Ein Panzer ist ja nicht gerade ein sensibles Gerät und auch als Bühnendekoration nicht von der zierlichen Sorte, besonders dann, wenn eine Bühne so schmal ist wie die im Rokokotheater in Schwetzingen. Das Requisit droht da leicht zu dominieren. In der Ausstattung von Jürgen Bäckmann und der Regie von Günter Krämer ist gerade dies passiert. Sie stellen Händels Ezio als ein überwiegend martialisch bebildertes und aktionistisch aufgeheiztes Bühnenspektakel dar, in dem - mindestens optisch die Feinheiten verloren gehen.
Der Feldherr in der Wanne:
Yoesemeh Adjei als Ezio
Zwar geht es in dieser heute eher selten gespielten Oper in der Tat um eine düstere und grausame Handlung, in der der soeben siegreich aus dem Krieg heimgekehrte Feldherr Ezio und seine Geliebte Fulvia durch besonders gemeine Machenschaften seitens Kaiser und Hofgesellschaft arg gebeutelt werden, aber in dieser Schwetzinger Produktion werden die Handlungselemente doch in einem solchen Maße in die Vergröberung getrieben und verkommen teilweise zur bloßen Effekthascherei, dass einem schon bald die Lust am Zusehen vergeht. Wer inzwischen bestimmte Formen des Regietheaters zu hassen beginnt, bekommt hier Wasser auf seine Mühlen.
Beim Teufelstanz:
Hilke Anderson als Onoria und Witalij Kühne
als Alter-Ego des despotischen Kaisers
Vom Nelken Verteilen im Zuschauerraum bis zum Waterboarding werden alle Tricks der medialen Unterhaltungs- bzw. Schockwirkung von heute ausgereizt. Ein vierköpfiges Tänzerteam sorgt ausgiebig für Bewegungsspiele, der blutbeschmierte Protagonist landet im Waschzuber und natürlich werden auch wieder Wände vollgekritzelt Regieeinfälle, wie man sie inzwischen (allzu) oft auf Opernbühnen zu sehen bekommt. Der möglicherweise beabsichtigte kritische Hintersinn geht aber nicht auf, weil es nur aufgesetzte Gags bleiben.
Das Regieteam hat offenbar der Kraft der Musik misstraut, die selbst so starke Affekte evoziert, dass man sie nicht noch auf der Bühne verdoppeln müsste.
In den Fängen der Macht:
Netta Or als Fulvia und Statisten
So waren die Akteure zu Chargen degradiert und sangen leider weitgehend auch so. Rosa Bove gab einen zynisch despotischen Kaiser und übertrieb es gesanglich mit demonstrativ viriler Attitüde. Kurzatmig und schrill überzeichnete Netta Or die seelische Pein der Fulvia, ohne der Partie die Facetten wirklicher Emotionen abzugewinnen. Mit stupender Koloratursicherheit freilich konnte sie beeindrucken. Trotz teilweise schrillen Auftretens konnte dagegen Hilke Andersen als Onoria ihren samtenen Mezzo farbenreich verströmen. Sie war neben Yosemeh Adjei die Überzeugendste im Sängerensemble. Dem Sänger der Titelpartie war am meisten Körpereinsatz abverlangt, in sehr unbequemen Situationen hatte er Arien abzuliefern. Zwar bisweilen mit Druck, aber doch souveräner Virtuosität meisterte er die hohen Anforderungen der Rolle, wenn er auch an wenigen Stellen ins falsche Register rutschte. Als intriganter Massimo blieb Donát Havár zu blass und Marcell Bakonyi gab den Höfling Varo als belustigten Biedermann. Was bleib den Sängerinnen und Sängern auch anderes übrig angesichts solch eindimensionaler Anlage ihrer Rollen?
Der Verschwörer greift nach der Krone:
Donát Havár als Massimo und Rosa Bove als Valentiniano
Das kammerorchesterbasel lieferte einen kernigen, aggressiven Klanguntergrund - pointiert, aber nicht überzogen. Die Arien begleitenden Soli waren schön ausgearbeitet. Attilio Cremonesi schlug ein angespannt forsches Tempo an, unter ihrer emotionalen Spannung fieberte die Musik. Dies hätte wie gesagt einer adäquaten Szene bedurft, so standen die musikalischen Qualitäten des Orchesters allzu oft im Schatten der szenischen Übermacht.
Fazit
Wohl hörenswert. Aber man muss es nicht gesehen haben.
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Schwetzinger Festspiele 2009