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Musikfestspiele
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Klangvokal
Musikfestival Dortmund
28.05.2017 - 25.06.2017

King Arthur (or The British Worthy)

Semi-Oper in fünf Akten mit einem Prolog
zu einem Schauspiel von John Dryden
Zwischentexte von François Van Eeckhaute in der Übersetzung von François Van Eeckhaute in Zusammenarbeit mit Annette Bieker und Frank Schultz
Musik von Henry Purcell

in englischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 45' (eine Pause)

Aufführung in der St. Reinoldikirche Dortmund  am 24. Juni 2017

 

 

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King Arthur ohne Arthur

Von Thomas Molke / Fotos: © Barton Kirchmann

Während sich im ausgehenden 17. Jahrhundert die Barockoper in Italien und Frankreich bereits als feste Größe im kulturellen Leben etabliert hatte, steckte das Genre in England noch in den Kinderschuhen. Erst 1674 wurde in London die erste Oper aufgeführt. Charles II. hatte während seines Exils in Frankreich die italienische Oper lieben gelernt und versuchte nach dem Zusammenbruch der Cromwell-Republik, mit seiner Rückkehr auf den Thron auch dieses Genre in England zu etablieren. Zunächst entstanden sogenannte "Semi-Opern", in denen ein bereits bestehendes Schauspiel um Musik erweitert wurde. Die eigentliche Handlung spielte sich folglich in den Dialogen von Schauspielern statt, während die Musik entweder in Instrumentalstücken die einzelnen Akte verband oder kleine Maskenspiele mit übernatürlichen, allegorischen Personen bzw. Nebenrollen des Stückes untermalte. Die Besonderheit bei Purcells King Arthur lag vielleicht darin, dass dieses Werk von Anfang an als Semi-Oper konzipiert war und so zum vielleicht besten, bühnentauglichsten und erfolgreichsten Werk des "Orpheus Britannicus" avancierte, das bis ins 19. Jahrhundert immer wieder aufgeführt wurde. Bei der halbszenischen Aufführung in der St. Reinoldikirche im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals wird nun das eigentliche Schauspiel durch Zwischentexte von François Van Eeckhaute ersetzt.

Mit dem bekannten Mythos um den legendären König Artus (King Arthur) hat die Semi-Oper gar nichts zu tun. In dem Schauspiel von John Dryden kämpft Arthur gegen den Sachsenkönig Oswald um die Vormachtstellung in Britannien. Des Weiteren sind die beiden auch noch Rivalen um die schöne Emmeline, die blinde Tochter des Herzogs von Cornwall. Arthur erhält dabei Unterstützung des aus dem Mythos bekannten Zauberers Merlin, während seinem Gegner Oswald der Magier Osmond und die beiden Geister Grimbald und Philidel zur Seite stehen. Doch Philidel wechselt im Verlauf der Schlacht schnell die Fronten und beschützt Arthur und seine Krieger vor den magischen Fallen, die Osmond den Briten stellt. Obwohl es Arthur gelingt, Oswald in die Flucht zu schlagen, kann letzterer die schöne Emmeline in seine Gewalt bringen, und Arthur muss nun alles daran setzen, seine Braut aus den Händen des Feindes zu befreien. Währenddessen versucht Oswald erfolglos, Emmelines Gunst zu gewinnen. In einem Zauberwald will Osmond die angreifenden Briten vernichten. Doch unter Philidels Schutz gelingt es Arthur, allen Erscheinungen, selbst dem Auftreten Emmelines, zu trotzen und sie als Scheinbilder zu entlarven. So kommt es doch noch zum finalen Zweikampf zwischen Arthur und Oswald, in dem Oswald unterliegt. Arthur begnadigt seinen Widersacher und kann seine Geliebte Emmeline retten, die durch ein Zaubermittel Philidels auch noch ihre Blindheit verliert. Alle feiern den wieder gewonnenen Frieden mit einem großen Fest.

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François Van Eeckhaute bei den Zwischentexten

Betrachtet man nur Purcells Musik, mag es etwas verwirren, dass die Titelfigur der Oper an diesem Abend gar nicht auftritt und als handelnde Figuren nur die beiden Geister Philidel und Grimbald vorkommen. Auf Drydens Schauspiel wird nämlich bei der Aufführung in der St. Reinoldikirche verzichtet. Stattdessen wird die eigentliche Geschichte in Zwischentexten von François Van Eeckhaute vorgetragen, die dieser auch selbst verfasst und gemeinsam mit Annette Bieker und Frank Schultz vom Theater Kontra-Punkt Düsseldorf ins Deutsche übersetzt hat. Van Eeckhaute gelingt es, mit großer Emotionalität bei der Erzählung Spannung aufzubauen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen beschreibt er gut verständlich und legt großen Wert darauf, die folgenden Musikeinlagen in den Kontext der Geschichte einzubauen, damit die Zuschauer nachvollziehen können, wieso die allegorischen Figuren auftreten. Dabei ist es allerdings schon befremdlich, dass Götter der römischen Mythologie wie Cupido und Venus auf Wotan und Thor treffen, obwohl Arthur doch eigentlich eher mit der christlichen Religion in Verbindung gebracht wird.

Sieht man von diesen kleinen Ungereimtheiten ab, die wohl eher dem Stück als solches anzulasten sind, erlebt man an diesem Abend in der St. Reinoldikirche eine Aufführung, die musikalisch auf ganzer Linie überzeugt. Verantwortlich zeichnet dafür das belgische Vokalensemble Vox Luminis, das 2004 auf Initiative des französischen Flötisten und Trompeters Lionel Meunier gegründet wurde, aus mehreren Vokalisten, einer Continuo-Gruppe und weiteren Instrumentalisten besteht und den Schwerpunkt auf Alte Musik legt. Die 13 Instrumentalisten sind dabei so gut aufeinander abgestimmt, dass sie den Abend auch ohne Dirigenten meistern und Purcells Musik in präzisem und differenziertem Klang in der Reinoldikirche zum Leuchten bringen. Gleiches gilt für die zwölf Vokalisten, die mal als Chor agieren und dann als Solisten agieren, wobei sie die Solo-Parts jeweils frei vortragen und halbszenisch umsetzen. Wenn beispielsweise zu Beginn der Oper zwei Priester für Oswalds Sieg die nordischen Götter um Beistand bitten, treten Sebastian Myrus und Robert Buckland vor das Orchester und setzen den Götteranruf "Woden, first to thee" mit markantem Bass (Myrus) und kräftigem Tenor (Buckland) an. Auch für komische Momente wird gesorgt, wenn beispielsweise Daniel Elgersma mit weichem Counter zu "I call you all" alle in Wotans Halle zum Trinken einlädt und dabei etwas angeheitert über die Bühne wankt oder die Männer im zweiten Akt als Hirten den Schäferinnen nachstellen und zur Pause von der Bühne führen.

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Cupid (Sophie Junker) weckt den Cold Genius (Sebastian Myrus).

Musikalische Höhepunkte bieten Philidels Auftritt im zweiten Akt und das Erwachen des Cold Genius im dritten Akt. Stefanie True begeistert als Philidel mit hell leuchtendem Sopran, wenn sie Arthur und seine Krieger in "Hither this way" aus dem Moor rettet, in das sie bei der Verfolgung Oswalds durch das magische Wirken Osmonds und Grimbalds hineingeraten sind. Gemeinsam mit dem Chor weist True den Briten mit strahlenden Höhen den richtigen Weg, während die dunklen Stimmen, die sich um Tomá Král als Grimbald versammeln, immer wieder versuchen, Arthur vom rechten Weg abzubringen. Král begeistert hier bei seinem bedrohlich angesetzten "Let not a moonborn elf deceive thee" mit dunklem Bariton und unheimlichem Spiel. Im dritten Akt trifft dann Sophie Junker als Liebesgott Cupid auf Sebastian Myrus als Cold Genius. Junker begeistert bei "What ho! thou genius of this isle", wenn sie mit strahlenden Höhen den Cold Genius aus seinem Winterschlaf weckt. Myrus kauert sich derweil auf der Bühne unter sein Jackett und erwacht zu Stakkato-Klängen des Orchesters langsam zu neuem Leben. Sein "What power art thou, who from below" wird dabei stimmlich und darstellerisch großartig umgesetzt. Besonders bewegend gelingt dann auch die Wiederaufnahme dieses Themas durch den Chor der Cold People, "See, see, we assemble".

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Stefanie True (links) und Zsuzsi Tóth (rechts) als zwei Sirenen

Wenn Arthur dann im vierten Akt durch Osmonds Zauberwelt irrt, um Emmeline zu befreien, trifft er auf zwei Sirenen, die ihn mit lieblichem Klang von seinem Weg abbringen wollen. Zsuzsi Tóth und Stefanie True überzeugen hier mit dem verführerischen Lied "Two daughters of this aged stream are we" mit zwei wunderbar in den Farben harmonierenden Sopranstimmen. Bemerkenswert ist der Stilwechsel im fünften Akt, wenn nach Arthurs Sieg über Oswald Comus und die Bauern mit "Your hay it is mow'd and your corn is reap'd" den neuen Frieden feiern. Hier weist die Musik folkloristische Züge auf. Wieso am Ende noch einmal Venus auftritt und die Schönheit der Insel preist, erklärt sich zwar nicht, wird von Tóth aber mit warmem Sopran umgesetzt. Den Abschluss macht dann Junker als Honour, wenn sie gemeinsam mit dem Schlusschor den Schutzherren der Insel, den heiligen Georg, anruft, bevor die Vokalisten dann paarweise die Bühne verlassen. Das Publikum bedankt sich mit großem Applaus.

FAZIT

Purcells Semi-Oper besticht durch wunderschöne Musik, die von dem Ensemble Vox Luminis großartig umgesetzt wird. Schade ist nur, dass sich die Musik auf Nebenpersonen und allegorische Figuren beschränkt und Arthur als Person überhaupt nicht vorkommt.

Weitere Rezensionen zum Klangvokal Festival Dortmund 2017

 

Produktionsteam

Vox Luminis (Belgien)

Leitung
Lionel Meunier

Violine
Cecilia Bernardini
Tuomo Suni

Viola
Jacek Kurzyd
ło

Bass
Ronan Kernoa

Oboe
Benoit Laurent
Stefan Verdegem
Armin Köbler

Fagott
Lisa Goldberg

Trompete
Rudolf Lörinc
Moritz Görg

Theorbe und Gitarre
Simon Linné

Orgel und Cembalo
Anthony Romaniuk

Timpani und Percussion
Mariana Soroka

 

Solisten

Cupid / Honour
Sophie Junker

Philidel
Stefanie True

British Warrior / Comus
Robert Buckland

Cold Genius
Sebastian Myrus

Aeolus / Grimbald / An Earthy Spirit
Tomá
Král

Nereid / Venus
Zsuzsi Tóth

Pan
Lionel Meunier

Two Sirens
Zsuzsi Tóth
Stefanie True

Three Nymphs / She (Mr. Howe's Song)
Zsuzsi Tóth
Stefanie True
Hannah Cooke

He (Mr. Howe's Song)
Lionel Meunier
Sebastian Myrus

Men
Hannah Cooke
Olivier Berten
Sebastian Myrus

Saxon Priests
Sebastian Myrus
Robert Buckland

Altus
Jan Kullmann
Daniel Elgersma

Tenor
Philippe Froeliger

Sprecher
François Van Eeckhaute

 

Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Klangvokal Dortmund
(Homepage)



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