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Musikfestspiele
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Klangvokal
Musikfestival Dortmund
16.05.2012 - 03.06.2012

Juditha triumphans

Oratorium in zwei Akten
Libretto von Giacomo Cassetti
Musik von Antonio Vivaldi

in lateinischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 35' (eine Pause)

Konzertante Aufführung in der St. Reinoldikirche in Dortmund  am 3. Juni 2012

 

 

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Fulminantes Abschlusskonzert des Festivals

Von Thomas Molke / Fotos von Fatna-El Yassamina Aboulwafi (© Aboulwafi)

Nachdem das diesjährige Klangvokal Musikfestival in Dortmund mit dem Oratorium Israel in Egypt in der St. Reinoldikirche eröffnet worden ist, widmet sich auch das Abschlusskonzert an gleicher Stelle einem alttestamentarischen Stoff in Oratorienform. Die Wahl ist auf Vivaldis einziges erhaltenes Oratorium Juditha triumphans gefallen, das die Geschichte aus dem Buch Judith des Alten Testamentes erzählt. Komponiert hat Vivaldi dieses Werk um 1716, als er Orchester- und Chorleiter am Ospedale della Pietà in Venedig war, einem Waisenhaus für Mädchen und junge Frauen, das seinen Schützlingen eine musikalische Ausbildung auf extrem hohem Niveau zukommen ließ. Mit öffentlichen Konzerten und Messen konnte man sich so die soziale Unterstützung in Form von Spenden sichern. Da im Ospedale nur Mädchen und junge Frauen als Solistinnen auftreten konnten, verwundert es nicht, dass die Solopartien durchweg für Frauen konzipiert sind. Die Chorstücke enthalten allerdings die übliche Stimmverteilung mit Sopran, Alt, Tenor und Bass, so dass im Sinfonischen Chor der Chorakademie Dortmund auch die männlichen Vertreter beim Konzert zum Einsatz kommen.

Die Geschichte spielt zur Zeit des babylonischen Königs Nebukadnezar, der ein Heer unter der Führung von Holofernes nach Judäa geschickt hat, um die Hebräer zur Zahlung ihrer Steuern zu zwingen. Um eine kriegerische Eskalation zu verhindern, begibt sich die schöne jüdische Witwe Juditha in das Feldlager des Holofernes, der von ihrer Schönheit hingerissen ist, und bittet um Frieden. Holofernes verspricht, ihre Wünsche zu erfüllen, und lädt sie ein, mit ihm zu speisen. Bei dem folgenden fürstlichen Bankett betrinkt sich Holofernes und schläft, vom Wein berauscht, ein. Juditha lässt sich daraufhin von ihrer Dienerin Abra mit Holofernes in seinem Schlafgemach einschließen und enthauptet den Feldherrn im Schlaf mit seinem eigenen Schwert. Anschließend preist sie Gott für die gelungene Tat und flieht mit Abra zurück zu ihrem Volk. Holofernes' Diener Vagaus ruft die Soldaten herbei, um die Hebräer anzugreifen, muss aber erkennen, dass das Heer ohne Holofernes führungslos ist. Die Hebräer feiern daraufhin die wiedergewonnene Freiheit.

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Von links: Mary-Ellen Nesi (Holofernes), Sonia Prina (Juditha) und Vivica Genaux (Vagaus)

Musikalisch hat man eine Riege von hochkarätigen Solistinnen engagiert, die das Festival zu einem fulminanten Abschluss bringen. Da ist zunächst einmal Sonia Prina in der Titelpartie zu nennen, die kurzfristig die Rolle der Juditha für die erkrankte Marina de Liso übernommen hat und am Tag zuvor noch bei den Händel-Festspielen in Halle (Saale) in der konzertanten Aufführung von Händels Oper Poro, Re dell' Indie als Erissena glänzte. Mit sehr warmem und in den Tiefen voluminösem Alt begeistert sie als Juditha in ihrer Auftrittsarie "Quo cum Patriae me ducit amore" mit sehr milden Tönen, wenn sie im Vertrauen auf Gott zum Lager der feindlichen Assyrer aufbricht. Verführerisch präsentiert sie sich, wenn sie in der Arie "Quanto magis generosa" an Holofernes' Güte appelliert. Gelungen ist hier auch das Violin-Solo von Alessandro Tampieri, dem Konzertmeister der Accademia Bizantina. Emotional bewegend gelingt ihr die Arie "Veni, veni, me sequere fida", in der sie ihre Dienerin Abra auffordert, ihr bei ihrem gefährlichen Vorhaben zu folgen und sich selbst mit einer Taube vergleicht, die lautmalerisch durch eine Piccolo-Flöte umgesetzt wird. Auch ihre Arien "Transit aetas", in der sie die Vergänglichkeit des Lebens besingt, und "Vivat in pace, et pax regnet sincera", in der sie den Frieden für ihre Heimat herbeisehnt, werden von Solo-Instrumenten, der Mandoline im ersten Fall und einem Violin-Trio im zweiten Fall, musikalisch abwechslungsreich unterstützt.

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Von links: Alessandra Visentin (Ozias), Yetzabel Arias Fernandez (Abra), Ottavio Dantone (Dirigent), Sonia Prina (Juditha), Vivica Genaux (Vagaus) und Mary-Ellen Nesi (Holofernes) mit der Accademia Bizantina im Hintergrund

Mary-Ellen Nesi präsentiert mit einem wohl-timbriertem und in den Koloraturen beweglichem Mezzo den Feldherrn Holofernes, der sich zwar zu Beginn mit seiner Arie "Nil arma, nil bella" äußerst kriegerisch zeigt, später allerdings in seiner Arie "Nox obscura tenebrosa" im zweiten Akt, in der er Judithas Schönheit besingt, recht milde Züge annimmt, so dass der Zuhörer Mitleid mit seinem grausamen Tod empfindet. Ein regelrechter Genuss ist Vivica Genaux, die die koloraturgespickten Arien von Holofernes' Diener Vagaus mit zahlreichen Verzierungen versieht. Schon ihre erste Arie "Matrona inimica", in der sie ihrem Herrn die Ankunft Judithas verkündet, lässt das Publikum nur mit Mühe den Drang zum Applaus unterdrücken, der vielleicht mit Rücksicht auf den Ort der Aufführung und die Gattung lediglich am Ende der einzelnen Akte erfolgt. Weitere Höhepunkte sind auch ihre Arien "Quamvis ferro et ense gravis", in der Vagaus Juditha Erfolg bei Holofernes verspricht, und ihre Rachearie "Armatae face, et anguibus", in der er nach der Ermordung des Holofernes zur Rache an den Hebräern aufruft. Mit welcher Leichtigkeit Genaux die Koloraturen perlen lässt, ist schier beeindruckend.

Auch Yetzabel Arias Fernandez begeistert mit hellem Sopran als Judithas Dienerin Abra. Alessandra Visentin stattet den Hohepriester Ozias mit weichem Alt aus. Der Sinfonische Chor der Chorakademie Dortmund unter der Leitung von Joachim Gerbens ergänzt die Solistinnen mit homogenem Klang und überzeugt sowohl in der Rolle als kriegerische Assyrer als auch als Chor der unterdrückten Hebräer. Die Accademia Bizantina fächert unter der Leitung von Ottavio Dantone, der die Rezitative auch am Cembalo begleitet, die vielschichtige Partitur differenziert auf und erzeugt mit einigen ungewöhnlichen Instrumenten abwechslungsreiche Barockklänge. Unterstützt wird der Klang auch noch durch die hervorragende Akustik in der St. Reinoldikirche, so dass es am Ende frenetischen Applaus für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Das diesjährige Klangvokal Musikfestival endet mit einem Paukenschlag und motiviert dazu, auch im nächsten Jahr wieder den Weg zu den zahlreichen Veranstaltungen nach Dortmund zu finden.

Weitere Rezensionen zum Klangvokal Festival Dortmund 2012.

 

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Ottavio Dantone

Chorleitung
Joachim Gerbens



Sinfonischer Chor
der Chorakademie Dortmund

Accademia Bizantina

Solisten

Juditha
Sonia Prina

Vagaus
Vivica Genaux

Holofernes
Mary-Ellen Nesi

Abra
Yetzabel Arias Fernandez

Ozias
Alessandra Visentin

 

Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Klangvokal Dortmund
(Homepage)



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