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Musikfest Berlin 2012

Nixon in China

Oper in drei Akten (konzertante Aufführung)
Text von Alice Goodman
Musik von John Adams


In englischer Sprache

Dauer:  3 ½  Stunden – zwei Pausen

10. September 2012 in der Philharmonie


Berliner Festspiele
Musikfest Berlin

(Homepage)  

Weltgeschichte in der Warteschleife

Von Christoph Wurzel  

Es ist schon ein ungewöhnlicher Opernstoff, dieser Staatsbesuch von 1972. Damals sollte das Eis zwischen zwei Staaten gebrochen werden, die sich über den Stellvertreterkrieg in Vietnam spinnefeind belauerten. Über clevere Ping-Pong-Diplomatie hatte Henry Kissinger den Besuch von Präsident Nixon beim kommunistischen Gegner eingefädelt. Nun sollten die Repräsentanten sich irgendwie verständigen. Wie kaum anders zu erwarten, waren die Ergebnisse dürftig. Daraus ließe sich vielleicht eine Studie über die inneren Zustände von Politikern machen, was sie so beim Regieren fühlen, denken und verschweigen, vor allem wenn es heikel wird. Das Libretto dieser Oper bleibt da jedoch nur an der Oberfläche. Zwei Akte lang werden vor allem die Ereignisse erzählt und im dritten Akt sentimentale Erinnerungen aus der Jugend ausgetauscht. Weiter Erhellendes bietet das Stück nicht. Der Plot bleibt ohne inhaltliche Tiefe.

John Adams Musik tut auch nicht viel mehr dazu, als hierfür die Dekoration zu liefern. Auf dem minimalistischen  Untergrund harmonisch und melodisch simpler Warteschleifen erzeugt eine effektvolle Instrumentation zwar virtuos immer den jeweils passenden Stimmungssound. Von all dem  Drive bleibt aber musikalisch substantiell  nicht viel hängen, außer einer Klangkulisse auf lautem Level, der vom Mischpult akkurat ausgesteuert wird. Für die musikalische Oberschicht bedient sich Adams fleißig aus der Kiste der Ausdrucksmöglichkeiten zwischen Puccini und Strauss, eifrig amalgamiert er ebenso die Idiome der revolutionären Pekingoper wie amerikanischer Unterhaltungsmusik. An einer Stelle ergeben die Dauerrepetitionen sogar richtig Sinn, wenn nämlich zu den hohlen Phrasen der Politiker beim Staatsbankett vom Keyboard aus nur leeres Geklingel ertönt. Bisweilen will die Musik auch naturalistisch wirken. So landet  die  Präsidentenmaschine unter dem instrumentalen Getöse des ganzen Orchesters. Ansonsten zeichnen musikalische Floskeln und Klischees die Figuren: eine sentimentale Arie die Präsidentengattin Pat Nixon und gleich eine ganze Revolutionsszene mit Chor die Frau Mao Zedongs. Als Philosoph und Dichter, wie der Parteichef Mao sich auch sah, hält er langatmige Monologe, während Henry Kissinger, der eigentliche Drahtzieher dieser ganzen Staatsaktion, sich auf ein paar tieftönende Sätze zu beschränken hat. Unerfindlich, ob es surrealistische Bedeutung hat oder nur aus Gründen der Auslastung geschieht, obliegt der Rolle Kissingers zugleich auch die Partie des Ausbeuters in der Pekingoper-Szene, die den Nixons die revolutionäre Geschichte Chinas vor Augen führen soll.

Glücklich war die Entscheidung, die konzertante Aufführung mit prägnanter Gestik der Solisten anzureichern. Sonst wären die Figuren noch blutleerer geblieben. Die Regie von Murray Hipkin sorgte für Unterhaltungswert und schuf ironische Distanz zum teilweise kruden Text. Seinem Vorbild kam Robert Orth in der Nixon-Rolle mit breitem Grinsen und schlaksiger Haltung mit täuschender Ähnlichkeit nahe.   Als die „Frau hinter ihm“ gab Jessica Rivera fast die Karikatur einer amerikanischen First Lady. Emphatisch revolutionär sang Kathleen Kim brillant die fanatische Mao-Gattin und Gerald Finley zeigte einen reflektierten, zurückhaltend bleibenden Zchou En-lai. Alan Oke war ein Mao mit zynischen Zügen. Und in der Doppelrolle als Kissinger und Lao Szu zeigte sich James Rutherford stimmlich auf höchstem Niveau. Ein paar Regieeinfälle lockerten auch die ostinaten Chorpartien auf. Chor und Orchester meisterten die  monotonen Rhythmen äußerst präzise. Der Komponist stand immerhin selbst am Pult dieser Berliner Erstaufführung seiner Erfolgsoper und konnte sich (im allerdings längst nicht vollbesetzten Haus)  auch hier großer Zustimmung erfreuen.

Fazit

Ein Beitrag zum Schwerpunktthema „Amerika“, der zwiespältige Eindrücke hinterlässt. In der Nähe von Charles Ives oder Morton Feldman nimmt sich diese Musik doch recht banal aus. Auch im Vergleich zu Gershwin oder Bernstein wirkt sie konventionell und wie von der Stange. Aber die Darbietung wirkte perfekt und gestylt. Alles in allem jedenfalls eine gute Show.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
John Adams

Assistant Conductor
Murray Hipkin

Klangregie

Mark Grey

Stage Director
Paul Curran

Choreinstudierung
Matthew Morley


BBC Singers

BBC Symphony Orchestra

 

Solisten

Richard Nixon, Präsident der USA

Robert Orth

Pat Nixon, seine Frau
Jessica Rivera

Zhou Enlai, chinesischer Premierminister

Gerald Finley

Mao Zedong, Parteivorsitzender
Alan Oke

Henry Kissinger, Nixons Berater /
Lao Szu, Großgrundbesitzer in der „Pekingoper“

James Rutherford

Chiang Ch’ing, Maos Frau
Kathleen Kim

Nancy T’sang, erste Sekretärin Maos
Stephanie Marshall

Zweite Sekretärin Maos
Louise Pool

Dritte Sekretärin Maos

Susan Platts

 


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