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Konzert im Maschinenhaus

Klassische Kammermusik mit Sebastian Noack und Manuel Lange

Aufführungsdauer: ca. 2h (eine Pause)

Konzert im Maschinenhaus Essen  am 3. September 2012 

Logo: Ruhrtriennale 2012

Meisterlieder   

von Ursula Decker-Bönniger

Passend zur Backstein- und Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts fand am Montagabend im ehemaligen Maschinenhaus der Zeche Carl in Essen ein Liederabend vom Feinsten statt. Mit Blick auf Aribert Reimanns 1985 komponierte Tri Poemi di Michelangelo stellten Sebastian Noack und Manuel Lange – beide gründeten 2006 die Berliner Konzertreihe Meisterlied - eine auf Eichendorff-Lieder von Wolf und Schumann konzentrierte Auswahl zusammen, in der Bariton Sebastian Noack den Reichtum seiner Interpretationskunst zeigte und die zugleich einen Einblick in das breite Ideen- und Kompositionsspektrum des 19. Jahrhunderts gab. Will man einen Leitgedanken nennen, der sich im weitesten Sinne in allen Liedtexten wiederfindet, so ist er der Nacht und dem Traum gewidmet.

Es begann mit Hugo Wolfs Komposition Die Nacht („Nacht ist wie ein stilles Meer“ und nicht wie im Programmheft abgedruckt „Wie schön hier zu verträumen“),- ein Jugendwerk, dessen Klavierpart an das Vorbild Robert Schumann erinnert. Mit Verschwiegene Liebe, Nachtzauber und dem aus einem anderen Zyklus stammenden Nachruf  folgten Lieder, die Wolfs Besonderheiten, seine schöpferischen Verbindungen von Dichtung und Musik aufzeigen, etwa die romantisch schillernden Harmoniewendungen in Verschwiegene Liebe oder die illustrativen, geradezu impressionistischen Klangmalereien des Nachtzauber-Liedes. Sebastian Noacks Sinn für große Linien und Manuel Langes nuancierte Interpretationen  verschmolzen hier zu großer, wechselseitiger Gestaltungskunst, die schließlich in Reimanns 1986 von Dietrich Fischer-Dieskau uraufgeführten Tri poemi di Michelangelo gipfelten.

Im Unterschied zu Wolfs anschließend vorgetragener Vertonung der Sonette belässt Reimann das sehr persönlich gefärbte Bekenntnis Michelangelos, das er seinen vollendeten Werken hinzufügte, im italienischen Original. Reimanns Komposition ist ein dunkel gefärbter,  in dramatisch aufflackernde Rezitative gekleideter Monolog, der von wenigen, wiederkehrenden Klangfiguren unterbrochen oder auch begleitet, bzw. weitergeführt wird – ein expressives Lamento, dem Sebastian Noack differenziert und ausdrucksstark den Charakter einer geradezu privaten, im Augenblick selbst entstehenden Offenbarung verlieh. Wie sehr Wolf in seinen 3 Gesängen für eine Bassstimme diesen Gefühlsernst mit ähnlich reduzierten klanglichen Mitteln bspw. einer von Pausen durchzogenen Basslinie schon 1897 (6 Jahre vor seinem Tod) ausdrückt, verdeutlichte vor allem die ergreifende Darbietung des zweiten Liedes Alles endet, was entstehet.

Nach der Pause folgte Schumanns subtile Kunst der Klavierliedkomposition. Er ist der Erste, der mit Eichendorff-Vertonungen in die Musikgeschichte einging und die Dichtung in einem hintergründigen Spiel von Gefühl und Assoziation interpretiert. Der Liederkreis op. 39 entstand im sog. Liederjahr 1840 - das Jahr, in dem Schumann gerichtlich die Ehe mit Clara erstritt und die Ehrendoktorwürde der Universität Jena erhielt. Weltschmerz und Poesie der Verklärung finden sich hier in vielfältiger, fein gewobener, Vernetzung von Begleitung und Melodie. Berühmtestes Beispiel ist Mondnacht mit dem  „Horizont-Kuss“ der großen Sekunde. Noacks Baritontimbre passt hervorragend zu Schumanns schillernder Melancholie. Und Manuel Lange ist ein wunderbarer Begleiter, der mitgeht und gestaltet ohne die großen Linien der Lieder aus dem Auge zu verlieren. Wie sehr große Liedgestaltung ganz aus dem ebenbürtigen Zusammenwachsen von Sänger und Begleiter entsteht, war hier eindrücklich mitzuerleben.

Als Zugabe beglückten die beiden das Publikum mit einer weiteren, humorvoll spöttischen Eichendorff-Vertonung Hugo Wolfs.



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Manuel Lange, Klavier

Sebastian Noack, Bariton
      




Hugo Wolf,
Ausgewählte Lieder nach
Texten von Joseph von Eichendorff

Die Nacht
Verschwiegene Liebe
Nachtzauber
Nachruf


Aribert Reimann,
Tri poemi di Michelangelo

Hugo Wolf,
Drei Gedichte von Michelangelo

Robert Schumann,
Liederkreis op. 39






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