilden den Gegenpol zu starren symmetrischen Verläufen und blockhafter, glasklarer Instrumentation.

Kann man sich ein idealeres Orchester, einen besseren Dirigenten als das CBSO unter Rattle für Messiaens machtvoll-schreitende Bläserklänge und ihren schneidenden Glanz, für die Sanftheit der Streichersätze, für die komplexen Rhythmusverläufe vorstellen? Rattle weiß, was er dirigiert, er liebt und lebt diese Musik, das sieht und hört man. Aus Messiaens Werk holt er das Optimum heraus und gestaltet magische Momente, in denen die Zeit stillsteht.

Von Markus Bruderreck



Da capo al Fine

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