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Musikfest Berlin 2012

St. Louis Symphony Orchestra
Christian Tetzlaff, Violine
David Robertson, Leitung


Werke von Carter, Beethoven, Schönberg und Gershwin


5. September 2012 in der Philharmonie

Berliner Festspiele
Musikfest Berlin

(Homepage)  

Aus dem Herzen Amerikas

Von Christoph Wurzel

Auch wenn das Publikum längst schon den Saal betreten hat, nutzt das Orchester geschäftig jede freie Minute um sich einzuspielen. Ziemlich kakophon und ziemlich laut, dass einem die Ohren zufallen. Erst nachdem der Kammerton gefunden ist, tritt Ruhe ein. Wie ein Wahlkämpfer die Arena betritt der Dirigent den Saal, sprintet aufs Podium. Angespannte Stille, dann beginnt mit einem Tusch das Feuerwerk von Carters Festtags-Ouvertüre. Leger, sportiv und flott geht das Konzert an den Start. Mitten aus dem Herzen Amerikas, aus St. Louis/Missouri kommt das zweitälteste Sinfonieorchester der Vereinigten Staaten. Man merkt es bald: Was bisher nur als Oberfläche erschien, entpuppt sich als zupackende Frische, unangestrengte Leichtigkeit und souveräne Stilsicherheit. Das Orchester hat ein Programm mitgebracht, das höchste Ansprüche stellt und es erfüllt sie mit Bravour. Zwei Werke aus der Mitte der europäischen Musik werden eingerahmt von zweien, die ganz amerikanisch sind.

Ganz aus amerikanischem Herzen entsprang im August 1944 dem damals 36jährigen Elliott Carter wohl jene Stimmung, die ihn zu seiner Holiday Overture bewegte, ein Stück, das von Optimismus und Eroberungsgeist gerade nur so sprüht. Die alliierten Truppen hatten gerade Paris von deutscher Besetzung befreit. Carter setzte diesem Ereignis in seinem Urlaub am Strand von Long Island kein pathetisches Denkmal, sondern komponierte neun Minuten quirlige, effektsicher instrumentierte Musik in geistreicher Kontrapunktik und schwungvollen Rhythmen, quasi im leichten Freizeitlook. Die Gäste aus Amerika hätten kein wirksameres Stück als Einstieg wählen können. Mit ihrer zupackenden Interpretation gewannen sie das Publikum im Sturm für sich.

Was war nun für Beethoven zu erwarten? Zupackend legte das Orchester in der Einleitung ein zügiges Tempo vor, klar phrasiert, schön im Ton, sensibel abgestuft und homogen im Klang. David Robertson hatte sein Orchester tadellos im Griff und es spielte Beethoven ganz entschlackt, unromantisch, ohne Grübelei. Aus gleichem Geist nahm Christian Tetzlaff den Solopart mit konzentrierter Spannung auf und ziseliertem Ton. Schön dass er jene Kadenz wählte, die Beethoven für die Klavierfassung des Konzerts komponiert hatte. Zu dem Paukenmotiv des Anfangs hört man in der Violine ein paar Takte lang einen Anklang an ein Landsknechtlied, ein Reflex aus der Entstehungszeit des Konzertes 1806, als französische Truppen Wien besetzten und zugleich in diesem Programm auch eine denkwürdige Parallele zum Anlass für Carters Ouvertüre. Hochsensibel kam dann der 2. Satz und variantenreich das Abschlussrondo. Eine faszinierende Interpretation ganz aus dem Geist der Musik entwickelt und hingebungsvoll von allen musiziert.

Klang und Stimmung bestimmen Schönbergs 5 Orchesterstücke von 1909, seinen Einstieg in die freie Atonalität. Zu einem Triumph der Klangfarben machte David Robertson diese expressionistischen Miniaturen, deren Klangschichtungen sich zu einem transparenten Gewebe fügten, und zu einem Fest des Wohlklangs machte sie das Orchester mit seinen exzellenten Solostimmen. Diese waren dann auch gefragt beim letzten Stück Ein Amerikaner in Paris.  Mit dieser Sinfonie aus Jazz und Boulevard, Blues und Promenade rundete sich das Programm so amerikanisch, wie es begonnen hatte. Hier stimmte wirklich alles: Rhythmus, Timing, Blue Notes, Groove paarten sich mit  symphonisch höchster Spielkultur zu sinnlich musikantischem Vergnügen.
Großer Jubel für die Gäste.

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Das Programm



Elliott Carter
Holiday Overture

Ludwig van Beethoven
Konzert für Violine und Orchester
D-Dur op. 16

Arnold Schönberg
Fünf Orchesterstücke op. 16

George Gershwin

An American in Paris

Christian Tetzlaff, Violine
St. Louis Symphony Orchestra
David Robertson,

Dirigent






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Da capo al Fine

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