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Veranstaltungen & Kritiken Musikfestspiele |
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Das Meisterwerk erstrahltVon Christoph Wurzel / Foto: Jochen Klenk Mit
konzertanten Opernaufführungen ist das so eine Sache. Die Oper verlangt
eben nach der Szene, oftmals erscheinen daher konzertante Aufführungen
lediglich als Notbehelfe. Allerdings ziehen manche das bloße Konzert
einer unbefriedigenden, gar ärgerlichen Inszenierung vor. Im Fall des
Baden-Badener Idomeneo geriet
die konzertante Form geradezu zum Glücksfall, denn was man an
szenischen Bildern eventuell hätte vermissen können, erwuchs hier
allein aus der Imaginationskraft der Musik. Mit
Idomeneo - zwei Tage
nach seinem 25. Geburtstag in München uraufgeführt - haben wir es hörbar mit dem ersten großen
Höhepunkt in Mozarts Opernschaffen zu tun. Ist die Oper vom Libretto
her auch noch in der traditionellen opera seria verhaftet, so sind in
ihrem ganzen Sturm und Drang die musikalischen Farben nicht
allein nur außerordentlich frisch und leuchtend und die Affekte tief
und heftig, sondern hier blüht bereits Mozarts Meisterschaft in der
psychologischen Durchdringung von Personen und Handlung auf, seine Art
der individuellen musikalischen Zeichnung, die seinen ersten Biografen
Niemeczek zu dem bewundernden Ausspruch brachte:“ Wahrlich, diese Musik
spricht!“ Oder wie es Wolfgang Schreiber ausdrückt: “Das Drama ist
verinnerlicht, es findet in der Musik selbst statt.“ Ein Glücksfall
also, wenn eine Aufführung dieses Diktum erfüllte. Hengelbrock, den
Balthasar-Neumann-Ensembles und den vortrefflichen Solisten ist eben
dieses mit dieser Aufführung gelungen.
Das Fehlen der Szene war insofern hier ein Vorzug, weil Hengelbrock das
Timing der musikalischen Phrasierung ohne jede Einschränkung höchst
sensibel steuern, die Klangrede somit auf den sprichwörtlichen Punkt
bringen konnte. Feinste Nuancen wurden gesetzt, Facetten in Mozarts
genialer Partitur wurden ausgehört, es gelang eine Klarheit im
Orchesterklang, die so aus einem Graben selten zu hören ist. Zwei
Beispiele: wie Hengelbrock die schwarzen, Unglück verheißenden
musikalischen Schatten, die tiefen Untergründe („“...sono innocente
m’accenerà“) in Idomeneos Auftrittsarie „Vedrommi intorno“
plastisch machte oder den tiefen melodischen Sturz („Greca!“) in Ilias
Arie „Padre, germani, addio“ aus dem 1. Akt schärfte, in welcher die
trojanische Königstochter, die es als Gefangene in griechisches
Feindesland verschlagen hat, ihr Schicksal beklagt. Und das Ensemble trug seinen Teil zu diesem überreich glücklichen Gelingen bei. Steve Davislim als Idomeneo faszinierte mit makellos geführtem Tenor, elegant in der Linienführung, mit mühelos strahlender, wohlklingender Höhe und gestochenen Koloraturen. Allein etwas mehr Emphase hätte man sich wünschen können. Die Partien der Ilia und des Idamante waren charakterlich treffend besetzt: Camilla Tilling als hochemotionale griechische Königstochter mit wandlungsfähiger, farbenreicher stimmlicher Präsens und in der Hosenrolle des kretischen Königssohns die äußerst nobel singende Christina Daletska. Ihre Rollengestaltung zeichnete einen empfindsamen Königssohn. Schließlich die Elektra der georgischen Sopranistin Tamar Iveri, eine Rolle mit der größten Amplitude zwischen lyrischem und dramatischem Ausdruck. Die Sängerin verengte diese enttäuschte Liebende nicht allein auf die Furie, sondern ließ weiche, warme Gefühle stimmlich glaubwürdig durchscheinen. Der
Balthasar-Neumann-Chor
konnte in den zahlreichen Chorpassagen seine Klasse als flexibles
Ensemble prächtig unter Beweis stellen. Und das Orchester war im
Ensemble und in den solistischen Partien (Bläser !) hoch gespannt
bei der Sache, großartig präzise und herrlich im Klang.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungThomas Hengelbrock
SolistenIdomeneo Steve Davislim Idamante Christina Daletska Ilia Camilla Tilling Elektra Tamar Iveri Arbace Virgil Hartinger Oberpriester des Poseidon Dominik Wortig Die Stimme Marek Rzepka
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- Fine -