Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Zur
OMM-Homepage Konzert-Startseite E-mail Impressum


Donnerstag/Freitag, 08./09. 06. 2000,
Audi-Max der Ruhr-Universität Bochum

Joseph Haydn: Symphonie Nr. 93 D-Dur
Anton Bruckner: Symphonie Nr.3 d-Moll

Ausführende:
Bochumer Symphoniker
Yoav Talmi, Dirigent



Klangblöcke und Melodiebögen

Von Sebastian Hanusa

Im letzten Symphoniekonzert der Saison standen zwei symphonische Werke auf die Programm der Bochumer Symphoniker, deren eines, Haydns späte Symphonie D-Dur Nr. 93, die gerade abgeschlossene Ausbildung dieser Gattung repräsentiert, während Bruckners d-Moll-Symphonie das heraufziehende Ende einer Epoche vorausahnen läßt. Bruckners Musik steht nicht mehr für die Individuation des Absoluten in einem durch musikalischen Genius erschaffenen Werk, einen mit dem Erleben eines individuellen Genies gefüllten musikalischen Kosmos. Bruckner hat seine Person zurückgezogen; seine Musik will auf Unsagbares hinter oder - im religiösen Sinne - auch über dem Dialog Komponist- Material verweisen - wiewohl, oder auch mit dem Zug ins Monumentale als "überirdischer" Kathedralbau zu begründen, gerade eben, letzten Endes eine ganze Menge Musik dabei herumgekommen ist. Die allgegenwärtigen Quinten in der dritten Symphonie erscheinen durchsichtig, ausgehöhlt, das Wiederholen von "Begleitfiguren" in den Streicher erzeugt musikalischen Leerlauf, in den aus dem Hintergrund der Musik etwas einsickern kann, Klang wird erzeugt - ohne charakteristische Semantik, die vielen Generalpausen - wenn auch in der in Bochum gespielten Fassung von 1889 gegenüber der Urfassung etwas reduziert - brechen den Ablauf auf. Gerade im vierten Satz, der gegenüber den anderen Sätzen ein wenig mit eingängigen thematischen Einfällen geizt, verstärkt sich der Eindruck, Musik zu hören, die sich zwischen Zuhörer und einer aufgerissenen Tiefe mit gewaltiger Wucht dezent verflüchtigt.

Der israelische Dirigent Yoav Talmi entwickelte die brucknerschen Aufbauten aus entspannten Fließen des Klanges heraus zu wuchtigen Eruptionen, ohne über dem einzelnen Ausbruch die große formale Anlage aus dem Auge zu verlieren. Die Stabilisierung der latent instabilen, von Implosion bedrohten Motive und Durchführungsteile zu einer symphonischen Gestalt gelang. In den ruhigeren Passagen betonte Talmi besonders das lyrische Moment, gab den Streicher viel Raum, große Bögen schwelgerisch auszuspielen - ein wenig kamen hierüber die bedrohlichen Untertöne, die latente Präsenz des Moll-Hauptgedankens, zu kurz. Ein anderer Kritikpunkt wäre noch die eine oder andere Unschärfe im Zusammenspiel gerade bei den Holzbläsern oder auch in den Streichern, gerade, wenn diese eher begleitenden Charakter hatten. Andererseits überzeugte die klangliche Balance zwischen den Orchestergruppen, die dynamischen Differenzierungen. Besonders Hörner und Posaunen wären hervorzuheben, die von prägnantem Forte bis hin zu sensiblen, weichen Klängen facettenreich ihren Fähigkeiten unter Beweis stellten. Alles in allem eine gelungene Aufführung.

Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Konzert-Startseite E-mail Impressum

© 2000 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -