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Musikfestspiele
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Salzburger Pfingstfestspiele
25.05.2012 - 28.05.2012

Cléopâtre

Oper in vier Akten
Libretto von Louis Payen
Musik von Jules Massenet

in französischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 20' (eine Pause)

Konzertante Aufführung in der Felsenreitschule am 27. Mai 2012

 

 

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Liebestod im Zeitalter der Décadence

Von Thomas Molke / Fotos von Hans Jörg Michel

Auch wenn Jules Massenet im letzten Viertel des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu den Komponisten zählte, deren Werke auf den Spielplänen der französischen Opernhäuser stets präsent waren, ja sogar eine gewisse Vormachtstellung besaßen, haben sich heute nur wenige Werke im Repertoire gehalten, so dass eine Aufführung einer Massenet-Oper fernab von Manon und Werther schon als Rarität bezeichnet werden kann. Selbst aus Thaïs ist in der Regel lediglich das berühmte Intermezzo in diversen Galakonzerten zu hören. Unter dem Motto Cleopatra sensuale ist bei den Salzburger Pfingstfestspielen nun Massenets letzte Oper Cléopâtre zu erleben, die Massenet kurz vor seinem Tod 1912 vollendete und die erst posthum in Monte Carlo zwei Jahre später ihre Uraufführung erlebte.

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Von links: Mariangela Sicilia (Charmion), Sandrine Piau (Octavie), Benjamin Bernheim (Spakos), Sophie Koch (Cléopâtre), Vladimir Fedoseyev (Dirigent), Ludovic Tézier (Marc-Antoine), Omar Montanari (Ennius), Jean-Luc Ballestra (Amnhès), Biagio Pizzuti (Un esclave) und Gezim Myshkete (Sévérus) mit Mitgliedern des Mozarteumorchesters Salzburg

Die Oper handelt von der Liebe der ägyptischen Königin zu dem römischen Feldherrn Marc Anton (Marc-Antoine), die nach der Niederlage gegen Octavian, den späteren Augustus, bei Actium bekanntlich mit dem Freitod der beiden endete. Dabei spannt Massenets Fassung einen weiten Bogen von der ersten Begegnung der beiden in Kleinasien, bei dem Marc-Antoine zunächst noch fest entschlossen ist, sich den Reizen der verführerischen Herrscherin zu widersetzen, ihrem Charme dann allerdings nicht widerstehen kann, über Marc-Antoines Hochzeit mit Octavie, Octavians Schwester, die das Bündnis der beiden Triumvirn festigen soll, bis zu Marc-Antoines Rückkehr nach Ägypten, was den Bruch mit Octavian einleitet und damit zum Bürgerkrieg führt, in dem Marc-Antoine und Cléopâtre dem späteren Princeps unterliegen. Hinzu kommt die Figur des Spakos, eines jungen Ägypters, der unsterblich in Cléopâtre verliebt ist und den Versuch, sich zwischen sie und Marc-Antoine zu stellen, mit dem Leben bezahlt.

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Sandrine Piau (Octavie) und Ludovic Tézier (Marc-Antoine) mit Vladimir Fedoseyev (Dirigent, Mitte) (sitzend von links: Sophie Koch (Cléopâtre), Biagio Pizzuti (Un esclave) und Gezim Myshketa (Sévérus)

Musikalisch weist das Werk in der Orchestrierung eine große Bandbreite auf. Während das römische Lokalkolorit recht bläserlastig die militärische Überlegenheit der Römer demonstriert und selbst der stimmlich überzeugende Salzburger Bachchor unter der Leitung von Alois Glaßner zu Beginn des ersten Aktes mit der Lobpreisung der Größe Roms in "Rome est grande" gegen die fulminante Lautstärke ankämpfen muss, findet Massenet für die ägyptische Königin leisere und in der Instrumentierung exotischere Töne, die die Faszination dieser Frau deutlich vor Augen führen. Während die Textgrundlage ähnlich wie bei Thaïs ein Prosalibretto ist, weist die Partitur jedoch eine reine Strophenstruktur auf, was gewissermaßen einen Gegensatz zur Vorlage darstellt. Auch die Wahl der tiefen Frauenstimme für die Rolle der Protagonistin, die mit dem Bariton das Liebespaar bildet, während die Sopranstimme (Octavie) und der Tenor (Spakos) in ihren Liebesbeteuerungen nicht erhört werden, ist eher eine unkonventionelle Entscheidung in der traditionellen Rollenhierarchie der Oper des ausgehenden 19. Jahrhunderts und lässt in der weiblichen Sinnlichkeit des Mezzosoprans Parallelen zu Bizets Carmen erkennen.

Für die Sänger weist das Werk einige Bravourarien auf. Zu nennen ist hier zunächst Marc-Antoines Arie im zweiten Akt "Solitaire sur ma terrasse, je pense à toi", in der Marc-Antoine kurz vor der Hochzeit mit Octavie seiner Sehnsucht nach Cléopâtre Ausdruck verleiht. Auch Octavies Arie im dritten Akt "Par vous, j'ai tous perdu", mit der sie Marc-Antoine ein letztes Mal zu überreden versucht, von Cléopâtre zu lassen, stattdessen nach Rom zurückzukehren und mit Octavian Frieden zu schließen, lassen in ihrer Reinheit Erinnerungen an Micaëla in Bizets Carmen wach werden. Die Titelfigur erhält einen großen Moment zu Beginn des dritten Aktes, wenn sie mit "J'ai versé le poison dans cette coupe d'or" ihre Sklaven in einem diabolischen Machtspiel dazu auffordert, für einen leidenschaftlichen Kuss Gift zu trinken. Eindringlich ist auch das große Duett zwischen Marc-Antoine und Cléopâtre am Ende des vierten Aktes, das nach Marc-Antoines Tod in einem ergreifenden Abschlussmonolog Cléopâtres Liebestod einläutet.

Vladimir Fedoseyev gelingt es, mit dem Mozarteumorchester Salzburg die Vielschichtigkeit der Partitur differenziert herauszuarbeiten und damit die pralle Schönheit dieses zu Unrecht vernachlässigten Spätwerks Massenets vor Augen bzw. Ohren zu führen. Ergänzt wird das fulminant aufspielende Orchester neben dem homogen von Alois Glaßner einstudierten Chor von einer durchweg überzeugenden Solistenriege. Sandrine Piau stattet Octavie mit einem zarten, mädchenhaften Sopran aus und macht die Leiden der jungen Frau, die vergeblich um die Liebe Marc-Antoines kämpft, sehr glaubhaft. Benjamin Bernheim verfügt als Spakos über einen leidenschaftlichen Tenor, der in den Höhen ein unglaubliches Maß an tenoralem Schmelz entwickelt und an keiner Stelle forciert, so dass seine Zurückweisung durch Cléopâtre zutiefst bewegt. Ludovic Tézier und Sophie Koch geben mit kräftigem Bariton und warmem, wohl-timbriertem Mezzo stimmlich ein absolut überzeugendes Liebespaar ab, das vor allem im abschließenden Liebesduett an Wärme und Innigkeit kaum zu übertreffen ist. Mariangela Sicilia als Charmion, Omar Montanari als Ennius, Jean-Luc Ballestra als Amnhès, Gezim Myshketa als Sévérus und Biagio Pizzuti als Sklave runden die musikalische Leistung des Ensembles ab. So gibt es am Ende großen Applaus für alle Beteiligten.

FAZIT

Selten gespielte Massenet-Oper, von der eine CD- oder DVD-Aufnahme sicherlich lohnenswert wäre. Ein Konzertmitschnitt ist am 9. Juni 2012 um 19.30 Uhr auf Ö1 zu erleben.

Weitere Rezensionen zu den Salzburger Pfingstfestspielen 2012

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Vladimir Fedoseyev

Chorleitung
Alois Glaßner
 

Salzburger Bachchor

Mozarteumorchester Salzburg

 

Solisten

Cléopâtre
Sophie Koch

Marc-Antoine
Ludovic Tézier

Spakos
Benjamin Bernheim

Octavie
Sandrine Piau

Charmion
Mariangela Sicilia

Ennius
Omar Montanari

Amnhès
Jean-Luc Ballestra

Sévérus
Gezim Myshketa

L'esclave de la porte / Un esclave
Biagio Pizzuti

 

Weitere
Informationen

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