33. Aschaffenburger Gitarrentage, 11.02. bis 18.03.2012/ Online Musik Magazin
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Aschaffenburger Gitarrentage
11.02.-18.03.2012
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Aschaffenburger Gitarrentage

(Homepage)

Paul O'Dette zu Gast bei den Aschaffenburger Gitarrentagen

Italienische Lautenmusik der Renaissance im Schloss Johannisburg

Von Ingo Negwer

Der US-amerikalische Lautenist Paul O'Dette gehört zweifellos zu den Stars seiner Zunft. Alleine die Anzahl seiner Solo-CDs - viele davon mit renommierten Preisen dekoriert - ist beeindruckend, seine Gesamteinspielung der Lautenmusik von John Dowland hat Maßstäbe gesetzt. Am 10. März war Paul O'Dette nun bei den Aschaffenburger Gitarrentagen live zu erleben. Im ehrwürdigen Schloss Johannisburg präsentierte er unter dem Motto "Orpheus mit seiner Laute" italienische Musik der Renaissance.

Joan Ambrosio Dalzas Pavana alla venetiana samt Saltarello und Piva spielend, schritt Paul O'Dette durch die bis auf den letzten Platz gefüllten Reihen zur Bühne vor dem mächtigen Kamin des Zunftsaals. Nach diesem schwungvollen Beginn setzte er das Programm mit Kompositionen von Alberto Ripa da Mantova, dem hoch angesehenen und ebenso reich entlohnten Hoflautenisten des französischen Königs Franz I., fort. In seinen Fantasien und Arrangements von Vokalmusik pflegt Albert de Rippe - wie er in seiner Wahlheimat genannt wurde - eine klangvolle Musiksprache ohne vordergründige Virtuosität, aber mit einer außergewöhnlich expressiven Harmonik. Paul O'Dette gestaltete diese anspruchsvolle Musik mit großer Farbigkeit und differenzierter Dynamik.

Vergrößerung in neuem Fenster Paul O'Dette im Zunftsaal des Aschaffenburger Schlosses
(Foto: Ingo Negwer)

Ein Zeitgenosse Alberto da Ripas war Marco dall'Aquila. Leider wissen wir nur sehr wenig über das Leben dieses bedeutenden Lautenisten. In seinem weitgehend handschriftlich überlieferten Oeuvre finden wir erstmals jene typischen Elemente, die die Lautenmusik bis weit in die Barockzeit prägen sollten. Sowohl im ersten Teil seines Aschaffenburger Konzerts als auch nach der Pause stellte Paul O'Dette Ricercari, Tänze und Vokalarrangements von Marco dall'Aquila vor. Ein weiterer Vertreter der italienischen Lautenschule, die laut O'Dette den "absoluten Höhepunkt der Instrumentalmusik in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts" darstellte, war Pietro Paolo Borrono, der im Zunftsaal mit einer Fantasie und einer Auswahl höchst virtuoser Tänze zu Gehör kam.

Der angesichts einer Fülle einzigartiger Solowerke herausragende Lautenist seiner Zeit war sicherlich Francesco da Milano. Schon von seinen Zeitgenossen wurde er "il Divino" - der Göttliche - genannt. Das Spektrum der Stücke, die Paul O'Dette von diesem genialen Meister ausgewählt hatte, reichte von der innigen Religiosität des "O bone Jesu" (nach Antonio de Ribera) bis hin zum virtuosen kontrapunktischen Spiel der Fantasien Nr. 28 und 33. Mit geradezu überschäumender Spielfreude, basierend auf einer überragenden technischen Souveränität, setzte O'Dette mit der Fantasie Nr. 34 "La Compagna" den Schlusspunkt unter ein vom Publikum umjubeltes Konzert.

Paul O'Dette, der nicht nur durch sein Lautenspiel, sondern auch mit seiner sympathischen, nahezu akzentfreien Moderation umgehend die Sympathien der Zuhörer gewonnen hatte, bedankte sich mit zwei abschließenden Stücken von Marco dall'Aquila und Joan Ambrosio Dalza.

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