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Musikfestspiele
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Pfingstfestspiele 2009

30. Mai - 7. Juni 2009


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Festspielhaus Baden-Baden
(Homepage)
Ein Fest musikalischer Höhepunkte

Von Christoph Wurzel / Fotos: Andrea Kremper und Marcus Gernsbeck

Ein Programm der Extreme: vom Brendelschen Tiefsinn bis zum Svarowski-Oberflächenglitzer, vom romantischen Überschwang bis zur mathematisch kalkulierten Tonkonstruktion, von angerauten historisch informierten Klängen bis zur elegant geschliffenen Tastenvirtuosität – es gab einen ganzen Kosmos musikalischer Eindrücke bei den diesjährigen Pfingstfestspielen in Baden-Baden. Das Festival, das übrigens klammheimlich seines ursprünglichen Widmungsträgers Herbert von Karajan verlustig gegangen ist, zerfiel diesmal in drei Teile. Zu Anfang waren es gleichsam Thomas-Hengelbrock-Festspiele (u.a. mit dem aufwändig promoteten „Freischütz“ in der Regie von Robert Wilson), dann spielte Alfred Brendel eine gewisse Rolle und schließlich gab es einen vom barocken Originalklang bis hin zu gegenwärtiger Kammermusik gespannten Konzertreigen.


Vergrößerung in neuem Fenster Mozart-Pasticcio I:
Thomas Hengelbrock hier mit dem
Mahler Chamber Orchestra und Peter Mattei

Foto: Andrea Kremper

„Juditha triumphans“, Vivaldis einziges erhaltenes Oratorium, bildete einen der fulminanten Höhepunkte der Festspiele. Erzählt wird eine Geschichte aus dem Alten Testament: wie die jüdische Witwe Judith, um ihre von den Assyrern belagerte Stadt zu retten, den feindlichen Feldherrn Holofernes zum Schein umgarnt und ihm dann in einem schwachen Moment den Hals durchschneidet - ein schnöder Mord also, der hier aber zu einer gleichermaßen patriotischen wie religiösen Heldentat sanktioniert wird.

Als im Sommer 1716 Prinz Eugen bei Petrovaradin das türkische Heer entscheidend geschlagen hatte, schien diese alte Geschichte, die ob ihrer wirkungsvoll dramatischen Kraft seit dem 16. Jahrhundert schon vielfach künstlerisch (in Drama, Musik und Malerei) bearbeitet worden war, zur Feier des Sieges gerade recht zu kommen. Vivaldi vertonte die Geschichte, nannte sie ein „sacrum militare oratorium“ und so konnte auch in Venedig, das seinerzeit zum österreichischen Reich gehörte, der christliche Triumph über die Ungläubigen gebührend begangen werden. Schon im Herbst desselben Jahres fand an Vivaldis Wirkungsstätte im Ospedale della Pietà die Aufführung statt. Danach fiel das Werk der Vergessenheit anheim.


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Vivaldis Oratorium:
Das Venice Baroque Orchestra und der
Chor Vocaal Talent Nederland unter der
Leitung von Andrea Marcon mit
Marina Comparato in der Rolle der Abra

Foto: Marcus Gernsbeck

Im Zuge der nicht zuletzt von Andrea Marcon angestoßenen Vivaldi-Renaissance ließen sich nun unter seiner Leitung die besonderen Qualitäten von Vivaldis Komposition erleben, die vor allem in Gestalt der klangmalerisch reich verzierten Arien besticht, aber auch durch einen farbenreichen Orchestersatz, der die dramatisch kontrastreichen Situationen plastisch ausmalt.

Das Werk wirkte in dieser Aufführung vor allem durch seine Feinheiten. Hierzu zählten die reizvoll eingesetzten Obligat-Instrumente in den Arien, wie ein Sopranchalumeau, das in einer Arie der Judith das Turteln der Tauben imitiert oder das Colascione, eine Mandolinenart, das im Zusammenspiel mit dem Pizzicato der Violinen eine besonders exquisite Klangwirkung erzeugte. Das Venice Baroque Orchestra machte mit seinem schwingenden und exakt artikulierenden Spiel seinem Namen als Vivaldispezialisten alle erdenkliche Ehre.

Hervorragende Solistinnen trugen die fünf anspruchsvollen Partien. Manuela Custer gestaltete die Rolle der Judith trotz all ihrer Entschlossenheit auch als Zweifelnde und gab so dieser heldenhaften Rolle eine menschliche Dimension. Eindrucksvoll zeigte sie die große Bandbreite zwischen tapferer Willenskraft und sensiblen Gefühlsregungen in expressiven Stimmfarben und bewältigte die technischen Anforderungen glänzend. Nicht minder überzeugte Marina Comparato mit leichtem, beweglichen Sopran in der Rolle von Judiths Freundin Abra. Die assyrische Seite repräsentiert außer Holofernes sein Feldherr Vagus, beide Rollen auch mit Frauenstimmen besetzt, aber nicht so sensibel auskomponiert wie die Partien der jüdischen Seite. Hier sind mehr rhythmisch markante Koloraturen zu singen, die von Mary-Ellen Nesi (Holofernes) und Karina Gauvin (Vagaus) technisch exzellent und musikalisch eindrucksvoll bewältigt wurden. Großen Sonderbeifall holte sich mit nur einer einzigen Arie Romina Basso in der Rolle des jüdischen Heerführers Ozias, die mit ihrem dunklen, glutvollen Mezzo an das Timbre einer Kasarova oder Mijanovic erinnerte.

Entsprechend den an der Pietà gegebenen Bedingungen ist der Chor nur für Frauenstimmen besetzt und bei dieser Aufführung übernahmen diese Aufgabe die jungen Damen des niederländischen „Vokaal Talent“, die den wenigen Chornummern präsent und präzise ihre Stimmen liehen. Sowohl den Chorpartien wie auch der orchestralen Gestaltung fehlte trotz des martialischen Inhalts weitgehend der Gestus des plakativen Auftrumpfens, stattdessen konnte ein musikalisches Drama zwar ohne Szene aber in differenzierter innerer Spannung und lebendiger musikalischen Bildhaftigkeit erlebt werden.

Mit einem Programm von je zwei Mozart- und Beethoven- Violinsonaten beeindruckte Giuliano Carmignola, der ja mit Andrea Marcon und dem venezianischen Barockorchester besonders auch mit Musik von Vivaldi oft auftritt. Anfangs irritierte er fast mit seinem rauen, gleichsam naturbelassenen Geigenton. Hörbar wurde ganz unmittelbar der ausdrucksstarke Gehalt der musikalischen Rede, die widerborstige Melancholie zum Beispiel, die Mozart in das Andante seiner Es-Dur-Sonate (KV 380) hinein komponiert hat. Carmignola betonte den tonartfremden Akzent im Seitenthema, der immer wieder wie ein Stachel gegen die Stimmung löckt, derart dass man eine Ahnung vom störrisch selbstbewussten Temperament Mozarts bekam, der seiner gepuderten Zeit wohl bisweilen auch die Zähne zeigen konnte. Im Rondeau dann blitzte Mozarts derber Humor auf. Carmignolas Spiel spricht zu uns durch eine ungeschönte Phrasierung, aber auch durch den Klang. Sein Geigenton ist klar, aber streng, bisweilen scharf und schneidend. Energiegeladen, schwungvoll, unaufhaltsam drängend und auch wieder gefühlvoll singend bildete Beethovens „Frühlingssonate“ das Finale einer faszinierenden Pfingstmatinee voller neuer, erfrischender Höreindrücke. Am herrlich klingenden Hammerflügel war Yasuyo Yano eine besonders auf exaktes Zusammenspiel bedachte Begleiterin, die ihrem Part aber auch deutliches eigenen Charakter verlieh.


Vergrößerung in neuem Fenster Mit viel Schwung:
Sol Gabetta und Lauma Skride
Foto: Markus Gernsbeck

In einer weiteren Matinee waren zum Festspielabschluss zwei vor Temperament und Spielwitz nur so sprühende junge Musikerinnen zu erleben, Sol Gabetta und Lauma Skride. Ihr Programm erstreckte sich von der romantisch überschwänglichen 2. Sonate von Mendelssohn bis zu einer Komposition von Alberto Ginastera, der wie Sol Gabetta aus Argentinien stammt und ein Vermittler zwischen seinen in der lateinamerikanischen Folklore haftenden Wurzeln und europäischen Entwicklungen, vor allem auch der Moderne, gelten kann. Seine hoch virtuose Rhapsodie Pampeana Nr. 2 spielte Sol Gabetta auf ihrem seelenvoll singenden Guadagnini-Cello mit expressivster Leidenschaft, in der großen Spanne zwischen den Polen Wildheit und Melancholie. In der Prokofjew- Sonate blitzten aus einer scheinbar versöhnlichen Gesanglichkeit Impulse von Trotz und Eigensinn hervor. Musste sich doch Prokofjew wie Schostakowitsch ebenfalls immer wieder mit der Ignoranz der sowjetischen Kulturbürokratie herumschlagen.

Mitreißenden Schwung und wahres Musizierfeuer entfachten die beiden Künstlerinnen in Mendelsohns zweiter Cellosonate, in deren vorwärts treibendem ersten Satz eine nahezu atemlose Spannung entstand. Glänzend im zweiten Satz das kontrastreiche Zusammenspiel beider Instrumente, wie überhaupt die ganze Zeit über in jedem Moment Lauma Skride sich als völlig gleichrangige Partnerin am Klavier zeigte - Musizieren aus gleichem Geist und Gefühl, Vitalität und Klangsinn aufs Schönste gepaart. Das Adagio dieser herrlichen Sonate glückte vollkommen in seiner rhapsodischen Gestik und der letzte Satz setzte dieser Werkinterpretation die virtuos glänzende Krone auf.


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Tastenlöwe mit samtenen Anschlag:
Arkadi Volodos

Foto: Marcus Gernsbeck

Einen Saal in seinen Bann zu schlagen – das scheint für Arkadi Volodos eine der leichteren Übungen zu sein. In Baden-Baden ist ihm das jedenfalls gelungen. Hätte man nach der Ansage einer vollständigen Programmumstellung (es sah ursprünglich pure Romantik - Schumann und Liszt - vor) befürchten können, dass die nun folgende Musik von Skrjabin, Mompou, Ravel, Albéniz – es war nur ein wenig Liszt dabei - das Publikum verschrecken oder verärgern würde, zumal in Baden-Baden, wo man eigentlich viel mehr das Gefällige liebt. Aber weit gefehlt – schon nach dem ersten Block aus 5 Skrjabin- Stücken war das Publikum fast aus dem Häuschen vor Begeisterung, und dies mit Recht. Volodos ist ein Pianist, der sich gleichermaßen auf das Oktavenpflügen wie auch auf das Glockenspiel auf den schwarzweißen Tasten versteht. Und das gewählte Programm, das er tags zuvor übrigens auch in Schwetzingen präsentiert hatte, kam ihm dabei bestens entgegen. Mit expressionistischen Miniaturen des russischen Exzentrikers ein Rezital zu beginnen, heißt sofort höchste Aufmerksamkeit zu erzwingen. Volodos gelang dies tatsächlich, seiner großen Kunst einer differenzierten Feinzeichnung wegen und einer perfekt abgestimmten Klangdynamik, wie sie gerade auch von Skrjabins Kompositionen verlangt wird. In der „Weißen Messe“, seiner 7. Sonate, lugen Gott und Teufel aus dem Klavierkasten und am Schluss lösen sich alle thematischen Gegensätze in Akkordcluster, Arpeggien und Triller auf. Einen Pianisten braucht es, der mit Donnerkraft dreinschlagen und gleich darauf die Tasten mit den Fingerspitzen nur sanft streicheln kann. Nach solchen pianistischen Wechselbädern steht Volodos fast erfrischt vom Stuhl auf und ist bereit zu neuen Taten.

Diese bestanden dann aus leichterem, französisch-iberischem Stoff. Die musikalische Aquarellistik in Mompous Landschaftsbildern zauberte Volodos mit seinem Tastenspiel als imaginäre Bilder vor das innere Auge, wie ein leiser Windhauch das Wasser des Sees kräuselt oder die dörfliche Stille, die Brunnen und Glockenturm in flirrender Hitze umgibt.

Ravels Valses zelebrierte er nobel, nostalgisch und schwebend, mit höchstem Klangsinn, genussvoll ausgehört. Die spanischen Impressionen wie Albéniz' Cordoba gelangen filigran und klangsinnlich. In Liszts Dante-Sonate kam noch einmal die pianistische Kraft von Arcadi Volodos zu ihrem Recht. Ein Virtuose war hier am Werk, aber ein Virtuose mit der Goldwaage.


Vergrößerung in neuem Fenster Buchtipp:
Alfred Brendel:
Spiegelbild und schwarzer Spuk
288 Seiten. Gebunden. Hanser Verlag München, Wien 2003
ISBN 9783446203495

Wollte man Volodos einen Poeten am Klavier nennen, liefe man gleich Gefahr bei Alfred Brendel Stirnrunzeln zu ernten, der bei den Festspielen diesmal nicht in die Tasten, sondern zum Wort griff. Es sei doch verwunderlich, dass immer nur Pianisten mit diesem Attribut belegt würden und etwa Geiger oder Bläser nicht. „Poesie ist die Würze, nicht das Hauptgericht“, befand er und spießte in einem Bühnengespräch noch so manches Klischee des Musikbetriebs auf; nicht auch ohne Selbstironie, wenn er bemerkte, dass der „Alterstil“ der Pianisten doch nichts als ein „Kompromiss mit der Arthritis“ sei. Er jedenfalls habe sich den Abschied vom Konzertpodium im letzten Jahr ganz bewusst und ohne Wehmut genommen: „Ich habe mich sehr über die Tränen der anderen gefreut, aber selbst keine vergossen“. In diesem Jahr betritt er die Bühne erneut, als Vortragender seiner Gedanken über Musik und als ironisch-vergnügter Rezitator eigener Gedichte und Aphorismen. In Baden-Baden gab er von beidem eine Kostprobe.

Nach einem Vortrag über den „Charakter in der Musik“ luden am anderen Abend Vater und Sohn (Adrian) Brendel zu einer lyrisch-musikalischen Soiree. Der Sohn öffnete am Cello mit animiertem, klarem Spiel einer Bachsuite und Miniaturen von György Kurtág Geist und Sinne der Zuhörerschaft, die der Vater dann mit skurrilen Texten durch so manchen Irr- und Wirrgarten zu aberwitzigen Gedankenspielen verführte. Wie wird es sein, so überlegt ein Schauspieler, als Otello täglich eine berühmte Schauspielerin zu ermorden? Ein anderer bekennt sein Bedürfnis, sich selbst zu heiraten, „selbstgenügsam wünschte ich mich zu lieben“. Lustvoll beschleicht ihn der Gedanke, Besuch einzuladen und sich selbst einmal heimlich zu betrügen. Von Engeln („Engel lieben Unsinn“) und Teufeln („Wenn Teufel sich langweilen, spielen sie Gutsein“), von Gott ( in einem dutzend Varianten phantasiert er sich das Ende Gottes ) und absonderlichen Menschen (z.B. einem Club der Menschenfresser) handeln die Gedichte. Im Rhythmus sind sie frei, gedanklich scharf pointiert, im Ton ironisch humorvoll bis sarkastisch, teils dadaistisch verspielt, teils nachdenklich, philosophisch, auch ketzerisch. Wie wäre es, wenn Christo, nachdem er die 3 Tenöre verpackt hat, nun auch Regisseure wie Peter Sellars oder Robert Wilson „auf halber Höhe des Kölner Doms in graues Plastik“ verhüllt platzieren würde? Brendels ironischer Skeptizismus kann beißend und doch auch liebevoll sein. Unter dem Plauderton mit dem charmanten Wiener Akzent zwickt es und zwackt es, damit nur der Geist nicht vertrocknet. Derart Humor ist es wohl auch, den Brendel bei Haydn so schätzt.


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Talent mit Brendels Segen:
Kit Armstrong

Foto: Andrea Kremper

Außer seinen belebenden Gedanken und Gedankenspielen brachte Brendel noch ein anderes Geschenk mit, die Empfehlung eines jungen Talentes – des von ihm geförderten siebzehnjährigen amerikanischen Pianisten Kit Armstrong. Mit Bachs Chromatischer Fantasie und Fuge d-Moll stieg der junge Pianist ohne Zögern gleich in die höchsten Regionen der Klavierkunst ein und zwar mit brillanter Tongebung, technischer Souveränität und geistiger Klarheit. In der Mozartsonate ließ sich der Einfluss des Lehrers erahnen, indem er besonders im Adagio tief in die harmonischen Schichten hineinhörte und schon beträchtlichen Gestaltungswillen bewies. Mit seiner Auswahl von Chopinetüden konnte Armstrong die große Bandbreite seiner pianistischen Möglichkeiten entfalten, die sich vom Liedhaften über elegant perlende Läufe bis zur pathetischen Geste der Revolutionsetüde erstreckten. Die Debussy-Préludes dagegen gaben Gelegenheit zu eindrucksvoller Klangsinnlichkeit. Als musikalischer Alleskönner schließlich stellte Armstrong sich mit einer eigenen Komposition vor, die in einer Art musikalischen Formelspiels Motivgedanken durchjongliert. Dass Armstrong neben dem musikalischen auch ein mathematisches Genie zu sein scheint, war hier nicht zu überhören. Dass sich Brendel für diesen jungen Künstler besonders einsetzt und „mit ihm arbeitet“ (das Wort Unterricht vermeidet er bewusst), zeigt, dass er ihm noch viel zutraut. Selbst den Vergleich mit Mozart scheute dieser erfahrene Musiker nicht.


Vergrößerung in neuem Fenster Mozart-Pasticcio II:
Thomas Hengelbrock hier mit
dem Mahler Chamber Orchestra
und Veronique Gens
Foto: Andrea Kremper

Die Eröffnung der Pfingstfestspiele wurde von erheblichem Medienaufwand begleitet. Sowohl die Freischütz-Produktion wie auch das ebenfalls von Thomas Hengelbrock geleitete Konzert wurden von arte übertragen. Diesem Umstand war wohl die recht eigenwillige Programmfolge geschuldet. Aus Sinfoniesätzen (drei aus der kleinen g-Moll-Sinfonie) und Arien aus Opern von Mozart wurde in angedeuteten kleinen Szenen ein Pasticcio über die Probleme, die die Männer so mit den Frauen haben (und umgekehrt). Mit Véronique Gens und Peter Mattei standen zwei Sänger auf der Bühne, die im Hinblick auf ihre Bühnenpräsenz und Gesangskultur keine Wünsche übrig ließen. Dennoch blieben natürlich die aus dem Zusammenhang gerissenen Arien wie die Felsenarie aus „Cosi fan tutte“, Figaros „Aprite un pò quel'occhi“ und das „La ci darem la mano“ aus „Don Giovanni“ hinter ihrer dramatischen Wahrheit zurück. Wenn die Handlungsfäden, mit denen die Arien aus verschiedenen Opern verbandelt waren, auch lustig waren, blieben sie am Ende doch etwas banal. Unterhaltsam sollte das Ganze sein – eben fernsehgerecht.

Schumanns „Rheinische“ bekam man dafür vollständig zu hören und dies in einer fesselnden Interpretation. Hengelbrock entfesselte mit dem Mahler Chamber Orchestra ein wahres Freudenfest sinfonischer Klangopulenz mit strahlenden Blechbläsern, kantablen Holzbläsern und einem flexiblen Streicherapparat, alle zusammen mit einer schwungvollen und hochgespannten Interpretation von Schumanns Dritter Sinfonie.

Fazit:

2009 gab es die reichhaltigsten und abwechslungsreichsten Pfingstfestspiele bisher. Ohne Pause folgte ein Höhepunkt dem anderen.

OMM-Rezension: Der Freischütz
Premiere im Festspielhaus Baden-Baden am 30. Mai 2009

Die Programme

30. Mai und 1. Juni 2009
Carl Maria von Weber
Der Freischütz
Romantische Oper
von Johann Friedrich Kind
Inszenierung:
Robert Wilson
Musikalische Leitung:
Thomas Hengelbrock
Mahler Chamber Orchestra
Philharmonia Chor Wien

31. Mai 2009
Giuliano Carmignola, Violine
Yasuyo Yano, Klavier
Wolfgang Amadeus Mozart
Sonaten für Violine und Klavier
KV 380 und 304
Ludwig van Beethoven
Sonaten für Violine und Klavier
op. 23 und op. 24

31. Mai 2009
Véronique Gens, Sopran
Peter Mattei, Bariton
Mahler Chamber Orchestra
Leitung: Thomas Hengelbrock
Wolfgang Amadeus Mozart
Aus Sinfonie g-Moll KV 183
Arien und Duette aus Cosi fan tutte,
Figaros Hochzeit und Don Giovanni
Robert Schumann
Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120
„Die Rheinische“

3. Juni 2009
Alfred Brendel, Lesung
Adrian Brendel, Violoncello
Werke von Johann Sebastian Bach
und György Kurtág
Gedichte von Alfred Brendel

4. Juni 2009
Kit Armstrong, Klavier
Werke von Johann Sebastian Bach,
Kit Armstrong, Frédéric Chopin
und Claude Debussy
Alfred Brendel im Gespräch

5. Juni 2009
Arcadi Volodos, Klavier
Alexander Skrjabin
2 Préludes op. 37 Nr. 1
und op. 11 Nr. 16
Danse languide op. 51
Guirlandes op. 73 Nr. 1
Sonate Nr. 7 op. 64
„Weiße Messe“
Frederico Mompou
Paisajes
Maurice Ravel
Valses nobles et sentimentales
Isaac Albéniz
Córdoba op. 232 Nr. 4
La Vega
Franz Liszt
Après une lecture de Dante.
Fantasia quasi Sonata

6. Juni 2009
Venice Baroque Orchestra
Andrea Marcon, Dirigent
Manuela Custer, Juditha
Mary-Ellen Nesi, Holofernes
Karina Gauvin, Vagaus
Marina Comparato, Abra
Romina Basso, Ozias
Vocaal Talent Nederland
Wilma ten Wolde, Leitung

Antonio Vivaldi
Juditha Triumphans. RV 644
Libretto von Giacomo Casseti

7. Juni 2009
Sol Gabetta, Violoncello
Lauma Skride, Klavier
Felix Mendelssohn Bartholdy
Sonate für Violoncello und Klavier
Nr. 2 D-Dur op. 58
Sergej Prokofjew
Sonate für Violoncello und Klavier
C-Dur op. 119
Alberto Ginastera
Pampeana Nr. 2 op. 21
Rhapsodie für Violoncello und Klavier


Ferner: nicht rezensiert
31. Mai 2009
Ahn – Trio
Musik von Michael Nyman,
Astor Piazzolla, Kenji Bunch u.a.

1. Juni 2009
Jordi Savall, Viola da Gamba
Werke von Marin Marais,
Monsieur de Sainte-Colombe u.a.

2. Juni 2009
Alfred Brendel: „Charakter in der Musik“
– Vortrag

6. Juni 2009
Józef Landvay, Violine
Alexander Afanassiev, Violine
Alexander Bagrintsev, Violoncello
Corneliu-Cosmin Puican, Kontrabass
Werke von Johannes Brahms,
Vittorio Monti, Astor Piazzolla u.a.



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