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Musikfest Berlin 2013

Quatuor Diotima

Streichquartette von Bartók und Janáček

10. September 2013 im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin


Berliner Festspiele
Musikfest Berlin

(Homepage)  

Jeder Ton ein Juwel

Von Christoph Wurzel

Wer dieses Ensemble noch nicht gehört hat, sollte die nächste Gelegenheit nutzen, dies nachzuholen! Beim Musikfest war das Quatuor Diotima jetzt im Rahmen der kleinen Kammermusikreihe zu erleben. Die vier Streicher fanden sich 1996 in Frankreich zusammen und wählten den Namen ihres Quartetts nach einer Komposition von Luigi Nono - ein deutliches Bekenntnis zur neuen Musik, aber sie  bewegen sie sich seitdem wie selbstverständlich auch im klassisch- romantischen Repertoire. Ihre jüngste Produktion, Schuberts Streichquintett C-Dur, soll Mitte November beim Label naive erscheinen. Wie souverän, ja sensationell gut sie spielen, wurde in Berlin offenbar, wo sie die beiden Quartette von Janáček präsentierten, eingerahmt von Bartóks drittem und viertem Streichquartett. Das Konzert hinterließ den Eindruck eines Ensembles, das jetzt schon dem Gipfel der Quartettkunst sehr nahe ist.

Alle sechs Streichquartette von Béla Bartók standen auf dem Programm des diesjährigen Musikfests, die Nummern 2 und 6 wurden gleich zu Beginn vom Emerson String Quartet zusammen mit Mendelssohns op. 80 präsentiert (siehe unseren Bericht), am Schluss des Musikfestes war das Philharmonia Quartett (Mitglieder der Berliner Philharmoniker) mit den Nummern 1 und 5 an der Reihe. Das Quatuor Diotima spielte also die beiden mittleren Quartette, entstanden gegen Ende der Zwanziger Jahre, der Schaffensphase Bartóks, in der er nach anfänglich heftigen Angriffen auf seine Musik erste Erfolge in Ungarn aber auch international verzeichnen konnte. Für das dritte erhielt er sogar in den USA einen gut dotierten Kompositionspreis. Den anderen Programmschwerpunkt dieses Konzerts bildeten die beiden (einzigen) Streichquartette von Leo¨ Janáček, beides Alterswerke des 69jährigen bzw. 72jährigen tschechischen Komponisten. Im Falle von Janáčeks zweitem Quartett „Intime Briefe“ wartete das Quatuor Diotima mit einer Rarität auf, denn es spielte die Komposition in der ursprünglichen Fassung, die anstelle der Bratsche eine Viola d’Amore vorsieht – eine Praxis, die im üblichen Konzertbetrieb mangels entsprechender Solisten meist schwer zu realisieren ist.

Mit Bartóks und Janáčeks Quartetten stand zwar Musik aus fast derselben Entstehungszeit auf dem Programm, die Kompositionsweisen beider Komponisten unterscheiden sich aber diametral, was die Koppelung ihrer Werke in einem Konzert reizvoll machte. Bei Janáček ist Musik zu erleben, die in hoch expressiver Weise seelische Zustände ausdrückt und besonders im Fall des 2. Quartetts auch stark biografisch geprägt ist. Der Beiname „Intime Briefe“ meint nichts anderes als die Verarbeitung von Janáčeks später Liebe zu der 37 Jahre jüngeren Kamila Stösslová. Daher rührt auch der Einsatz der Viola d’Amore, der dieser Stimme eine exponierte Rolle zuweist und zugleich einen fremdartigen Reiz verleiht. Leider ist dies aber ein Problem für die Klangbalance, da die barocke Viola d’Amore zwar ein viel reicheres Spektrum an Klangfarben aufweist, aber im Volumen mit den modernen Streichinstrumenten nicht konkurrieren kann. Die hohe Sensibilität der übrigen Mitglieder des Quatuor Diotima ließ aber Garth Knox an seinem klangschönen Instrument den nötigen Spielraum besonders für die Entfaltung der warmen Kantilenen des 2. Satzes. Glühende Expressivität und eine verdichtete innere Dramatik zeichnete das Spiel des Ensembles in Janáčeks Quartetten aus - eine seltene Intensität der Darbietung.

Auch in Bartóks beiden Quartetten führten Klangschärfe, stupende Technik und perfekte Kommunikation zu frappierenden Ergebnissen. Welche Nuancen waren allein aus dem im reinen Pizzicato vorgetragenen vierten Satz des 4. Quartetts heraus zu hören und wie beherzt und frisch kamen die Vogelrufmotive im dritten Satz! Wie elegant die Glissandi, wie seidig das Pianissimo! Jede Einzelheit in Bartóks musikalischen Mikrostrukturen wurde unter den Bögen dieser Meistergeiger zur akustischen Kostbarkeit. Dabei verloren Sie das große Ganze keineswegs aus den Augen, geschicktes Timing hielt die innere Spannung der Werke am Leben. Großer Jubel des Publikums für diese phantastischen Vier.

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Das Programm

Béla Bartók
Streichquartett Nr. 3

Leo
š Janáček
Streichquartett Nr. 2
„Intime Briefe“

Leoš Janáček
Streichquartett Nr. 1
„Kreutzersonate“

Béla Bartók
Streichquartett Nr. 4



YunPeng Zhao, Violine I

Guillaume Latour, Violine II

Franck Chevalier, Viola

Pierre Moriet, Violoncello

Garth Knox, Viola d’amore





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