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Musikfestspiele
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Händel-Festspiele in Halle 2007
31. Mai bis 10. Juni 2007

"Triumph von Zeit und Wahrheit"
Mythos und Allegorie bei Händel

Die Opernproduktionen im Opernhaus Halle
und im Goethe-Theater Bad Lauchstädt


Opernhaus Halle
Ariodante
Dramma per musica in drei Akten
von Georg Friedrich Händel HWV 33
Libretto: Anonyme Bearbeitung von "Ginevra, Principessa di Scozia"
von Antonio Salvi nach " Orlando furioso" von Ariost
Erste Aufführung nach der Hallischen Händel-Ausgabe


Goethe-Theater Bad Lauchstädt
King Arthur
Semi-Opera mit einem Text von John Dryden
und Musik von Henry Purcell
Gemeinschaftsproduktion der Händel-Festspiele Halle, des Goethe-Theaters Bad Lauchstädt,
der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, der Festwochen Herrenhausen, des Festivals Bayreuther Barock,
des Festivals Kissinger Winterzauber und des Theatre Royal Bury St Edmunds

Von Gerhard Menzel
Homepage: Händel-Festspiele in Halle
Händel-Festspiele in Halle



Homepage: Opernhaus Halle
Opernhaus Halle

Homepage: Goethe-Theater Bad Lauchstädt
Goethe-Theater Bad Lauchstädt

„Ariodante“ im Opernhaus Halle

Nach den niederschmetternden musikalischen Eindrücken, die Federico Maria Sardelli und das Händelfestspielorchester beim Festkonzert zur Eröffnung der Festspiele hinterlassen hatten, waren die Erwartungen auf die Opernneuproduktion des „Ariodante“ auf ein Minimum geschrumpft.

Zwar klang schon die Ouvertüre wesentlich geordneter als im Festkonzert (was natürlich auch an der Probendisposition gelegen haben dürfte), aber äußerst gewalttätig und weniger schwungvoll als viel mehr gehetzt. Differenziertheit und das Ausloten der leisen und nachdenklichen Töne der Partitur kamen bei Federico Maria Sardelli und dem Händelfestspielorchester so gut wie überhaupt nicht vor.  Dabei gehört gerade der „Ariodante“ zu Händels reizvollsten Partituren, die sich durch Verinnerlichung und Verzicht auf Pathos auszeichnet und die viele sensibel gezeichnete musikalische Charakterbilder enthält. Darunter befinden sich sogar vier Duette und mehrere Ariosi sowie zwei – durch den dramatischen Fortgang des Geschehens - plötzlich abbrechende Duette und ein Arioso.

Dass diese erste Aufführung des „Ariodante“ nach der Hallischen Händel-Ausgabe dann dennoch zu einem Erfolg wurde, war eine sehr positive und kaum vorstellbare Überraschung und geht vor allem auf das Konto eines überzeugenden Solistenensembles und der ausgefeilten und konsequent bis zum Ende spannungsvollen Inszenierung von Stephen Lawless. Neben einer detailliert und intensiv ausgearbeiteten Personenführung trug vor allem die Bühnengestaltung von Benoît Dugardyn zu dieser überwältigenden Wirkung des Stückes bei, die von der Mannschaft der Bühnentechniker ein Höchstmaß an Arbeitseinsatz, Perfektion und Konzentration erforderte. Trotz des unüberhörbaren Umbaulärms während der Aufführung – der leider nicht zu vermeiden war - gebührt ihnen ein ganz besonders großes Lob! Immerhin mussten riesige Bühnenteile in kürzester Zeit raum- sekundengenau rangiert werden. Ein wesentlicher Bestandteil der Inszenierung waren neben der stimmungsvollen Lichtregie auch die schottisch inspirierten, die Personen deutlich charakterisierenden Kostüme von Sue Willmington.

Besonders eindrucksvoll gerieten auch die Ballettszenen (im Alptraum- und Horrorlook) in der Choreografie von Nicola Bowie. Händel hatte die Möglichkeiten des erst 1732 eröffneten Royal Theatre Covent Garden, wo Ariodante am 8. Januar 1735 herauskam, genutzt, indem er neben dem Chor auch Ballettnummern komponierte. Diese waren bewusst nicht als Einlagen konzipiert, sondern als integrale Handlungsbestandteile, wodurch das Werk wesentliche Elemente der französischen Oper übernahm. Ausgeführt wurden sie von der legendären, damals in London wirkenden französischen Choreografin Marie Sallé.

Dass die Inszenierung letztendlich so spannend und überzeugend wirkte,  lag auch an den willigen und fähigen Sängerdarstellern, die die Intentionen von Regisseur Stephen Lawless so ausdrucksvoll umsetzten. Neben Caitlin Hulcup in der Titelpartie, Gillian Keith als Ginevra, Nicholas Sales als Lurcanio, Agnete Munk Rasmussen als Dalinda,  Alexander Geller als Odoardo und Raimund Nolte als König von Schottland, war es vor allem Axel Köhler, der in der Rolle des dominierenden Überfießlings Polinesso die Szene und die Geschicke der Handlung so imponierend beherrschte.

Dieser „Ariodante“ war die seit Jahren beste und spannendste Opernproduktion des  Opernhauses Halle im Rahmen der Händel-Festspiele. Wenn es Federico Maria Sardelli und dem Händelfestspielorchester gelingt, Händels Musik noch differenzierter und feinfühliger zu interpretieren, kann diese Produktion in Halle nächstes Jahr durchaus noch Aufführungsgeschichte schreiben.




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Ariodante  
Foto: Gert Kiermeyer  


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Ariodante  
Foto: Gert Kiermeyer  


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Ariodante  
Foto: Gert Kiermeyer  





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King Arthur  
Foto: Jens Schlüter


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King Arthur  
Foto: Jens Schlüter


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King Arthur  
Foto: Jens Schlüter  

„King Arthur“ im Goethe-Theater Bad Lauchstädt 

Mit der Semi-Opera „King Arthur“ von Henry Purcell wartete das Goethe-Theater Bad Lauchstädt mit einem ganz besonderen Schatz des Musiktheaters auf. Möglich wurde dieses auf Grund der Tatsache, dass dieses eine Gemeinschaftsproduktion der Händel-Festspiele Halle, des Goethe-Theaters Bad Lauchstädt, der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, der Festwochen Herrenhausen, des Festivals Bayreuther Barock, des Festivals Kissinger Winterzauber und des Theatre Royal Bury St Edmunds war.

„King Arthur“, auch „The British Worthy“ genannt, entstand nach einem Libretto von John Dryden, dessen Handlung auf König Arthurs Schlachten zwischen den Sachsen und den Briten basiert und Arthurs Versuche schildert, seine Verlobte, die blinde Prinzessin Emmeline von Cornwall, zu retten, die von seinem Erzfeind, dem Sachsenkönig Oswald, entführt wurde.

„King Arthur“ ist eine Semi-Oper, in der Schauspiel und Oper eine perfekte Synthese eingehen. Dryden und Purcell schufen damit im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesamtkunstwerk, in dem beide Genres zusammengeführt werden und großartige Theatereffekte entstehen.

Dem entsprechend ist der personelle Aufwand des Stückes enorm. Zunächst wird eine große Anzahl von spielfreudigen Sängerdarstellern benötigt, die als Priesterinnen, Nymphen, Waldgeister, Schäferinnen oder Wassernymphen die Bühne bevölkern. Hier waren es Mitglieder der Capella Angelica, ein Vokalensemble, das seit dem Jahr 2002 mit der Lautten Compagney Berlin von Wolfgang Katschner  zusammenarbeitet. Die Solopartien gestalteten Nicki Kennedy (Philidel u.a.), Stefanie Wüst (Britania, Syrene u.a.), Alexandra Lachmann (Syrene u.a.), Gesine Nowakowski (Cupid, She u.a.), Sean Clayton (Aurelius, Comus u.a.), Oliver Uden (Priest Solo u.a.), Matthias Vieweg (He u.a.), Tobias Müller-Kopp (Cold Genius, Aeolus u.a.) und Tye Maurice Thomas (Oswald u.a.).

Die zentralen Rollen des „King Arthur“ werden von Schauspielern verkörpert. Mit großem Engagement und idiomatisch perfekt (englisch) deklamierend, sorgten  Clayton Nemrow (Arthur), Laura Cameron (Emmeline), Melissa Holroyd (Mathilda),  Darren Robert Smith (Osmond),  Jesse Inman (Grimbald) und Shaun Lawton als die Szene dominierender Merlin für große darstellerische Momente.

Im schlichten, aber durch viele Türen und Klappen sehr flexibel und variabel zu bespielenden Bühnenraum und die einfachen Kostüme (Ausstattung: Kit Surrey)  gelang Regisseur Colin Blumenau eine fantasievolle und spannende Inszenierung, die durch Stoffbahnen und eine effektvolle Lichtgestaltung auch ohne großen szenischen Aufwand auskam. Auch die Personenführung und das Miteinander von Schauspielern und Sängern war überzeugend, sodass zusammen mit Wolfgang Katschner und dem zupackend musizierenden Barockorchester der Lautten Compagney Berlin ein wirklich fesselnd gestaltetes Gesamtkunstwerk entstand.

 

Als Wiederaufnahme aus dem letzten Jahr kam im Opernhaus Halle noch einmal die weniger fesselnde Produktion von Händels „Admeto, Re di Tessaglia“  in der Inszenierung von Axel Köhler zur Aufführung, die inzwischen auch auf DVD erschienen ist (siehe OMM-Rezension).





Da capo al Fine

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