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Musikfestspiele
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Bayreuther Festspiele 2012

Tristan und Isolde

Handlung in drei Aufzügen
Text und Musik von Richard Wagner


In deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 6 h Stunden 15' (zwei Pausen)

Premiere im Festspielhaus Bayreuth am 25.7.2005
(Rezensierte Aufführung: 14.8.2012 – 4. Aufführung)


Bayreuther Festspiele 2011 / Übersicht

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Gezügelte Gefühle

Von Meike Nordmeyer, Fotos: © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath


Es geht immer weiter abwärts. An der Inszenierung von Tristan und Isolde beeindruckt vor allem das Bühnenbild von Anna Viebrock. Die Handlung beginnt in einem mit dunklem Holz getäfelten Raum, der mit verschiedenen Sitzmöbeln vollgestellt ist. Zum zweiten Aufzug schieben sich die Wände ein Stück nach oben. Die Holztäfelung bleibt als obere Schicht sichtbar. Weiter geht es nun in einem leeren Raum mit hellgelbem Teppich und frostiger Atmosphäre. Zum dritten Akt die gleiche Methode: Die Wände schieben sich nach oben, und die Geschichte geht somit eine Etage tiefer weiter. Sie ist nun im Keller einer Klinik angelangt. Schicht für Schicht bleiben die vorherigen Orte der Handlung sichtbar wie die Jahresringe von Bäumen. Diese einfache wie wirkungsvolle Idee für das Bühnenbild überzeugt bei jedem Wiedersehen der Produktion aufs Neue.


Vergrößerung in neuem Fenster Folgenschwer: Brangäne (Michelle Breedt) überreicht Isolde (Iréne Theorin) den Trank.

Zum letzten Mal steht die Inszenierung von Christoph Marthaler in diesem Jahr auf dem Programm der Bayreuther Festspiele. Ihre Premiere feierte sie im Sommer 2005. Die Personenführung hat der Regisseur stark reduziert gehalten. Tristan und Isolde schauen sich nur selten an und berühren sich kaum. Sie bleiben beherrscht. Das Höchste der Gefühle ist der Moment, in dem Tristan seinen Kopf in den Schoß von Isolde legt, während sie sich die Handschuhe auszieht und die Jacke ihres Kostüms aufknöpft. Die große Emotion stellt sich nicht ein, weil sie nicht sein darf. Allein in der Musik ist die Leidenschaft zu hören. Deutlich sichtbar bleibt hingegen die Distanz zwischen den Liebenden. Das irritiert an der Inszenierung und macht sie zunächst interessant. Doch auf Dauer sorgt es auch für Stillstand und gepflegte Langeweile auf der Bühne.

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Im Wartesaal der Gefühle: Isolde (Iréne Theorin) und Brangäne (Michelle Breedt).

Im ersten Aufzug gelingt der Auftritt von Isolde und Brangäne sowohl gesanglich als auch darstellerisch intensiv. Michelle Breedt singt die Brangäne mit warmer, ausgewogener Mezzo-Stimme. Iréne Theorin erklingt als Isolde mit kräftigem und glänzendem Sopran. Nur gelegentlich sind bei ihr kleinere Ungenauigkeiten bezüglich der Intonation zu bemerken. Äußerst zurückhaltend bleibt Isoldes erste Begegnung mit Tristan. Robert Dean Smith, der schon seit der Premiere der Produktion die Titelpartie innehat, führt seine Tenorstimme sehr geschmeidig und kultiviert. Auffallend gemessen bleibt sein Ton allerdings auch nach dem verhängnisvollen Schluck von dem Trank. Von glühender Leidenschaft ist da nur wenig zu hören.


Vergrößerung in neuem Fenster Das Höchste der Gefühle: Tristan (Robert Dean Smith) lehnt sich an Isolde (Iréne Theorin) und sie entledigt sich ihrer Handschuhe.

Das bleibt auch im zweiten Aufzug so. Klangschön und sehr genau singt das Liebespaar zusammen. Dean Smith wird jedoch von der Stimmkraft der Sopranistin überstrahlt. Mitunter stößt das Volumen des Tenors an seine Grenzen. Allerdings überzeugt er mit deutlicher Diktion, was die Sopranistin gänzlich vermissen lässt. Kwangchul Youn gestaltet den Part von König Marke sehr eindringlich, Jukka Rasilainen verkörpert den Kurwenal mit kerniger, kräftiger Stimme. Auch in den kleineren Partien erbringen Ralf Lukas (Melot), Clemens Bieber (Junger Seemann), Martin Snell (Steuermann) und später auch Arnold Bezuyen (Ein Hirt) gute Leistung.

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Die Wunde schmerzt - Tristan (Robert Dean Smith) wartet noch immer auf Isolde. Kurwenal (Jukka Rasilainen) steht ihm zur Seite.

Im dritten Aufzug gibt es dann doch noch was von Leidenschaft und brennendem Schmerz zu hören. Jetzt legt Tenor Dean Smith sich noch einmal richtig ins Zeug und erweist enorme Stimmkraft. Er scheint sich ein wenig aufgespart zu haben und kann nun mit seiner sängerischen Leistung voll überzeugen. Trotz der ausgeprägten Gefühlskälte der Inszenierung gelingt dem gesamten Ensemble stimmlich ein bewegender letzter Aufzug.

Souverän führt Dirigent Peter Schneider das bestens disponierte Festspiel-Orchester. Facettenreich und plastisch entfaltet er die Partitur und zeichnet dabei auch die großen Bögen. Ausnehmend fein erklingen die Holzbläser. Das Orchester musiziert streckenweise sehr aufmerksam mit den Solisten zusammen. Nur gelegentlich werden sie von aufbrausender Klangfülle überdeckt. Gewohnt gute Leistung bietet auch der Festspielchor mit seinem minimalen Einsatz.

Die gehaltvolle musikalische Ausführung kommt gegen die Strenge der Inszenierung an. Dennoch scheint die Regie den Sängern nicht nur darstellerisch, sondern auch stimmlich die Zügel anzulegen. Der Vorteil besteht bestenfalls darin, dass die Inszenierung genauer hinhören lässt. Da ist nur wenig, was ablenken könnte, wenn diese einzigartige Musik von den großen Gefühlen erzählt und von dem unheilbaren Schmerz einer Liebe, die nicht sein darf.


FAZIT
Musikalisch findet die Produktion auch in diesem Jahr wieder eine sehr gelungene Umsetzung. An der Inszenierung überzeugt vor allem das Bühnenbild, die Personenführung ist äußerst spröde geraten.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Peter Schneider

Regie
Christoph Marthaler

Szenische Leitung der Wiederaufnahme
Anna-Sophie Mahler

Bühnenbild und Kostüme
Anna Viebrock

Chorleitung
Eberhard Friedrich

Dramaturgie
Malte Ubenauf



Chor und Statisterie der
Bayreuther Festspiele

Orchester der
Bayreuther Festspiele




Solisten

Tristan
Robert Dean Smith

König Marke
Kwangchul Youn

Isolde
Iréne Theorin

Kurwenal
Jukka Rasilainen

Melot
Ralf Lukas

Brangäne
Michelle Bredt

Junger Seemann
Clemens Bieber

Ein Hirt
Arnold Bezuyen

Ein Steuermann
Martin Snell


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