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Salzburger Festspiele 2009

Theodora
Oratorium in drei Teilen, HWV 68
Text von Thomas Morell
nach The Martyrdom of Theodora and Didymus von Robert Boyle
Musik von Georg Friedrich Händel


Premiere im Grooßen Festspielhaus Salzburg am 25. Juli 2009
In englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 4 h 30' (zwei Pausen)


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Salzburger Festspiele
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Stühlerücken in Salzburg

Von Joachim Lange / Foto: Salzburger Festspiele / © Monika Rittershaus

Händel-Jubiläumsjahr hin und aktuelles Salzburger Festspielmotto „Das Spiel der Mächtigen“ her: Ausgerechnet mit einer szenischen Version des zwar altmeisterlich vollendeten, aber doch eher kontemplativ und dunkel gestimmten vorletzten Oratorium Händels aus dem Jahre 1750 die Salzburger Festspiele zu eröffnen, das erschließt sich nicht so ohne weiteres. Auch wenn Peter Sellars vor über dreizehn Jahren dem Glyndebourne-Festival ein spannendes szenisches Highlight beschert hatte, von dem das Stück und der Regisseur heute noch zehren. Doch wenn man den mittlerweile gängigen Versuch, Händels nicht ganz freiwilligen Wechsel von der Oper zum Oratorium quasi im Nachhinein zu korrigieren, mit dem Regisseur Christof Loy unternimmt, birgt das ein besonderes Risiko.


Vergrößerung in neuem Fenster

Christine Schäfer (Theodora), Bejun Mehta (Didymus)
© Monika Rittershaus

Der vielbeschäftige Regisseur ist nämlich seit geraumer Zeit dabei, der Oper das Theater auszutreiben. Mit der Attitüde eines sich altmeisterlich gebenden szenischen Purismus. Seine sonst fast schon übliche, karge Rückwand kommt im Großen Festspielhaus in Salzburg zwar als eine gigantische, halb verhängte Orgel daher, aber über die Hintergrundfunktion nicht hinaus. Für die szenische Deutung bleibt sie lediglich eine Behauptung.

Den Sängern im zeitlosen, gleichmachenden Konzertzivil bleiben da, wenn es hochkommt, ein Stuhl, ihre Auf- und Abgänge und sonst nicht viel mehr als ihr Charisma. Allerdings auch nicht weniger. Den Rest, der zum Theaterzauber fehlt, einfach in den Kopf des Zuschauers zu verweisen, mag nach neuer Ernsthaftigkeit klingen, verläuft sich aber bühnenpraktisch allzu schnell in der Unverbindlichkeit.

Dabei hat es durchaus potentiellen Interpretationswitz, dass die Titelheldin eine von römischer Willkür verfolgte Christin ist, die trotz heldenhaften Rettungsversuches ihres Glaubensbruders und Geliebten Didymus mit ihm zusammen auf der Strecke bleibt, nach dem sie vorher in endlosen Versicherungen der Liebe und des Opferwillens bei auf ihren gemeinsamen Tod hin singen.


Vergrößerung in neuem Fenster Christine Schäfer (Theodora)
© Monika Rittershaus

Zu zeigen, wie Macht eine Mehrheit korrumpiert, zum Vollstrecker von Willkür werden kann und dennoch die Liebe triumphiert, hatte Loy offenbar im Sinn. Doch mit seiner Diskurs-Ästhetik bleiben seine Darsteller in ihrer zeitlos bürgerlichen Maske allzu verwechselbar, gewinnen keine soziale und kaum psychologische Kontur. So bleibt das Ganze eher ein Beinahe-Konzert mit Stühle-Rücken und verfehlt die Magie einer szenische Eigendynamik und damit auch theatralischen Verbindlichkeit. Am Ende sind das zentrale Paar tot und die Massen schwer beeindruckt von solcher Liebe. Allesamt wenden dem Publikum, ganz wörtlich, so den Rücken zu, wie der Regisseur es im übertragenen Sinne beinahe ganze vier Stunden lang schon vor ihnen gemacht hatte.

Musikalisch war freilich durch Ivor Bolton und das Freiburger Barockorchester, den Salzburger Bachchor, den grandiosen, sich konditionsstark und sicher in seiner Stimmlage bewegenden Counter Bejun Mehta als zum Christentum bekehrter Liebender, Christine Schäfer als eindringlich gestaltende Theodora und Bernarda Fink als Irene für noblen Klang- und Stimmluxus gesorgt. Johannes Martin Kränzle durfte zudem den Furor des Bösen als römischer Statthalter Valens ausspielen.


FAZIT

Mit dieser Theodora-Produktion fügten die Salzburger Festspiele der Händelehrung im Jubiläumsjahr einen musikalisch noblen Beitrag hinzu, dessen szenisches Potential nicht ausgeschöpft wurde.






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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Ivor Bolton

Inszenierung
Christoph Loy

Bühne
Annette Kurz

Kostüme
Ursula Renzenbrink

Licht
Stefan Bolliger

Video
Alex Buresch
Kai Ehlers

Choreographische Mitarbeit
Thomas Wilhelm

Chöre
Alois Glaßner

Dramaturgie
Thomas Jonigk



James McVinnie, Orgelsolo

Salzburger Bachchor

Freiburger Barockorchester


Solisten

Theodora
Christine Schäfer

Didymus
Bejun Mehta

Valens
Johannes Martin Kränzle

Septimus
Joseph Kaiser

Irene
Bernarda Fink

Bote
Ryland Davies

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