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Klassik - Konzerte
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Freitag/Samstag, 22./23. 9. 2000, 20.30 Uhr, Jahrhunderthalle, Bochum
Letztes Konzert von "Musik im Industrieraum"


Claudio Monteverdi
Vespro della Beata Vergine (1610)

Suzie Le Blanc, Sopran
Bettina Pahn, Sopran
Arnon Zlotnik, Altus
Charles Daniels, Tenor
Markus Brutscher, Tenor
Jörg Nitschke, Tenor
Guido Heidhoff, Bass
Hidetoshi Seki, Bass

ChorWerk Ruhr
Mitglieder des Barockorchesters Stuttgart und des Teatro Lirico Bremen
Frieder Bernius, Dirigent



Klangwelten des nächsten Jahrtausends

Monteverdis "Marienvesper" beendet "Musik im Industrieraum"

Von Markus Bruderreck

Eine Kathedrale ist sie, ein gigantisches Bauwerk der Industriekultur: Die Bochumer Jahrhunderthalle. Die Stadt und die Kulturförderer im Ruhrgebiet haben große Pläne mit ihr: Sie soll laut WDR zu einem Zentrum für Musik im Industrieraum werden, zur einer Ausbildungs- wie zu einer Begegnungsstätte gleichermaßen. Wer dies finanzieren wird, ist heute noch ungewiss. Nicht unwahrscheinlich ist aber, dass wenigstens die Reihe "Musik im Industrieraum" im nächsten Jahr ihre Fortsetzung findet. Zahlreiche Planungen und Vorschläge für Programme liegen bereits vor, vielversprechende von renommierten Orchestern und Ensembles noch dazu. Sicher ist, dass es nicht ausreicht, ein Sinfonieorchester in eine Waschkaue zu setzen, das Mozart, Beethoven oder Brahms spielt. Aber das wird in Bochum sicher nicht passieren. Dafür ist eher, alle Jahre wieder, das "Europäische Klassik-Festival Ruhr" zuständig.

In der Jahrhunderthalle ging "Musik im Industrieraum" nun mit einem gelungenen Experiment zu Ende: Monteverdis "Marienvesper" erklang in einem Ambiente, das eine neue Art von Geistigkeit produziert, dabei aber ganz weltlich bleibt. Natürlich spielt Dirigent Frieder Bernius mit den Möglichkeiten, die er in der Jahrhunderthalle zur Verfügung hat. Auf vier hohen Podesten an den Seiten der Zuschauerreihen postieren sich das ChorWerk Ruhr und die Instrumentalisten des Barockorchesters Stuttgart. Natürlich spielt auch vorne auf der Bühne die Musik. Nur zu einigen Teilen, wie etwa dem "Duo Seraphim" oder dem "Nisi Dominus", verlässt der Chor die Bühne und wandert zu den Podien. Das verursacht nicht geringe Pausen und reißt damit leider Löcher in die Dramaturgie.

Erstaunlich, wie schnell es Bernius geschafft hat, ein Ensemble wie das ChorWerk Ruhr zu vereinen und auf derart hoher sanglicher Qualitätsebene zusammen zu schweißen. Die Gesangssolisten, allesamt hervorragend disponiert, verschmelzen homogen mit dem Ensemble. Mit schlankem, präzisem Klang und viel Sinn für Vielfalt in den Koloraturen finden sich die Sänger und Sängerinnen in idealer Weise mit den Instrumentalisten zusammen, die unter Bernius elegant und lebendig musizieren. Nicht alles gelingt. Gleich zu Beginn gibt es Koordinationsprobleme mit den Posaunen, die im hinteren Zuschauerraum postiert sind; die Musik läuft hier aus dem Ruder. Die Echowirkungen im "Audi Coelum" hätten prompter, überzeugender sein können. Trotz dieser Kleinigkeiten aber werden Bernius und sein Monteverdi-Ensemble berechtigterweise vom Publikum gefeiert.
Bei vielem Positiven, was über die Halle zu sagen ist - man muss sich auch mit Einschränkungen arrangieren. Neben der langsam heraufziehenden Kälte waren das viele Nebengeräusche, die der hellhörige Raum bereitwillig weitertrug. Eine Unart des Publikums ist, Gläser und Flaschen mit an den Platz zu nehmen, wo sie dann mit lautestem Klirren sowie hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit umfallen und die dynamisch sowieso schon zurückgenommene Musik stören. Im nächsten Konzert des Chores wird so etwas aller Voraussicht nach nicht passieren: "ChorWerk Ruhr 4" findet am Samstag, dem 11.11 in der Erlöserkirche Essen und einen Tag später im Bürgerhaus Dortmund statt. Auf dem Programm: Schubert, Brahms und Feldman.




Da capo al Fine

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