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Musikfestspiele
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Konzert zum Vorverkaufsstart des
Heidelberger Frühling 2009


Liederabend

Christine Schäfer


Kongresshaus Stadthalle Heidelberg
11. November 2008


Homepage

Heidelberger Frühling 2009
(Homepage)
Der Schmerz unter der Haut

Von Christoph Wurzel

Es mag merkwürdig anmuten, ein Frühlingsmusikfest im November mit der "Winterreise" zu beginnen. Aber die Programmplanung des Festivals "Heidelberger Frühling" hat es so vorgesehen und wollte zum Vorverkaufsstart einen zugkräftigen Akzent mit einem herausragenden Konzert setzen.

Im Reigen der vielfältigen Festspielangebote im deutschen Südwesten gilt es in der Tat sich zu behaupten. Und der "Heidelberger Frühling" hat sich in dieser Region seit seiner Gründung 1997 zu einem der interessantesten Musik-Festivals entwickelt, sowohl im Hinblick auf das vielseitige Programmangebot, das 2009 den Bogen von der Sinfonischen Musik bis hin zur Kammermusik und zum Lied spannt, sich musikgeschichtlich zwischen Perotinus Magnus und Matthias Pintscher bewegt und schließlich auch das Grenzgebiet zwischen Musik und Literatur auslotet, als auch hinsichtlich der Interpreten, unter denen sich arrivierte Namen ebenso finden wie junge, aufstrebende Künstlerinnen und Künstler, denen auch eine eigene Reihe ("Forum junger Künstler") gewidmet ist. Insgesamt ist das Programm durch eine deutliche thematische Akzentuierung geprägt, die in der neuen Saison unter das Motto "Identität" gestellt ist. Das detaillierte Programm des nächsten "Heidelberger Frühlings" vom 21. März bis zum 25. April 2009 mit rund 80 Veranstaltungen erscheint Anfang Dezember und ist unter www.heidelberger-fruehling.de zu erfahren.

Für den Start in die neue Festspielsaison also wurden Christine Schäfer und Eric Schneider gewonnen, die bereits vor etwa 2 Jahren gemeinsam eine viel gelobte Einspielung der "Winterreise" vorgelegt hatten. Einen noch wesentlich stärkeren Eindruck als die CD - Aufnahme hinterließ ihre Interpretation nun auf dem Heidelberger Podium, die von romantischer Larmoyanz ebenso weit Abstand hielt wie von dramatisch inszenierter Verzweiflung. Wo die Sängerin in der CD - Aufnahme noch stellenweise etwas plakativ aufträgt, blieb sie nun bei einem äußerst kontrollierten Ausdruck, der umso packender die innere Spannung in den Lieder spüren, die subkutanen Emotionen durchscheinen ließ, ohne sie direkt nach außen zu kehren - unter dem Eis der schwellende Fluss, unter der Haut das brennende Leid.

Christine Schäfer spannte die Palette ihrer stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten weit, vom ersten Lied ("Gute Nacht"), das sie in zügigem Tempo anging, wie in festem, energischen Wanderschritt, der zurücklassen will, was Schmerzen bereitet hat, bis hin zum letzten ("Der Leiermann"), wo allein der fahle Ton der Ermattung und der antwortlosen Leere zurückblieb. Eine Fermate auf "Wo find ich grünes Gras?", die Atemlosigkeit im "Rückblick" ("Es brennt mir unter meinen Sohlen") oder das kurze helle Aufblühen der Stimme in den "Nebensonnen": "Im Dunkel wird mir wohler sein" - in jedem Lied übersetzte diese kluge Sängerin das lyrische Potential des Textes vor allem durch subtile Nuancen der Stimmfärbung. Natürlich ist das lyrische Ich dieser Gedichte ein Mann und man ist gewohnt, den Zyklus von einer Männerstimme zu hören, aber wenn Christine Schäfer diese Lieder gestaltet, so identifiziert man sich als Hörer weit mehr mit den Stimmungen, den Affekten der Texte, als mit der Sängerin selbst. Die Unmittelbarkeit des lyrischen Ausdrucks realisiert sich im Vorgang des Hörens, wird zu einer Form des Erlebens. Einen größeren Dienst kann eine Sängerin der Kunstform des Liedes nicht leisten!

In Eric Schneider hatte die Sängerin einen Begleiter par excellence. Perfekt ordnete er sich der Stimme unter, aber ebenso trat er markant hervor, wo die Klavierstimme kommentierender Kontrast ist. Dass reiner Wohlklang in der "Winterreise" verfehlt wäre, machte er mit schroffem Anschlag ("...da war es kalt und finster...") oder einer angespannten Forcierung (" "Es brennt mir unter beiden Sohlen") deutlich; dann wieder tonmalerische Plastizität (das Posthorn oder der Krähenflug) - zu lebendigen musikalischen Miniaturen gestaltete Eric Schneider den Klavierpart. Niemals kam falsche Gefühligkeit auf, keine süßlich sentimentale Stimmungsmalerei etwa im "Lindenbaum", sondern eine klare Tongebung ließ die harmonischen Modulationen der Komposition sprechen. Auch das Klavier sang an diesem Abend und erzählte zugleich, was in den Gedichttexten nicht direkt gesagt wird, Schubert aber zwischen die Noten geschrieben hat.


Fazit:

Ein großer Abend vollendeter Liedkunst. Und ein Versprechen auf weitere Höhepunkte im musikalischen Frühling in Heidelberg.




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Christine Schäfer
Sopran

Eric Schneider
Klavier




Franz Schubert
Winterreise

Liederzyklus auf Gedichte
von Wilhelm Müller
D 911


Weitere Informationen

www.heidelberger-fruehling.de





Da capo al Fine

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