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Berliner Festspiele
Musikfest Berlin 02.09.2014 - 22.09.2014

Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam
Leonidas Kavakos, Violine
Mariss Jansons, Leitung

Werke von Brahms, Rihm und Strauss

6. September 2012 in der Philharmonie    


Berliner Festspiele
Musikfest Berlin

(Homepage)  

Konzert aus vielen Stimmungen

Von Christoph Wurzel / Fotos: Kai Bienert

Johannes Brahms wurde ja von Zeitgenossen vorgehalten, dass er zwar ein sehr guter Handwerker sei, aber eher schwach in seiner musikalischen Erfindungskraft. Gestützt wurde dieser Vorwurf vor allem auch auf Brahms’ Vorliebe für die Form der Variation bereits vorhandener Musik. Heute kann ein solches Verdikt nur als Ausdruck blanken Neids verstanden werden, hat Brahms es doch auf diesem Feld zu ganz besonderer Meisterschaft gebracht, was ihm wiederum Arnold Schönberg gerade allerhöchst anrechnete. Vor seiner mit viel Zweifeln und Zögern abgeschlossenen 1. Symphonie komponierte er – als Fingerübung sozusagen – die beiden Serenaden und  die Variationen über ein Thema von Joseph Haydn, in denen sein sensibler Sinn für Klangwirkung und strukturelle Finesse zu bestaunen ist. Als Reverenz dem Mottogeber dieses Musikfestes gegenüber stellte Mariss Jansons mit dem Concertgebouworchester dieses Werk an den Anfang seines Programms. Was da zu hören war, musste nachträglich alle Kritikaster Lügen strafen. Diese Aufführung ließ Brahms’ Komposition in ihrer erfinderischen Vielfalt wie auch ihrer klanglichen Schönheit strahlen. Phänomenal wie subtil sich die Farben der Holzbläser in der dritten und vierten Variation mischten, strahlend die Hörner in der sechsten und wunderbar schwebend und wiegend dann das Grazioso der siebten Variation, geisterhaft das Presto der Achtelketten in der achten und endlich die Klarheit des kontrapunktischen Satzes in der abschließenden Passacaglia – wie ein nachträglicher Triumph für Brahms.

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Mariss Jansons mit dem Concergebouworchester Amsterdam

Anders als Brahms, der sich persönlich wie künstlerisch in engen bürgerlichen Kunst-Konventionen bewegte, will Wolfgang Rihm als der Zeitgenosse unserer multiplexen Gegenwart sich nicht auf strukturelle Fixierungen oder klangliche Topoi festlegen, als sein Ideal bezeichnet er das „inklusive Komponieren“, wodurch allein der kreative Impuls des Komponisten selbst zählt, ein Höchstmaß an Subjektivität also. So ist auch sein Stück Lichtes Spiel. Ein Sommerstück für Violine und kleines Orchester ein Muster frei fließender musikalischer Intuition. Schwebende Streicherklänge korrespondieren zu Anfang mit zarten Bläsermotiven. Noch zurückhaltend bewegt sich die Sologeige in diesem Klangraum. In einer scherzohaften Passage tritt dann mehr Bewegung ein, bis, scheinbar auf ein unbestimmtes Ziel gerichtet, der Fluss wieder zur Ruhe kommt und der Klang sich plötzlich mit einer kurzen Geste verflüchtigt. In pastosen Farben und stellenweise etwas verschattet zeichnete Janssons mit dem Orchester dieses Klangidyll nach und Leonidas Kavakos spielte den Solopart mit viel Empathie für die klanglichen Feinheiten.

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Leonidas Kovakos(links) mit Mariss Jansons (rechts)

Zielt die Musik von Wolfgang Rihm stark auf den eigentlichen Erlebnismoment, was angesichts der Flüchtigkeit musikalischer Eindrücke den Nachteil des schnellen Vergessens unweigerlich nach sich zieht, so sind die sinfonischen Dichtungen von Richard Strauss wahre Epen  in plastischer Klangfülle. Hier zog Mariss Jansons nochmals alle Register virtuoser Orchesterkunst. Tod und Verklärung, der musikalische Lebensfilm eines imaginären Helden auf dem Totenbett, geriet in dieser Aufführung zu einer dramatisch dichten Tonerzählung, die der Gefahr peinlich pathetischer Übertreibung völlig entging. Das große Orchesterrondo Till Eulenspiegels lustige Streiche glänzte unter Mariss Janssons Leitung im Orchester in schillernden Farben und war derart von Spielfreude inspiriert, dass der sprühende Witz dieser Komposition das Publikum direkt ansteckte. Jede, aber auch jede Nuance der Partitur kam als musikalischer Geistesblitz an. Kein Wunder, dass am Schluss Dirigent und Orchester großen Jubel ernteten.

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Das Programm

Johannes Brahms
Variationen über ein Thema
von Joseph Haydn
B-Dur op. 56a

Wolfgang Rihm
Lichtes Spiel.
Ein Sommerstück für Violine
und kleines Orchester


Richard Strauss
Tod und Verklärung.
Nach alter Schelmenweise in Rondeauform

Tondichtung für großes Orchester op. 24

Till Eulenspiegels lustige Streiche.
Sinfonische Dichtung op. 28


 

 

Leonidas Kovakos, Violine

Concertgebouworchester Amsterdam

Mariss Jansons, Dirigent

 





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