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Musikfestspiele
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Jerusalem -
Stadt der zwei Frieden

Ein Projekt von Jordi Savall


Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)

Deutsche Erstaufführung in der Jahrhunderthalle Bochum am 27. August 2009

Logo: Ruhrtriennale 2009

Text- und Klangreise in die Heilige Stadt Jerusalem

von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Michael Kneffel

Als Leitmotiv zu dieser musikalischen Zeit- und Kulturreise erschallen die Posaunen von Jericho: alte Fanfareninstrumente wie Schofarhörner in verschiedenen Größen, den Businen ähnliche Naturtrompeten, orientalische Posaunen aus überlangen goldfarbenen Schalltrichtern sowie eine moderne Zugposaune. Ein dissonantes, schrilles Klanggemisch erfüllt die hohe Industriekathedrale der Bochumer Jahrhunderthalle, „eine Erinnerung daran, dass noch allzu viele Mauern den Geist der Menschen umgeben“ (so Jordi Savall im Programmheft).


Vergrößerung in neuem Fenster Jordi Savall

Dieses eigenwillige Projekt zur Völkerverständigung von Jordi Savall, Manuel Forcano und Montserrat Figueras, das 2007 von der „Cité de la Musique“ initiiert, den drei großen monotheistischen Religionen, dem Judentum, Christentum und Islam gewidmet ist und nun seine deutsche Erstaufführung feierte, erschließt sich nicht beim ersten Hören. Dazu mangelt es der Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende alten Musik an harmonischer Abwechslung, dazu müssen wir uns besinnlich, meditativ auf die Tongestaltung und Verzierungskünste des gregorianischen Chorals, eines zum Gebet rufenden Muezzins oder betenden Rabbi einlassen, auf Melodiegestaltungen, die sich an der Sprache orientieren, Inhalte vermitteln und verkünden wollen.

Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft sind auf der Bühne zusammengekommen: Neben den von dem katalanischen Musiker und Spezialisten Alte Musik Jordi Savall gegründeten Ensembles „Hespèrion XXI" und „Capella Reial de Catalunya" auch griechische, „jüdische und palästinensische Künstler aus Israel, dem Irak, Armenien, der Türkei, Marokko und Syrien".


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In sieben Kapiteln wird die wechselvolle Geschichte und spirituelle Bedeutung der über dreitausend Jahre alten Heiligen Stadt Jerusalem beleuchtet. Zu den selten zu hörenden Quellen und Texten gehören u.a. Psalmen aus dem 6.Jahrhundert v.Chr., Suren aus dem Koran, der erste Aufruf zum Kreuzzug von Papst Urban II. und Texte, die von der Bedeutung Jerusalems als Traum und spirituellem Zentrum für Pilger aller drei Religionen künden sowie „El male rahamim“, das Lied der Toten von Ausschwitz von 1941, ein beeindruckend gestalteter, eindringlicher Lamentogesang von Shlomo Katz, der in einer historischen Aufnahme (1950) mit Orgelbegleitung präsentiert wird.

Hinzu kommen mit reichen Melismen verzierte jüdische und muslimische Gebete, gregorianisch anmutende Gesänge, aus den Anfängen der Mehrstimmigkeit stammende mittelalterliche Liedformen wie der Conductus, strophisch gebaute, tänzerische Lieder und Instrumentalstücke und eine Vielzahl historischer Rhythmus-, Streich-, Zupf- und Blasinstrumente. In immer wieder neuen Klangkombinationen und Spielweisen unterstützen sie den Gesang bzw. kommentieren einfühlsam und ausdruckstark den Text, spielen zum Tanz auf oder improvisieren zusammen. Eine Wirklichkeit gewordene Utopie, wie sie außer vielleicht noch Lessings Drama Nathan der Weise nur die Musik leisten kann.


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Bis auf den Kreuzzugsaufruf Papst Urbans erklingen Texte und Gesänge in ihren Originalsprachen. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, die Gemeinsamkeiten von Hebräisch und Arabisch zu entdecken, dem Klang des Altfranzösischen, Lateinischen, Türkischen, Armenischen oder Griechischen zu lauschen? Trotzdem bleibt die Frage offen, warum der Kreuzzugsaufruf Papst Urbans auf hochdeutsch rezitiert und die Text- und Musikkostbarkeiten mit Touristenklischees wie dem der tanzenden Derwische ergänzt werden. Gewünscht hätte man sich auch, dass die Poesie einzelner jüdischer Exilautoren, etwa ein Gedicht Else Lasker-Schülers oder Rose Ausländers zu Wort gekommen wäre.


FAZIT

Als Gesamteindruck bleibt: Eine für Stunden Wirklichkeit gewordene Utopie.




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Produktionsteam

Gesamtleitung
Jordi Savall

Sprecher
Manuel Forcano


La Capella Reial De Catalunya

Ensemble Hespèrion XXI


Solisten

Khaled Abu Ali
Usama Abu Ali
Razmik Amyan
Wahab Badarne
Omar Bashir
Jean Pierre Canihac
Daniele Carnovich
Lluis Coll Trull
Yair Dalal
Beatrice Delpierre
Lior Elmalich
Pedro Estevan
Montserrat Figueras
Manuel Forcano
Francesc Garrigosa
Jordi Giménez
Michael Grébil
Yagel Harel
Elies Hernandis
Jean Imbert
Daniel Lassalle
Michel Lasalle
Andrew Lawrence-King
David Locqueneux
Sebastian Marq
Jose Antonio Martinez
Erez Shmuel Mounk
Gaguik Mouradian
Begoña Olavide
Dimitris Psonis
David Sagastume
Haïg Sarikouyoumdjian
Jordi Savall
Muwafak Shahin Khalil
Christophe Tellart
Serge Tizac
Lluís Vilamajó
Furio Zanasi




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