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Suche nach dem verlorenen Vater: Telemaco (David
DQ Lee)
Musikalisch konnte die Aufführung dagegen nicht vollständig
beglücken. Zwar war mit dem Freiburger Barockorchester ein
Spezialensemble für historische Aufführungspraxis engagiert,
Anu Tali lockte als Dirigentin jedoch zu wenig Farbe und
Plastizität aus dem Klang des bei anderen Gelegenheiten meist
brillant spielenden Orchesters heraus, ließ stattdessen ziemlich
unter Druck und Kraftanstrengung spielen. Gerade die empfindsamen
Facetten, die die Telemaco-Musik
schon in Reichweite des späten, klassizistischen Gluck
rücken, blieben blass und wirkungsschwach mit wenig musikalischer
Atmosphäre. Dem Chor des Theater Basel gelang dies am besten in
der großen Ombra-Szene des 1. Aktes, in der die in Bäume
verzauberten Gefährten des Odysseus ihre Not klagen; hier waren
sie als schwer hospitalisierte Gestalten gezeigt, gefangen in ihren
seelischen Traumata. FAZIT
Auch in diesem
Jahr hielt
sich das Schwetzinger Festival mit einer Opernuraufführung (Bluthaus von Georg Friedrich Haas)
und dieser Ausgrabung der vergessenen Gluck-Oper an sein bewährtes
Konzept, Neues mit Altem zu verbinden. Trotz der kurzweiligen
Inszenierung kann man zwar die Wiederentdeckung dieser 34. Oper von
Gluck begrüßen, aber noch nicht von einer großen
Überraschung sprechen. Diese Produktion geht noch nach Basel (ab
9. Juni) und Nürnberg (24. Juli). In der kommenden Spielzeit wird
es mit einer neuen Produktion am Theater an der Wien einen zweiten
Anlauf geben, mit Torsten Fischer am Regie- und René Jacobs am
Dirigentenpult. Dann wird Weiteres zu berichten sein. Musikalische Leitung Inszenierung Bühnenbild und
Kostüme Licht Dramaturgie Solisten Circe / Penelope Agneta
Eichenholz Ulisse Tomasz
Zagorski Telemaco David
DQ Lee Asteria Maya
Boog Merione Solenn’
Lavanant-Linke Oracolo Weitere
Informationen
Telemaco, ossia L’isola di Circe
Dramma per musica in zwei Akten
Musik von Christoph
Willibald Gluck
Text von Marco Coltellini
Dauer: 2 ¾ Stunden – eine Pause
Besuchte (3.) Aufführung am 24. Mai 2011

Schwetzinger
SWR Festspiele
Der wilde Dschungel hinter dem biederen Heim
Von Christoph Wurzel
/
Fotos von Monika Rittershaus
Warten auf die Krieger: Agneta Eichenholz als Penelope
(alias Circe) mit Gefährtinnen (Chor)

Unter den Sängern überzeugte mit
wandelbarer, warmer Stimme uneingeschränkt Maya Boog als hingebungsvoll liebende Asteria. In
der Rolle der Circe, die musikalisch noch tief in der traditionellen
opera seria steckt, zeigte Agneta Eichenholz mit funkelnden Koloraturen
große sängerische Virtuosität, blieb leider nur etwas
scharf in den Spitzentönen. Der kanadisch-koreanische Counter
David DQ Lee legte die Titelrolle nicht unpassend zwiespältig an,
mit strahlender, bisweilen überbordender Stimme und schwankend
zwischen Weinerlichkeit und Entschlossenheit. Ziemlich
hemdsärmelig gab sich Tomasz Zagorski als Ulisse, auch stimmlich
recht eindimensional. Als Merione, dem aus seltsamen Gründen auf
die Insel verschlagenen Abkömmling Idomeneos, wirkte
darstellerisch enorm präsent und gesanglich schön die junge
Solenn’ Lavanant-Linke mit, von der Regie in die Rolle einer modernen
Amazone gesteckt.
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Produktionsteam
Anu
Tali
Tobias
Kratzer
Rainer
Sellmaier
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Schwetzinger SWR Festspiele
(Homepage)
Die Aufführung wird am
23. Juli 2011 bei 3sat zu sehen sein.
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© 2011 - Online Musik Magazin
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E-Mail: oper@omm.de
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