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Musikfestspiele
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Pfingstfestspiele 2011

Idomeneo

Dramma per musica in tre atti
von Wolfgang Amadeus Mozart
Text von Giambattista Varesco nach dem Libretto von Antoine Dachte
für André Campras Oper „Idoménée“ (1712)

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Dauer: 3 ¼   Stunden – eine Pause
Konzertante Aufführung am 9. Juni 2011




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Festspielhaus Baden-Baden
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Das Meisterwerk erstrahlt

Von Christoph Wurzel / Foto: Jochen Klenk

Mit konzertanten Opernaufführungen ist das so eine Sache. Die Oper verlangt eben nach der Szene, oftmals erscheinen daher konzertante Aufführungen lediglich als Notbehelfe. Allerdings ziehen manche das bloße Konzert einer unbefriedigenden, gar ärgerlichen Inszenierung vor. Im Fall des Baden-Badener Idomeneo geriet die konzertante Form geradezu zum Glücksfall, denn was man an szenischen Bildern eventuell hätte vermissen können, erwuchs hier allein aus der Imaginationskraft der Musik.

Mit Idomeneo - zwei Tage nach seinem 25. Geburtstag in München uraufgeführt - haben wir es hörbar mit dem ersten großen Höhepunkt in Mozarts Opernschaffen zu tun. Ist die Oper vom Libretto her auch noch in der traditionellen opera seria verhaftet, so sind in ihrem ganzen Sturm und Drang die musikalischen Farben nicht  allein nur außerordentlich frisch und leuchtend und die Affekte tief und heftig, sondern hier blüht bereits Mozarts Meisterschaft in der psychologischen Durchdringung von Personen und Handlung auf, seine Art der individuellen musikalischen Zeichnung, die seinen ersten Biografen Niemeczek zu dem bewundernden Ausspruch brachte:“ Wahrlich, diese Musik spricht!“ Oder wie es Wolfgang Schreiber ausdrückt: “Das Drama ist verinnerlicht, es findet in der Musik selbst statt.“ Ein Glücksfall also, wenn eine Aufführung dieses Diktum erfüllte. Hengelbrock, den Balthasar-Neumann-Ensembles und den vortrefflichen Solisten ist eben dieses mit dieser Aufführung gelungen.

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Das Fehlen der Szene war insofern hier ein Vorzug, weil Hengelbrock das Timing der musikalischen Phrasierung ohne jede Einschränkung höchst sensibel steuern, die Klangrede somit auf den sprichwörtlichen Punkt bringen konnte. Feinste Nuancen wurden gesetzt, Facetten in Mozarts genialer Partitur wurden ausgehört, es gelang eine Klarheit  im Orchesterklang, die so aus einem Graben selten zu hören ist. Zwei Beispiele: wie Hengelbrock die schwarzen, Unglück verheißenden musikalischen Schatten, die tiefen Untergründe („“...sono innocente m’accenerà“) in Idomeneos Auftrittsarie  „Vedrommi intorno“ plastisch machte oder den tiefen melodischen Sturz („Greca!“) in Ilias Arie „Padre, germani, addio“ aus dem 1. Akt schärfte, in welcher die trojanische Königstochter, die es als Gefangene in griechisches Feindesland verschlagen hat, ihr Schicksal beklagt.

Und das Ensemble trug seinen Teil zu diesem überreich glücklichen Gelingen bei. Steve Davislim als Idomeneo faszinierte mit makellos geführtem Tenor, elegant in der Linienführung, mit mühelos strahlender, wohlklingender Höhe und gestochenen Koloraturen. Allein etwas mehr Emphase hätte man sich wünschen können. Die Partien der Ilia und des Idamante waren charakterlich treffend besetzt: Camilla Tilling als hochemotionale griechische Königstochter mit wandlungsfähiger, farbenreicher stimmlicher Präsens und in der Hosenrolle des kretischen Königssohns die äußerst nobel singende Christina Daletska. Ihre Rollengestaltung zeichnete einen empfindsamen Königssohn. Schließlich die Elektra der georgischen Sopranistin Tamar Iveri, eine Rolle mit der größten Amplitude zwischen lyrischem und dramatischem Ausdruck. Die Sängerin verengte diese enttäuschte Liebende nicht allein auf die Furie, sondern ließ weiche, warme Gefühle stimmlich glaubwürdig durchscheinen.

Der  Balthasar-Neumann-Chor konnte in den zahlreichen Chorpassagen seine Klasse als flexibles Ensemble prächtig unter Beweis stellen. Und das Orchester war im Ensemble und in den solistischen Partien (Bläser !) hoch gespannt bei der Sache, großartig präzise und herrlich im Klang.



FAZIT


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Thomas Hengelbrock


Balthasar-Neumann-Chor

Balthasar-Neumann-Ensemble


 

Solisten


Idomeneo
Steve Davislim

Idamante
Christina Daletska

Ilia
Camilla Tilling

Elektra
Tamar Iveri

Arbace
Virgil Hartinger

Oberpriester des Poseidon
Dominik Wortig

Die Stimme
Marek Rzepka



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Festspielhaus Baden-Baden
(Homepage)




Da capo al Fine

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